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Trauer im Kölner Zoo

Erstellt 13.12.06, 10:52h, aktualisiert 13.12.06, 17:28h

Im Kölner Zoo hat sich in der Nacht zu Mittwoch ein Tierdrama abgespielt. Die 26-jährige Elefantenkuh "Kaiwintu", Mutter der im März geborenen Marlar, musste nach monatelanger Krankheit eingeschläfert werden. Die kleine Marlar wird nun von ihren "Tanten" großgezogen.

Köln - Im Kölner Zoo hat sich in der Nacht zu Mittwoch ein Tierdrama abgespielt. Die 25-jährige Elefantenkuh Khaing Lwin Htoo (deutsch: Sonniger Strauß) musste nach monatelangen massiven Blasenbeschwerden eingeschläfert werden, wie Zoo-Tierarzt Olaf Behlert erklärte. Das Tier mit dem Kosenamen "Kaiwintu" hatte im März das Elefantenbaby Marlar zur Welt gebracht. Beide gehörten seitdem zu den Publikumslieblingen des Kölner Zoos. Es handelte sich um die erste Elefantengeburt in der Geschichte des 1860 gegründeten Tierparks.

Schon vor Marlars Geburt hatten die Zoo-Veterinäre eine Schwellung am Genitalbereich des Muttertieres bemerkt. Nach Marlars schwieriger Geburt kam es bei "Kaiwintu" zu einem Umschlagen der Blase. Diese komme bei Säugetieren relativ häufig vor, sei bei Elefanten aber aufgrund der anatomischen Verhältnisse kaum behandelbar, erläuterte Behlert. Die Krankheit habe zu schmerzhaften Entzündungen im Unterbauch geführt. Dennoch sei es gelungen, das Muttertier soweit zu stabilisieren, dass Marlar in den wichtigen ersten Lebensmonaten mit mütterlicher Zuwendung und genug Muttermilch versorgt wurde.

In den vergangenen zwei Monaten hatten sich die Beschwerden der Elefantenkuh allerdings dramatisch verstärkt. In der vergangenen Woche zeichnete sich schließlich ab, dass das Tier eingeschläfert werden muss. "Wir nutzten die verbliebene Zeit, um Marlar an Ersatzmilch zu gewöhnen, und das klappt erfreulicherweise sehr gut", sagte Behlert.

KSTABLOG: "Liebe Marlar"

Am Dienstagabend wurde "Kaiwintu" von der Herde getrennt und zunächst betäubt. Schließlich erhielt sie ein Medikament, das Herz und Atmung lähmte. Nach einer Stunde war die Elefantenkuh tot. Die Sektion des Kadavers bestätigte die Diagnose der Tierärzte.

Die Entscheidung habe man sich nicht leicht gemacht, erklärte Zoo-Direktor Theo Pagel. Allerdings habe man aus ethischen Gründen keine Alternativen gesehen. "Mit acht Monaten ist Marlar aus dem Gröbsten raus", betonte Zoo-Tierarzt Behlert. Sie nehme bereits feste Nahrung zu sich, ist aber noch bis zum Erreichen des dritten Lebensjahres auf Muttermilch angewiesen. Bis dahin erhält sie ein aus 38 Komponenten bestehendes Ersatzpräparat, das eigens für Jungelefanten entwickelt wurde.

Marlar habe den Verlust wohl bemerkte, meinte Behlert: "Sie ist sehr unruhig und sucht ihre Mutter." Sorgen müsse man sich aber wohl nicht machen: "Elefanten haben ein sehr komplexes Sozialverhalten. Schon in den vergangenen Wochen war Marlar mehr mit drei anderen Elefantenkühen der Herde zusammen als mit ihrer Mutter."

Wie in der freien Wildbahn fungieren diese Tiere als "Tanten" und stellen für das Kalb eine Art Mutterersatz dar. "Die drei sind ganz jeck auf Marlar", hob Behlert hervor.

Womöglich noch in diesem Jahr wird in der Kölner Elefantenherde erneut mit Nachwuchs gerechnet. Eine eindeutige Diagnose der Schwangerschaft ist bei Elefanten allerdings schwierig.
(ddp)



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