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„Es war nicht schwer, zu töten”

Erstellt 18.01.07, 09:28h, aktualisiert 18.01.07, 17:25h

Unmittelbar vor der Bluttat in Tessin mit zwei Toten haben die beiden 17-Jährigen mutmaßlichen Täter das Video "Final Fantasy" angeschaut. Das sagte die 15-jährige Eyleen, die von den beiden eine Stunde lang als Geisel gefangen gehalten worden war.

Schwerin/Greifswald - Unmittelbar vor der Bluttat von Tessin mit zwei Toten haben die beiden 17-Jährigen das Gewaltvideo "Final Fantasy" angeschaut. Das sagte die 15-jährige Eyleen, die nach der grausigen Tat der beiden Jungen eine Stunde lang als Geisel gefangen gehalten worden war, am Mittwochabend in der Fernsehsendung "Stern TV" bei RTL. Die Geiselnahme habe sie zunächst für einen Scherz gehalten, berichtete Eyleen vier Tage nach der Tat. Die beiden Gymnasiasten hatten gestanden, am Samstagabend ein Ehepaar in dessen Haus in Mecklenburg-Vorpommern erstochen zu haben.

Das Interview war bereits vorher vom Kinderschutzbund als "maßlos verfrüht" kritisiert worden. Die 15-Jährige aus Tessin hatte den Abend im Haus eines der Täter verbracht, weil sie nach eigenen Angaben mit dessen Schwester eng befreundet ist. Sie selbst habe auch ein kurzes Stück des Videos gesehen, sei dann aber aus dem Zimmer gegangen, sagte Eyleen. Anschließend hätten sich mehrere Jugendliche an der Bushaltestelle des Dorfes getroffen, wo die beiden Jungen ihr vorschlugen, noch eine Runde zu gehen. In einem Schuppen unweit des späteren Tatortes sei sie gefesselt und geknebelt worden.

Nach dem Überfall auf die Eheleute hätten die beiden Jungen sie in das Haus gebracht, wo sie die Leiche des 46 Jahre alten Mannes und die sterbende 41-jährige Frau sah. "Ab da war ich nur noch leer", berichtete Eyleen, die mit ihrem Vater in die Sendung gekommen war. Später im gestohlenen Auto des Ehepaars hätten die beiden Jungen darüber gesprochen, dass es sich ganz leicht angefühlt habe, einen Menschen zu töten, "so als würde man ganz einfach in eine Schlägerei verwickelt sein". Einer habe aber auch erwogen, sich umzubringen. Nach einer Stunde war es der Polizei gelungen, die beiden 17-Jährigen zum Aufgeben zu bewegen und Eyleen unverletzt zu befreien.

Auch nach dem Fernsehinterview ist das Motiv der Täter nach Einschätzung eines Kriminologen unklar. "Das Schauen von Gewaltfilmen reicht als Erklärungsursache für ein solches Verbrechen nicht aus", sagte der Greifswalder Kriminologe Frieder Dünkel am Donnerstag der dpa. Das Interview habe den Eindruck vermittelt, dass die Tat aus heiterem Himmel geschehen sei. "Dieser Fall bleibt weiterhin abstrus." Möglicherweise habe Imponiergehabe bei der Tat eine Rolle gespielt.

Dünkel bezeichnete das Interview als eine "merkwürdige Inszenierung". "Offenbar hat das Mädchen unter Schock gestanden", sagte der Kriminologe. Sie habe teilnahmslos und unberührt gewirkt. Auch ihre Aussage, dass sie beim Anblick der Toten nichts empfunden habe, spreche für diese Annahme.

Auch für den Greifswalder Psychologen Manfred Bornewasser ist unklar, ob die im Interview präsentierte emotionale Kühle echt oder aufgesetzt, oder aber Ergebnis des erlebten Schocks gewesen sei. Es sei nicht auszuschließen, "dass die Jungs die Tat als eine Art "Mutprobe" verstanden haben, mit der sie dem Mädchen etwas beweisen wollten". Das Fernsehinterview habe die Schülerin möglicherweise als Chance gesehen, um sich von den Tätern und deren Tat zu distanzieren und sich aus den psychologischen Verstrickungen zu befreien.

Auch nach den zunehmenden Hinweisen auf eine Vorliebe der beiden Täter für Gewaltvideos hält die Schweriner Staatsanwaltschaft Versuche, die Bluttat damit zu erklären, für "Spekulation". Selbst Sachverständige hätten bislang keine solchen Schlussfolgerungen gezogen, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick. Das Interview der 15-jährigen Eyleen habe keine neuen Erkenntnisse gebracht. "Es hat nur bestätigt, dass es nicht die geringsten Hinweise gibt, dass Eyleen an der Tat beteiligt war", betonte Pick. "Ich hoffe, dass man das Mädchen jetzt in Ruhe lässt." (dpa)



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