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Eitelkeit jetzt auch in Berlin

Von CHRISTIANE VIELHABER, 07.02.07, 21:48h, aktualisiert 07.02.07, 21:49h

Eitelkeit ist billig - die erste Ausgabe der deutschen „Vanity Fair“ jedenfalls ist seit Mittwoch auf dem Markt, und das 320 Seiten starke Heft kostet nur einen Euro. Angestrebt wird eine Auflage von 120000 Exemplaren.

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Mit Zicklein: Der Schauspieler Till Schweiger ziert die erste Ausgabe der deutschen "Vanity Fair".
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Mit Zicklein: Der Schauspieler Till Schweiger ziert die erste Ausgabe der deutschen "Vanity Fair".
Eitelkeit ist billig - die erste Ausgabe der deutschen „Vanity Fair“ jedenfalls ist seit Mittwoch auf dem Markt, und das 320 Seiten starke Heft kostet nur einen Euro. Das ist natürlich ein Lock-Preis, doch die nächsten Ausgaben des Hochglanz-Wochenmagazins sollen auch nicht teurer als drei Euro werden.

Der Preis und der große Name werden dem Produkt den Einstieg in den Zeitschriftenmarkt womöglich einfacher machen. Die amerikanische „Vanity Fair“, 1913 gegründet, ist legendär. In den Anfangsjahrzehnten glänzte sie mit Autoren wie T. S. Eliot und P. G. Wodehouse. In jüngerer Zeit brillierte das Heft mit der Enthüllung der Identität des Watergate-Informanten „Deep Throat“, sorgte mit der nackten, schwangeren Demi Moore für Aufsehen und ließ Star-Fotografin Annie Leibovitz das erste Foto von Tom Cruises Baby Suri machen.

Nun also die Mischung aus Politik und Glamour auch in Deutschland. An die „neue Leistungselite“ soll sich der „positive Journalismus“ mit einem „entideologisierten Umgang mit Politik und Wirtschaft“ richten, so hat es Chefredakteur Ulf Poschardt („SZ-Magazin“ und „Welt am Sonntag“) formuliert. Die während der WM neu entdeckte Lebensfreude soll fortgesetzt werden.

Die neue Leistungselite mag allerdings bereits beim Titelbild des in Berlin gemachten Magazins stutzen. Da posiert der deutsche Schauspieler Til Schweiger mit einem kleinen Zicklein vor dem nackten Oberkörper. Drinnen dann noch mehr ziemlich alberne Bilder mit noch mehr Zicklein und Schweiger mit einem Wasserschlauch zwischen den Beinen. Weiter hinten im Blatt taucht er dann noch einmal in ähnlicher Pose in einer Unterwäscheanzeige auf.

Neben dieser nationalen Enttäuschung gibt es dann zahlreiche internationale übliche Verdächtige, wobei das Blatt mit der ersten Exklusivmeldung aufwartet, die gestern auch gleich von den Nachrichtenagenturen übernommen wurde: Angelina Jolie und Brad Pritt haben eine Wohnung in Berlin gekauft. Ausführlich und ohne jede Häme wird über Kate Middleton und Chelsy Davy berichtet, die beiden Freundinnen der englischen Prinzen und ihre Bedeutung für das Königshaus. Und es geht um extrem gut abgehangene Schauplätze und Fetische des Luxus wie die „Snowciety“ in Gstaad und die Firma Ferrari - das ist nicht gerade originell.

Dass Ferrari und Umweltbewusstsein kein Gegensatz sein müssen, wollen die Blattmacher wohl auch mit der großen Reportage über Umweltminister Sigmar Gabriel beweisen. Zu Wort kommt sogar in einer eigenen Kolumne der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms. Er rät, beim Kauf des Valentinstagsstraußes zu fragen, ob die Blumen auch aus korrektem Anbau stammen. Michel Friedman schaut als Reporter bei der NPD vorbei, und der Fall Kurnaz kommt auch vor. Der angekündigte „scoop“ (Knüller) ist wohl das Tagebuch der ermordeten russischen Journalistin Anna Politkovskaja. Alles in allem eine eher brave Mischung.

Mit rund 50 Millionen Euro ist die deutsche Ausgabe von „Vanity Fair“ die größte Investition des amerikanischen Medienhauses Condé Nast („Vogue“, „GQ“, „The New Yorker“) im deutschen Zeitungsmarkt seit Jahren. Angestrebt ist eine Auflage von 120 000 Exemplaren. Damit setzt man am unteren Ende der inhaltlichen Konkurrenten „Stern“ (Auflage: 358 756), „Bunte“ (337 384) und „Gala“ (192 410) an.

Verlassen kann sich das Magazin auf die hochwertigen Texte und Fotos der amerikanischen Mutter. Man habe außerdem noch viele „scoops“ in der Schublade, sagt der Chefredakteur. Die sollten schleunigst rausgeholt werden. Sonst konnte es mit der neuen Eitelkeit schnell vorbei sein.



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