Erstellt 22.11.06, 15:52h, aktualisiert 22.11.06, 19:43h
Das sei keine ungefährliche Entwicklung, betonte Stoiber. Die Medien bildeten Meinung nicht nur ab, sondern formten diese auch mit. "Vielleicht müssen die Medienpolitiker die Medienmacher an diese Verantwortung künftig wieder öfter erinnern", sagte Stoiber in der ersten "Berliner Medienrede" in der Französischen Friedrichstadtkirche.
Stoiber bekräftigte seine Forderung nach einem Verbot von Gewaltvideos und Killerspielen. "Die sich jetzt gegen eine Begrenzung von Freiheit wenden, haben die Killerspiele gar nicht angesehen", sagte der CSU-Chef. Junge Menschen kämen durch diese "gewaltig aus dem Gleichgewicht". Stoiber appellierte an die Medienschaffenden, gemeinsam mit Pädagogen nach Lösungen zu suchen.
Der Ministerpräsident sprach sich zudem für eine Lockerung des Medienkonzentrationsrechts aus. Dieses brauche mehr Klarheit und Berechenbarkeit. Gegenwärtig beschränkten rechtliche Normen inländische Fusionen. Doch diese seien nicht per se schädlich, sondern könnten verhindern, "dass nationale Medienunternehmen international ausverkauft werden".
Zur Diskussion um die Rundfunkgebühr sagte Stoiber, er werde weiter für diese "solidarische Finanzierung" eintreten. Der EU warf er vor, Deutschland eine Medienordnung vorgeben zu wollen, die sich allein an wirtschaftlichen Interessen orientiere. Die deutsche Politik müsse diesen Versuchen Brüssels entgegenwirken. "Es kann nicht angehen, dass Brüsseler Beamte mit Hilfe des Wettbewerbsrechts in die Kulturkompetenzen der Länder eingreifen wollen", sagte er.
Die Kirchen forderte der bayerische Ministerpräsident auf, sich stärker in Debatten um gesellschaftliche Werte und Grundüberzeugungen einzumischen. Die Kirchen müssten im medienpolitischen Diskurs öffentlich präsent sein, "zu Gunsten der Menschenwürde, der Meinungsfreiheit, unserer Grundwerte schlechthin", sagte Stoiber. Der Beitrag der Kirchen zur Wertebildung sei unverzichtbar.
Stoiber unterstrich in seiner Rede auch die Bedeutung einer "klaren Richtung" für den interreligiösen Dialog. Die Besinnung auf die christlichen und humanistischen Traditionen sei wichtig für das Gelingen eines christlich-islamischen Wertediskurses: "Nur wenn wir eine feste Position beziehen, sind wir fähig zum Dialog mit den Muslimen", so der bayerische Regierungschef. "Wo wir schwanken, werden wir nicht ernst genommen", sagte er.
Die "Berliner Medienrede" ist eine neue Veranstaltungsreihe, die vom Rundfunkbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland, dem Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik und der Evangelischen Akademie zu Berlin ins Leben gerufen wurde. Künftig soll ein hochrangiger Vertreter aus Politik und Gesellschaft einmal im Jahr Stellung zu medienethischen und -politischen Fragen beziehen. Die Veranstaltung soll immer am Buß- und Bettag in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt stattfinden.
(epd)
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