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Heißhunger auf Thunfisch

Von ROLAND KNAUER, 30.01.07, 22:03h, aktualisiert 30.01.07, 22:20h

Weil das edle, rote Fleisch viel Geld bringt, werden die Meere überfischt - selbst Dosenware könnte knapp werden. Der größte Abnehmer des kräftigen Fisches ist das Sushi-Land Japan.

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Thunfisch wird knapp.
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Thunfisch wird knapp.
Weil das edle, rote Fleisch viel Geld bringt, werden die Meere überfischt - selbst Dosenware könnte knapp werden.

Köln - Etliche Hochseefischer ahnen wohl schon, dass sie ihren Job bald an den Nagel hängen können. „Obwohl sie die Technik immer weiter verbessern, zappeln heute nicht mehr Thunfische im Netz als früher“, sagt Karoline Schacht von der Naturschutzorganisation WWF in Hamburg. Früher wurde durchaus mal ein sechshundert Kilogramm schweres Prachtexemplar dieses bis zu drei Meter langen Raubfisches auf den Märkten verkauft. Heute bringt bereits ein 200 Kilogramm schwerer Thun 175 000 US-Dollar bei Sushi-verrückten Japanern. Wenn aber größere Exemplare Mangelware werden und bessere Methoden nicht mehr Fang bringen, werden die Fische knapp, weil zu viele von ihnen gefangen werden.

Die Fischer kennen diesen Effekt vom Kabeljau: Vor Neufundland in einem der reichsten Fischgründe der Welt wurden diese Fische zunächst immer kleiner, da die Gewässer völlig überfischt waren. Dann brachen die Bestände Anfang 90er Jahre völlig zusammen und der Fischfang musste eingestellt werden. Erholt hat sich der Kabeljau dort bis heute nicht.

Wie eine ähnliche Entwicklung beim Thun zu verhindern ist, diskutierten die Fischerei-Management-Verbände der Welt jetzt im japanischen Kobe. Denn die Zahlen beim Thun sind ebenfalls alarmierend - und das bereits seit etlichen Jahren. So holten die Fischer noch in den späten 1950er Jahren ab und zu einen drei Meter langen Thun aus der Nordsee, berichtet WWF-Expertin Karoline Schacht. Seither aber ist der Thun von dort verschwunden.

Als wertvollster Speisefisch gilt der Blaue Thun, der wegen seines roten Fleisches auch Rot-Thun genannt wird. Während der westliche Blaue Thun ausschließlich im Golf von Mexiko für Nachwuchs sorgt, liegt die Kinderstube des Roten Thuns aus dem östlichen Atlantik im Mittelmeer. Der zuständige Fischerei-Management-Verband ICCAT erlaubt dort den Fang von 30 000 Tonnen dieses Fisches, tatsächlich werden allerdings eher 50 000 Tonnen zwischen den Küsten Spaniens und Zyperns aus dem Wasser geholt, schätzt der WWF. Die Wissenschaftler des ICCAT raten dagegen dringend dazu, allenfalls 16 000 Tonnen Blauen Thun im Mittelmeer zu fangen. Darauf aber hören die Fischer nicht, weil ein Kilogramm beinahe tausend US-Dollar auf dem japanischen Sushi-Markt bringen kann.

Und so wandern 95 Prozent des im Mittelmeer gefangenen Blauen Thuns nach Japan. Die dramatischen Folgen dieses Raubbaus beschreibt WWF-Expertin Karoline Schacht: „Gerade noch 13 Prozent des Thun-Bestandes von 1975 schwimmt heute noch zu den Laichgründen im Mittelmeer. Dabei war der Thun im östlichen Atlantik schon 1975 kräftig überfischt.“ Über kurz oder lang dürfte also der Blaue Thun ähnlich kollabieren wie der Kabeljau vor Neufundland. Nicht nur die Sushi-Gourmets aber werden bald Nachschub-Probleme bekommen. Auch die 500 000 Tonnen Thunfisch in Büchsen, die allein in der Europäischen Union in den Supermärkten verkauft werden, könnten sich in absehbarer Zukunft drastisch reduzieren. Denn sie stammen entweder vom Weißen Thun aus dem Pazifik oder vom Gelbflossen-Thun. Die Bestände dieser beiden Arten aber nehmen ebenfalls stetig ab, berichtet der WWF. Deshalb müssen die Fänge drastisch reduziert werden, fordern nicht nur Naturschützer, sondern auch die Wissenschaftler der Fischereiverbände. Aber die finden nur schwer Gehör. Denn mit Thun-Fischerei lässt sich eben noch immer viel Geld verdienen.



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