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„Heimweh habe ich nicht“

Von AUFGEZEICHNET VON CHRISTOPH HOFFMANN, 11.02.07, 20:50h, aktualisiert 09.03.07, 14:41h

David Patrician ist Amerikaner und erlebt dieses Jahr seinen ersten Kölner Karneval. Die Stadt findet er gemütlich wie ein Dorf, aber auch städtisch wie eine Metropole.

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David Patrician (35) ist Amerikaner und erlebt jetzt seinen ersten Kölner Karneval.
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David Patrician (35) ist Amerikaner und erlebt jetzt seinen ersten Kölner Karneval.
Es gibt so viele Schauplätze, an denen man Karneval feiert, aber es treten fast immer die gleichen vier Bands auf. Das ist eines der Dinge, die ich hier in Köln kurz vor Karnevalsbeginn schon gelernt habe. Es ist meine erste Karnevalssession hier. Als Amerikaner kennt man so etwas nicht. Wir haben zwar Halloween, aber da feiert man ganz anders als bei euch hier in Deutschland, ähnlich ist nur, dass man sich auch verkleidet.

Ich bin zwar Amerikaner, geboren bin ich aber in Frankfurt am Main. Mein Vater war Soldat, in Deutschland stationiert und hat währenddessen meine Mutter kennengelernt. Als ich drei Jahre alt war, sind wir zurückgezogen nach Rockville in Maryland, das liegt in der Nähe von Washington. Das nächste Mal war ich mit 18 Jahren in Deutschland, in Pinneberg in Schleswig-Holstein. Das war ein Partnerstadtaustausch. Ich habe mir immer vorgestellt, dass dort alle in Lederhosen rumlaufen müssen, und dass überall große weite Zelte stehen, in denen man literweise Bier trinkt. Die mussten mich dann erst mal davon überzeugen, dass ich mich im Land vertan hatte und es so was nur in Bayern gibt. It's typical: Jeder hat seine Klischees über andere Länder.

Ich bin jetzt seit etwas über einem Jahr in Köln. Die Stadt ist gemütlich wie ein Dorf, aber auch städtisch wie eine Metropole. Die Leute sind Amerikanern gegenüber sehr offen und freundlich. Und ich muss mal die öffentlichen Verkehrsmittel in Köln loben, obwohl ich weiß, dass viele Leute Probleme mit ihnen haben und sich oft beschweren: Hey, bei uns in Amerika ist man ohne Auto komplett verloren, da wäre eine funktionierende Bahn schon toll. Es klappt doch ganz gut hier!

Über Karneval habe ich so viel gehört und gelesen und war jetzt schon auf ein paar Sitzungen: Es ist großartig, total lustig. Das Kölsch ist lecker, das glauben ja die wenigsten, dass man als Amerikaner Kölsch gut finden kann. Ich verspreche euch, das ist es. Letztes Jahr zur Fußball-WM habe ich mit dem WDR eine Serie gemacht: „Ein Ami in Kölle.“ Zu Karneval werden wir jetzt so etwas wieder machen. Ich werde auf den Straßen oder bei Sitzungen sein und Leute befragen. Denn das ist ja schon etwas „crazy“, wenn ein Ami im Karneval unterwegs ist.

Mit den Klischees ist das übrigens so eine Sache: Die Deutschen denken zum Beispiel oft, dass Bush große Unterstützung in der Bevölkerung hat, nur weil er beim letzten Mal gewählt worden ist. Das stimmt so nicht, viele bei uns lehnen ihn ab. Viele sind auch völlig begeistert und gleichzeitig verwundert, dass ich Deutsch spreche. Man denkt, dass Amerikaner keine Lust haben, etwas anderes zu lernen als ihre eigene Sprache. Die gibt es bestimmt auch, aber viele meiner Landsleute geben sich wirklich Mühe, etwas über die Deutschen herauszufinden. Heimweh habe ich eigentlich nicht.

 www.ksta.de/meintag



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