Erstellt 16.02.07, 10:26h, aktualisiert 16.02.07, 21:04h
Wisnierska hatte mit Temperaturen von minus 50 Grad und Hagelkörnern in der Größe von Apfelsinen zu kämpfen. "Ich erinnere mich als letztes daran, dass es dunkel war - um mich herum hörte ich es gewittern", sagte die Sportlerin. Sie befand sich in einer Höhe, die den Mount Everest noch übertrifft. Der höchste Gipfel der Welt gilt bei Bergsteigern vor allem wegen seiner extremen Kälte und dem Sauerstoffmangel als Herausforderung. Die Gleitschirmfliegerin geriet binnen zehn Minuten in diese Höhe. Nach Angaben des DHV wurde sie von den starken Aufwinden in der Gewitterwolke emporgezogen.
"Man kann sich diese Gewalt nicht vorstellen", sagte sie. Sie habe sich wie ein Blatt im Wind gefühlt. Der erfahrene australische Gleitschirmpilot Godfrey Wenness sagte, Wisnierska hätte einen Hirnschaden davon tragen können. "Es gibt da praktisch keinen Sauerstoff." In einer Höhe von 6900 Metern kam die Sportlerin jedoch wieder zu Bewusstsein und konnte langsam herabsteigen. Ihr GPS-System hatte den Flug aufgezeichnet.
Der DHV teilte mit, für das Fluggebiet habe zu dem Zeitpunkt eine Gewitterwarnung gegolten. Unter derartigen Voraussetzungen würden Gleitschirmflieger normalerweise am Boden bleiben. "Bei Wettbewerben gehen einzelne Piloten jedoch bewusst ein größeres Risiko ein, um das Ziel noch zu erreichen und den Wettbewerbsdurchgang erfolgreich zu beenden", teilte der Verband mit.
Das Überleben Wisnierskas sei eine "Mischung aus Glück und Können", sagte ein Verbands-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Zwar hätten der Gleitschirmfliegerin ihre Fähigkeiten beim Höhenabbau und der Landung geholfen. Wie gut oder schlecht ein Mensch die extreme Höhe vertrage, hänge jedoch von der Person und deren jeweiliger Tagesform ab. Dem Verband seien nur drei ähnliche Fälle in den vergangenen 20 Jahren bekannt - "mit unterschiedlichem Ausgang", sagte der Sprecher.
Nach Angaben des Verbands will die Sportlerin trotzdem an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Der Wettkampf beginnt am 24. Februar. Wisnierska wurde im vergangenen Jahr Vize-Europameisterin und war bereits zuvor World-Cup-Siegerin.
Ein Mitglied des chinesischen Teams überlebte das australische Unwetter nicht. Insgesamt waren bei dem Trainingsfliegen in Tamworth, rund 280 Kilometer nordwestlich von Sydney, etwa 200 Sportler in der Luft. Plötzliche schwere Unwetter mit Hagel, ergiebigen Regenfällen und heftigen Winden kommen im australischen Sommer häufiger vor. (rtr)
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