Erstellt 17.01.07, 21:51h, aktualisiert 19.01.07, 12:38h
Nachdem "Kyrill" schneller als erwartet über das Land gezogen war, begannen überall die Aufräumarbeiten. Nach der bundesweiten Einstellung des Bahnverkehrs fuhren am Freitagmorgen auf einigen Hauptstrecken wieder die ersten Züge. "Mit Fahrzeitverlängerungen ist zu rechnen, da die ersten Züge noch vorsichtig fahren", sagte Bahn-Sprecher Ole Constantinescu in Hamburg. In Bayern werden Aufräumarbeiten den ganzen Freitag über den Bahnverkehr behindern. Wie die Deutsche Bahn am Morgen mitteilte, sind die meisten Strecken dort wegen umgestürzter Bäume und herabgerissener Oberleitungen unbefahrbar.
In den deutschen Küstenregionen, die sich auf einen schweren Kampf mit den Elementen eingerichtet hatten, hielten sich die Schäden in Grenzen. Die Sturmflut auf der Nordseeinsel Sylt war weniger schlimm als erwartet. Auf den ostfriesischen Inseln Norderney und Borkum blieb die befürchtete schwere Sturmflut aus.
In Bayern fiel am Freitag der Unterreicht an allen öffentlichen Schulen aus. Die Autobahn 8 wurde zwischen Neukirchen und Traunstein komplett gesperrt. In Sachsen waren am Freitag rund 16 000 Haushalte in mehreren Landkreisen noch immer ohne Strom. In Sachsen-Anhalt wurden landesweit zahllose Bäume und Strommasten von der Wucht des Orkans umgerissen. Auf dem Brocken erreichte der Orkan Geschwindigkeiten von rund 200 Kilometern pro Stunde. Der gesamte Oberharz war am Freitagmorgen nach Polizeiangaben nicht erreichbar, weil die Straßen durch umgestürzte Bäume blockiert waren. In Nordrhein-Westfalen, wo vier Menschen durch den Orkan ums Leben kamen und 126 verletzt wurden, sprachen die Behörden in einer ersten Bilanz von einem Sachschaden von 29 Millionen Euro.
"Kyrill" (altgriechisch: "Der Herr") - einer der schwersten Stürme der vergangenen 20 Jahre über Deutschland und Europa - hatte nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia Spitzengeschwindigkeiten von 202 Kilometern pro Stunde erreicht. Auch in den Niederlanden, Frankreich und anderen europäischen Ländern hinterließ "Kyrill" Verwüstungen. Auf den britischen Inseln kamen durch "Kyrill" mindestens zwölf Menschen ums Leben, drei Tote gab es jeweils in den Niederlanden und in Tschechien, zwei in Frankreich und einer in Belgien. In Polen starben vier Menschen in dem Orkan.
Den Flugverkehr Europas wirbelte "Kyrill" ebenfalls durcheinander. Die Gesellschaften strichen hunderte Verbindungen. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt fielen mehr als 200 von 1300 Flügen aus. Im Ärmelkanal spielten sich dramatische Szenen ab, als der Container-Frachter "MS Napoli" wegen eines Motorschadens in Seenot geriet. Trotz meterhoher Wellen wurden alle 26 Seeleute gerettet. (dpa)
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