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Mit Daum wird alles gut

Von Frank Nägele, 18.11.06, 22:11h, aktualisiert 20.11.06, 11:38h

Dass Christoph Daum nun doch beim 1. FC Köln angeheuert hat, lässt die Fans euphorisch werden. Der Preis für den Wunder-Trainer: geschätzte acht Millionen Euro bis 2010.

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Christoph Daum
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Christoph Daum
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FC-Präsident Wolfgang Overath
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FC-Manager Michael Meier
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Erich Rutemöller, der ranghöchste Pädagoge im Deutschen Fußball-Bund, hat am Samstag eine schlechte Nachricht erhalten. Der Kollege Roland Koch teilte mit, dass er den Lehrgang in Moldawien leider nicht wie vereinbart leiten könne. „Das war nicht so schön für mich“, sagt Rutemöller, der jetzt nach Ersatz suchen muss. Als er aber den Grund erfuhr, rückte das persönliche Schicksal ein wenig in den Hintergrund. Der Mann wird wieder für den 1. FC Köln arbeiten. Mit sofortiger Wirkung. Denn Koch ist der ewige Begleiter des Trainers Christoph Daum (53), dessen spektakulärer Salto rückwärts mit Schraube am Wochenende den deutschen Fußball elektrisiert hat.

UMFRAGE: Schafft der FC mit Daum noch den Aufstieg?

Als die Meldung am Samstagabend gegen 22.15 Uhr exklusiv in der Online-Ausgabe des „Kölner Stadt-Anzeiger“ erschien, überschlugen sich die Ereignisse. Die Fan-Foren quollen über vor Einträgen. Das „Aktuelle Sport-Studio“ des ZDF schob eine Blitzgeschichte hinterher. Der Verein ging auf Tauchstation. Aber die Sache war klar: Christoph Daum wird nach 16 Jahren wieder Trainer des 1. FC Köln. Im Anschluss an die 1:2-Niederlage gegen 1860 München verkündete Manager Michael Meier am Sonntagnachmittag: „Christoph Daum hat einen Vertrag bis Juni 2010 unterschrieben.“ In spätestens 14 Tagen beim Heimspiel gegen Duisburg soll er auf der Trainerbank sitzen. Die Absage der Absage erklärte Meier so: „Ich glaube, er konnte nach seiner Entscheidung mit sich nicht in Harmonie leben.“ Verhandelt werden musste nicht mehr viel. Meier: „Die Eckdaten standen ja schon.“ Es heißt, der Trainer werde in dreieinhalb Jahren vom Verein rund zehn Millionen Euro Gage erhalten.

Dieser Vorgang lässt Deutschland in zwei Teile zerfallen. Köln und den Rest drum herum. Für den Kölner ist das kein Problem, denn er hält diese zwei Dinge ohnehin für in etwa gleich groß. Außerhalb der Stadt waren die Ereignisse seit der Entlassung des Schweizers Hanspeter Latour erst mit der üblichen „Die spinnen doch eh' alle“-Haltung belächelt worden. Als dann aber der Live-Absage aus dem Krankenhaus weitere Nachverhandlungen folgten und schließlich das vermeintlich endgültige Nein, war aus dem Amüsement schon Unglaube geworden. Doch die neueste Entwicklung schlägt alles für möglich Gehaltene.

FORUM: Mitreden über die aktuellen Ereignisse

Es ist eine Story, die sich wie gemalt einfügt in die Vita des Menschen Christoph Daum, der die Normalität mit einer Konsequenz meidet, wie es selbst in dieser Branche nur wenige tun. Die Geschichte vom Sohn eines aus dem Erzgebirge ins Ruhrgebiet ausgewanderten Bergarbeiters hat er selbst mit Hingabe ausstaffiert. Früher Tod des Vaters („ich kannte ihn gar nicht“), Kampf gegen soziale und fußballerische Benachteiligungen („ich musste mir alles erarbeiten, ich war ein Klopper“). Als 22-Jähriger kommt Daum 1975 nach Köln, um Sport und Englisch zu studieren. Als Kicker findet er Unterkunft bei den Amateuren des 1. FC Köln. Das letzte Spiel 1981 sollte sein größtes werden. Das Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft. Und dann setzt ihn sein damaliger Trainer Erich Rutemöller zum ersten Mal auf die Bank. Der FC holt den Titel und während alle jubeln, ist Daum so wütend, dass er fast die Kabinentür eintritt.

Fünfeinhalb Jahre später ist Daum Cheftrainer eines Vereines, der ihn als Assistenten des entlassenen Trainers Georg Keßler nur deshalb befördert, weil er wieder mal gar keinen Plan hat. Daum gilt als belächelte Interimserscheinung, als Winzling, nicht würdig, den großen Klub auch nur eine Woche zu führen. Diese Zeit hat ihn als Trainer extrem geprägt. Einer seiner Lieblingssätze in diesen Monaten ist: „Unterschätzen Sie mich nicht!“

Größter deutscher Fußball-Skandal

Das tat bald keiner mehr. Der Niemand brauchte nur eineinhalb Jahre Zeit, um sich zum ganz persönlichen Hauptkonkurrenten des FC Bayern München emporzuschwingen. Er tat das, indem er um Stars wie Littbarski, Kohler, Steiner, Povlsen und Illgner eine Mannschaft formte, die kaum verlor. Allerdings machte er sich durch eine brutale Kampagne gegen den bei Bayern arbeitenden Kollegen Jupp Heynckes den mächtigsten Mann der Liga zum Feind. Und das rächte sich ein Jahrzehnt später furchtbar. Denn Uli Hoeneß, der Bayern-Manager, brachte mit seinen Kokain-Andeutungen den größten deutschen Fußball-Skandal des letzten Vierteljahrhunderts ans Tageslicht. Am 21. Oktober 2000 schlug die Nachricht von der positiven Haarprobe ein wie der Blitz. Der Mann, der 1992 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde, aber mit Köln und Leverkusen fünfmal Vizemeister, war über Nacht zur Unperson geworden. Daum flüchtete nach Florida, er wurde kein Bundestrainer und arbeitete fortan nur noch im Ausland.

Daums Rückkehr zum Verein, der ihn groß machte, trägt in ihrer Dramaturgie kitschige Züge. Sie war aber wohl unvermeidlich. Kein Verein auf der Welt hätte ihm eine solche Fülle von Macht und Möglichkeiten eröffnet wie der 1. FC Köln. Mit der Rückkehr von Daum werden alle Instanzen des Klubs unwichtig. Nur er wird bestimmen, nur er wird entscheiden. Bereits am Sonntag war Roland Koch unterwegs, um sich Spieler anzuschauen. Neue Spieler. Denn das ist eine der zentralen Bedingungen des Trainers. Geld auf den Tisch und Qualität einkaufen. „Der Verein macht immer wieder dieselben Fehler“, hat Daum nach dem vierten Abstieg gesagt, „und das Schlimme ist, dass sich keiner mehr darüber aufregt. Das will mir nicht in den Kopf.“

Beginn mit Handicaps

Allerdings beginnt Christoph Daum seine Tätigkeit mit zwei Handicaps. Zum einen hat das Team im Kampf um den Aufstieg schon massiv an Boden verloren. Zum anderen hat das Possenspiel um die Zusage sogar das Lager der Fans gespalten. Zwar hängt die Mehrheit noch dem Wunderglauben vom Messias an, der alles kann. Aber ein gefühltes Drittel der Kölner Anhänger zweifelt an der Möglichkeit der Mission und fürchtet für den Fall des Scheiterns einen noch größeren Schaden. Und dann gibt es eben den großen Rest der Republik, der das Kölner Experiment mit Spannung betrachtet und sich seine Gedanken macht. Im Deutschen Fußball-Bund hatte Daum stets den Stuttgarter Weggefährten und Freund Gerhard Mayer-Vorfelder als Kampfgenossen. Doch der ist als Präsident zurückgetreten. Nachfolger Theo Zwanziger sieht die Vorgänge um Daums Person unpersönlicher. „Jeder hat eine zweite Chance verdient“, sagt der DFB-Präsident, „aber man darf nicht vergessen, dass Daum in der Zeit des Leugnens damals bitter verletzt hat, ich denke da insbesondere an Uli Hoeneß. Daum muss auch gesellschaftlich an seiner Glaubwürdigkeit arbeiten. Aus meiner Sicht tut er das derzeit nicht so gut.“

Den Menschen, die in Köln alle Hoffnungen mit dem Namen Daum verbinden, sind solche Worte egal. Selbst Erich Rutemöller, der 1990 als FC-Cheftrainer auf Daum folgte und scheiterte, traut seinem Weggefährten alles zu. „Wenn einer das schafft, dann ist es der Christoph mit seiner Ausstrahlung und Energie.“



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