Von GÜNTHER BRAUN UND F. A. HEINEN, 16.02.07, 22:11h, aktualisiert 16.02.07, 22:21h
Anknüpfend an einen Sciencefictionroman des Duisburger Geologen Ulrich Schreiber („Die Flucht der Ameisen“) wurde beschrieben, wie frühere Vulkan-Katastrophen entstanden: aufquellendes Magma - heißes Gestein aus dem Untergrund - kam mit Grundwasser in Berührung, und der dabei entstehende Wasserdampf verursachte eine gewaltige Explosion mit immensen Folgeschäden. Derlei ist in der Eifel tatsächlich häufiger geschehen, zuletzt vermutlich vor 11 000 Jahren.
Tatsächlich gehen Fachleute davon aus, dass Eruptionen in der Eifel auch künftig möglich sind. So sagt der Leiter der Erdbebenstation Bensberg, Klaus-Günter Hinzen: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass innerhalb der nächsten 30 000 Jahre mit starker Aktivität zu rechnen ist.“
Der in Sachen Eifel-Vulkanismus federführende Experte Hans-Ulrich Schmincke, Professor in Kiel, weist ebenfalls darauf hin, dass es weiterhin vulkanische Aktivität unter der Eifel gibt. Zwar gebe es keine akuten Anzeichen dafür, dass ein Ausbruch bevorstehe. Einen ganz heftigen Ausbruch wie einen am Laacher See vor 12 900 Jahren hält Schmincke auch für weniger wahrscheinlich. Eher könne es zu kleineren Ausbrüchen kommen, wie etwa bei der vorerst letzten Eruption vor 10 000 Jahren, bei der das Ulmener Maar entstand
Dass es nach Veröffentlichung des „Spiegel Online“-Beitrags, der andere Publikationen zur weiteren Betrachtung und Ausschmückung des Katastrophenszenarios inspirierte, nicht sogleich zu einer Auswanderungswelle aus der Eifel kam, mag daran liegen, dass die meisten Eifeler schon im Heimatkunde-Unterricht mitbekommen haben, dass ihre Heimat dicht mit Vulkanen besetzt ist und dass diese sich nach Tausenden von Jahren im Ruhe(zu)stand auch wieder zu unruhigen Nachbarn entwickeln können.
Diese Gefahr ist zumal den Geowissenschaftlern auch seit langem bekannt, und eben deshalb wird der geologische Untergrund der Eifel erforscht. Übereinstimmend sagen die Experten, dass sich ein Vulkanausbruch bereits geraume Zeit vorher ankündigen würde. Kleinere Erdbeben würden vorausgehen, auch würden sich Intensität und Zusammensetzung der Erd-Ausgasung ändern. Solche vulkanologischen Entgasungsphänomene sind für die Eifel seit langem bekannt - am Laacher See etwa. Sie müssten eigentlich, meint Schmincke, regelmäßig gemessen werden, um Veränderungen feststellen zu können. Noch in den 70er Jahren gab es in der Eifel ein dichtes Netz von Seismometern, das jedoch wieder abgebaut wurde. Schmincke rät zur weiteren Überwachung. Das sei von Satelliten aus leicht möglich.
Geologe Klaus-Günter Hinzen verweist allerdings darauf, dass sich der Eifeler Vulkanismus aus einer heißen Masse 30 bis 40 Kilometer unter der Erdoberfläche speist. Es dauere Jahre, bis davon etwas nach oben dringe, und das gehe einher mit einer Serie von Micro-Erdbeben, die als Warnzeichen auch für die eventuellen Ausmaße eines Naturereignisses dienen könnten.
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