Von TOBIAS MORCHNER, 17.02.07, 15:39h, aktualisiert 18.02.07, 18:30h
Der tatverdächtige Erdinc H. war am Samstagmorgen gegen neun Uhr aufgrund des großen öffentlichen Drucks auf der Kriminal-Wache in Kalk erschienen. Nach anfänglichem Leugnen gestand er im Verlauf seiner Vernehmung die Tat. Er sitzt jetzt wegen schweren Raubs in
Untersuchungshaft. Ein Motiv für die Tat hat er bisher nicht genannt. Der 17-Jährige war ins Visier der Fahnder geraten, nachdem vier weitere junge Männer (18 und 19) nach ihrer vorläufigen Festnahme am Freitagabend den 17-Jährigen übereinstimmend belastet hatten. Die vier gaben zu, gemeinsam mit dem Hauptverdächtigen zur Tatzeit am Tatort in der Nähe der Gernsheimer Straße in Ostheim gewesen zu sein. Zugeschlagen habe aber nur der 17-Jährige. Das Quartett ist seit dem späten Freitagabend wegen mangelnder Haftgründe wieder auf freiem Fuß.
Alle fünf Verdächtigen sind Mitglied einer Jugend-Gang, die sich im Internet als „Gernsheimer T.N.G.O.G.“ präsentieren. Die Abkürzung steht für „The New Generation Ostheim Gangsters“. Die Gang-Mitglieder bezeichnen sich auf ihren Seiten selbst als „Paten von Ostheim“, wollen auffallen mit markigen Sprüchen wie „Mein Blut ist für Ostheim, Gernsheimer Straße“ und verweisen gerne auf die selbstproduzierten Video-Clips ihrer Freunde im Internet, in denen es unter anderem heißt: „Zwei Kugeln Blei in dein Gesicht, das ist mein Gesetz, ich gehe hart ins Gericht.“
Bekannte von Erdinc H. berichten, der Festgenommene sei eigentlich ein „ganz netter Kerl“ gewesen, habe gern Fußball gespielt und sei regelmäßig zum Box-Training gegangen. Am Donnerstag sei er mit einigen Mitgliedern der Gang Karneval feiern gewesen. Dabei sei auch viel Alkohol getrunken worden. Der mutmaßliche Schläger ist bei der Polizei hinlänglich bekannt. Er musste sich bereits mehrfach wegen Körperverletzung, Raub und Diebstahl verantworten. Bei dem Überfall auf den 43-Jährigen nahmen die Täter die Geldbörse des Opfers mit 50 Euro an sich.
In der Klinik, in der Waldemar W. seit Donnerstagabend liegt, haben die behandelnden Ärzte am Sonntag von ihrem Vorhaben Abstand genommen, den 43-Jährigen aus dem künstlichen Koma zu erwecken. Ursprünglich sollte dieser Versuch am Montag unternommen werden. Doch nach wie vor ist die Schwellung des Gehirns zu stark, das Risiko dieses Eingriffs sei derzeit einfach zu groß. „Ich bete viel für meinen Sohn, aber auch für die Familie des jungen Mannes und auch für ihn selber. Durch Rache schafft man doch auch nichts aus der Welt“, sagt die Mutter des Opfers, Angelika W.
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