Von BEATRIX LAMPE, 31.01.07, 19:32h
Von einer großen Last will das neu gegründete „Rheinische Tumorzentrum“ Krebspatienten befreien, die auf dem Weg von der Diagnose bis zur erhofften Heilung bisher oft viel zu viele Instanzen passieren mussten. „Im Verlauf meiner Krebserkrankung habe ich 80 Fachleute kennengelernt - das ist mehr, als man in einer solchen Situation verkraften kann. Und ich hatte nicht den Eindruck, dass jeder Arzt wusste, was der bisherige getan hatte“, schildert die mit ihrem kritischen Patientenbuch bekannt gewordene Journalistin Sibylle Herbert. Sie moderierte einen runden Tisch mit Fachärzten und Minister Karl-Josef Laumann zur Eröffnung der neuen Institution in der städtischen Kliniken-Gesellschaft.
Irrwege bei der Krebsbehandlung sollen Patienten künftig erspart bleiben, betonen der ärztliche Direktor Prof. Jekabs Leititis und Prof. Friedrich Wolff, der Vorsitzende des Tumorzentrums. In der Kooperation zwischen den Kliniken und niedergelassenen Ärzten soll fachkompetente Hilfe gebündelt werden; Patienten werden durch die Therapieschritte und bis zur späteren Reha „gelotst“, psychologisch begleitet und können sich auch in der Folgezeit Rat holen.
„Im vergangenen Jahr haben wir gut 10 000 neue Krebspatienten stationär behandelt, eine Optimierung der Therapie war dringend nötig“, begründet Wolff die langwierigen Planungen für das Tumorzentrum. Ärzte aus 18 Kliniken innerhalb der Krankenhausgesellschaft und niedergelassene Kollegen beispielsweise aus dem Ärztenetz Köln Nord-Ost planten das Zentrum gemeinsam. Für Behandlungen der Lunge, des Urogenital- und des Gastrotraktes und der Brust wurden eigene Leitlinien entwickelt. Spezialwissen einzelner Mediziner für die Therapie seltenerer Tumore soll bei den Einzelfall-Konferenzen auch den Kollegen zugänglich werden.
„Wir werden keine fundamental neue Medizin bieten, die Schnittstellen bei der Weiterleitung aber deutlich glätten und den Kranken eine bestmögliche Therapie versprechen können“, sagt der niedergelassene Onkologe Tilman Steinmetz. Bisher würden bundesweit „viel zu wenig Patienten nach den Leitlinien der Fachgesellschaften behandelt“, bedauert Prof. Michael Bamberg, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft.
Die moderne Schulmedizin wollen die Ärzte mit ergänzenden Methoden wie der traditionellen chinesischen Medizin unterstützen. Patienten können sich über die neue Arbeit im Internet informieren und mit Unterstützung des Zentrums auch bei Selbsthilfegruppen weitere Hilfe finden.
www.kliniken-koeln.de/ Kompetenzzentren
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