Von NINA VOIGT, 26.02.07, 18:29h
Zavelberg, der selbst gerne mit seiner Frau in die USA und nach Kanada reist, hat sich die Technik dort von den Meistern abgeguckt. „Die Motorsäge ist ja das Hauptarbeitsgerät eines Forstwirts“, erklärt der 50-Jährige, „da dachte ich, das probiere ich zu Hause auch mal aus“. Mit einem „Pilz“, dem klassischen Einsteigermodell beim Carving, fing er vor drei Jahren mit dem Kettensägenschnitzen an, heute zaubert er aus Baumstämmen schon Kraniche mit Fisch im Schnabel, putzige Biber, Adler oder zum Valentinstag für seine Frau auch mal ein großes Herz aus dem rosafarbenen Holz des Mammutbaumes. „Es ist einfach schön, aus einem Holzblock oder Baumstamm etwas entstehen zu lassen und ihn dadurch zu veredeln“, findet der Königswinterer.
Zum Schnitzen trifft er sich häufig nach der Arbeit oder am Wochenende mit einem Kollegen auf einem kleinen Platz mitten im Dünnwalder Wildpark. Die Konturen einer Figur werden zunächst grob mit einer gewöhnlichen Kettensäge ausgesägt. Um aber eine Eule mit möglichst originalgetreuem Gefieder oder ein Wildschwein samt Fell und Pürzel aus einem Baumstamm zu schnitzen, braucht es anschließend nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch eine spezielle Schneidegarnitur für die Motorsäge.
Die so genannten Carving-Schwerter sind besonders spitz und ermöglichen enge Kurven und feine Fräsarbeiten. Die Feinheiten wie Gesicht, Schnabel oder Fell arbeitet Zavelberg mit diesen Spezialsägen aus. Das ist der schwierigste Teil. Rutscht der Künstler einmal mit der Säge ab, ist schnell die ganze Skulptur ruiniert, die je nach Größe und Arbeitsaufwand bis zu 200 Euro wert ist. „Dann ist es aber zumindest noch als Ofenholz zu gebrauchen“, scherzt Zavelberg.
Für seine tierischen Kunstwerke benutzt er ohnehin nur Abfallholz, das er sich meist extra anliefern lässt, „schließlich können wir uns nicht dauernd hier im Wildpark bedienen“, betont der Forstwirt. Am besten eignen sich für die Kunst Nadelhölzer. Eiche und Robinie sind dagegen nur sehr schwer zu bearbeiten; Kirsche und Buche scheiden aus, weil das Holz zu leicht reißt. Zum Schluss geht der Künstler mit der Gasflamme über seine Skulptur, um feine Splitter zu entfernen und Schattierungen ins Bären- oder Biberfell zu bringen. Anregungen für neue Motive, kürzlich etwa einen Adler, der schräg auf seinem linken Flügel steht oder einen großen Holzfäller, holt sich Zavelberg aus amerikanischen Carving-Fachbüchern oder auch bei den jährlichen Sägenschnitzer-Treffen in Norddeutschland.
Wer Meinolf Zavelberg und seinem Kollegen einmal beim Schnitzen über die Schulter schauen möchte, kann am 3. Juni zum Wildparkfest nach Dünnwald fahren. Dort werden die Künstler ihre Arbeit vorführen.
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