Von JOACHIM SPROTHEN, 26.02.07, 07:15h
Zülpich - Von wegen „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh'n“. Mit beschaulichem Bötchenfahren hatte die Aktion, die am Wochenende auf dem Zülpicher Wassersportsee bestaunt werden konnte, nicht das Geringste zu tun. Zum ersten Mal hatte die 450 Mitglieder starke „Association 470 Deutschland“ zu einem Trainingslager auf den See eingeladen. Dass sich die Sportkameraden mit richtigen Kalorienbomben voll gestopft hatten, bevor sie die Segel hissten, war für den Beobachter der Szene anschließend durchaus verständlich. Segeln ist Leistungssport - zumal dann, wenn er mit Ehrgeiz betrieben wird.
Die 470er Jollen, denen sich die „Association“ verschrieben hat, zählen zu den olympischen Klassen. In Zülpich war zwar nicht die absolute bundesdeutsche Spitzenelite am Start. Die trainiert derzeit in mediterranen Gewässern rund um Mallorca. Aber immerhin elf Zweier-Teams vom Bodensee bis hin nach Wesel, die laut Vereinschef Rüdiger Schuchardt (Essen) im „oberen Drittel“ der deutschen Leistungsstärke angesiedelt sind, bereiteten sich in der Römerstadt auf die neue Saison vor.
Auf Vermittlung des Euskircheners Max Pleger hatten sich die Könner an Ruder und Spinacker am Wassersportsee eingefunden. Der Student ist nicht nur Mitglied des Ruder- und Segelclubs Zülpich, der auf dem Gewässer bei Lövenich sein Revier hat. Pleger ist auch noch Pressewart der „Association“. Und als solcher stand er nicht hintan, die Vorzüge „seiner“ 470er Klasse über den Klee zu loben:
Demnach sind die 470er recht schnelle und wendige Boote. Mit ihrem Gewicht von lediglich 120 Kilogramm „fliegen“ die 4,7 Meter langen Schiffe fast übers Wasser. 13 Quadratmeter Segelfläche - wenn der zusätzliche Spinacker gesetzt wird, steht doppelt so viel im Wind - machen aus den 470ern fast schon Rennboote unter den olympischen Klassen. Allerdings muss man bei den leichten Jollen jederzeit damit rechnen, im Wasser zu landen. Schuchardt: „Das ist eine recht wackelige Sache. Die Segler sind ständig damit beschäftigt, das Boot im Gleichgewicht zu halten.“
Dabei sind Kondition und ein gewisses akrobatisches Talent unabdingbare Voraussetzungen. Die Sportler mussten sich schon weit aus dem Boot hinauslehnen, um sich dem Wind entgegenzustellen. Selbst so eine vergleichsweise kleine „Pfütze“ wie der Wassersportsee zeigte da seine Tücken. „Hier ist es ausgesprochen böig mit wechselnden Windrichtungen“, so Schuchardt. So wurden die Segler denn auch häufiger zu Schwimmern, als ihnen lieb sein konnte. So manch eine Trainingseinheit endete kieloben.
Der „Association“-Vorsitzende nahm dies indes mit Gelassenheit zur Kenntnis. Erstens hatten sich alle 22 Starter mit schützenden Neoprenanzügen ausstaffiert und bekamen ihre umgekippten Jollen aus eigener Kraft wieder hoch. Zweitens, so Schuchardt, sei ein kurzer Tauchgang für die Segler durchaus nichts Ungewöhnliches. Schließlich handele es sich um „Wassersport“. Und drittens sei man ja nach Zülpich gekommen, um die im Winter eingerosteten Fähigkeiten erst wieder auf Vordermann zu bringen. Kentern gehört da anscheinend dazu. Den gängigen Segler-Spruch lieferte Schuchardt jedenfalls wie aus der Pistole geschossen: „Scheint die Sonne auf das Schwert, macht der Segler was verkehrt.“
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