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Kälte war die Rettung

Von SONJA KROHN UND BEATRIX LAMPE, 16.02.07, 20:28h, aktualisiert 16.02.07, 21:04h

Nur mit unglaublich viel Glück hat die deutsche Top-Gleitschirmfliegerin Ewa Wisnierska den Flug in fast zehn Kilometer Höhe überlebt. Die extreme Kälte fügte der Frau lediglich Erfrierungen zu.

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Experten erklären, wie Überleben in zehn Kilometer Höhe möglich ist.

Köln / Gmund - Nur mit unglaublich viel Glück hat die deutsche Top-Gleitschirmfliegerin Ewa Wisnierska (35) den Flug in fast zehn Kilometer Höhe überlebt. „So etwas zu überstehen grenzt an ein Wunder - und ist vermutlich nur damit zu erklären, dass Ewa eine körperlich durchtrainierte Top-Pilotin ist“, sagt Eckhart Schröter, Verbandsarzt beim Deutschen Hängegleiterverband aus Gmund am Tegernsee.

Hirn versagt den Dienst

„In dieser Höhe kommt es zu einer fulminanten Unterversorgung mit Sauerstoff“, sagt Prof. Manfred Weber von den Städtischen Kliniken Köln. Der Sauerstoffgehalt nimmt mit steigender Höhe deutlich ab. „Ab etwa 4000 Meter Höhe tritt eine echte Störschwelle ein, es kommt zum Leistungsabfall. Ab 7500 bis 8000 Meter tritt die Bewusstlosigkeit ein“, so sein Kollege Schröter. Die Ersteigung des Mount Everest (8850 Meter) gelte als Grenze dessen, was dem Körper an sauerstoffarmer Höhenluft zugemutet werden könne - die Fliegerin sei aber noch 1000 Meter höher gewesen. Was dann genau passiert, erklärt Weber so: Das Gehirn als empfindlichstes Organ reagiere als erstes auf den Sauerstoffmangel in der Atemluft und versage den Dienst; das bedeute Bewusstlosigkeit, die bis hin zum Hirntod führen könne. Weitere Organe, die viel Sauerstoff brauchen, seien Nieren und Herz - wer untrainiert und ohne Sauerstoffzufuhr in solche Höhen vorstoße, müsse mit Multiorganversagen rechnen. Weber schließt nicht aus, dass Teile des Gehirns der Sportlerin dauerhaft geschädigt worden seien - „so wie ja auch bei einem Vollrausch wertvolle graue Zellen zerstört werden“. Weil das Gehirn aber von großer Elastizität sei, könne es auch kleinere Schädigungen abfedern, so dass die Frau keine Beeinträchtigungen davontragen müsse.

Die extreme Kälte in der großen Höhe hat der Frau zwar äußerliche Erfrierungen zugefügt, könnte ihr aber auch das Leben gerettet haben, vermutet der Kardiologe Anselm Bäumer vom Uniklinikum. „Bei extremer Kälte verbrauchen die Organe weniger Sauerstoff“, sagt er, so habe die Frau in Bewusstlosigkeit überleben können, bis sie wieder in tiefere Regionen gelangt sei. Die Paragliderin müsse in körperlich sehr guter Verfassung gewesen sein. Üblicherweise brauche der menschliche Körper einige Tage, um sich an extreme Höhenluft langsam zu gewöhnen, so wie das Bergsteiger im Basislager tun.



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