Von ANDREAS POULAKOS, 27.02.07, 21:17h
Hat Köln einen besonderen Klang? Noch kann Marco Medcour (34) diese Frage nicht beantworten. Noch nicht. Doch der Musiker und Journalist arbeitet seit einigen Monaten an einem Kunstprojekt, das sich Köln nicht mit den Augen, sondern mit den Ohren nähert. Auf seiner Website „Soundmap of Cologne“ findet sich ein mit Fähnchen gespickter Kölner Stadtplan. Klickt der Surfer eines der Fähnchen an, hört er Geräusche, die an jenem Ort aufgezeichnet wurden. Das kann das Quaken der Stockenten am Adenauer Weiher im Stadtwald sein, das Plätschern des Brunnens am Deutzer Ottoplatz oder auch das monotone Brummen der Rolltreppe in der U-Bahn-Station Friesenplatz. Noch sind die Fähnchen recht spärlich über das Stadtgebiet verteilt. „Irgendwann soll das gesamte Stadtgebiet akustisch erfasst sein“, sagt Medcour. „Erst dann wissen wir, ob die Stadt einen eigenen, unverwechselbaren Sound hat.“
Bis dahin wird Medcour immer wieder misstrauische Blicke auf sich ziehen, wenn er irgendwo in der Stadt sein Aufnahmegerät zückt. „Die Leute versauen ziemlich oft die Aufnahme mit einem »Hey, was machst denn du da«.“ Es sei ihnen dann meist nur schwer zu erklären, dass sein Interesse gerade dem Alltäglichen, Unspektakulären gelte. Dabei eröffneten sich mit geschlossenen Augen ganz neue Welten. „Besonders toll ist es am Rhein. Das Fließgeräusch des Wassers hat einen sehr schönen Frequenzbereich.“ Und wo klingt Köln eher unschön? „In der Fußgängerzone“, meint Medcour. „Hall, Stimmengewirr und dazu Musikfetzen aus den Geschäften - da ist nichts Natürliches übriggeblieben.“ Der Gesang der Kölner Halsband-Sittiche sei dagegen ein Highlight jeder Kölner „Sound-Seeing“-Tour: „Wenn ich die Sittiche in Amsterdam oder in Bonn höre, muss ich immer an Köln denken.“ In seiner Aufnahme aus der Kölner Flora können Surfer dem Gesang der grünen Immigranten lauschen.
Die Kölner Klangkarte ist nur eine von vielen: Weltweit hat Medcour viele Mitstreiter, die an einem umfassenden Klangarchiv arbeiten. Zu einiger Berühmtheit hat es das New Yorker „Soundmap“-Projekt gebracht, das inzwischen einen großen Teil der Weltstadt akustisch abdeckt. Bis es in Köln so weit ist, bleibt noch eine Menge zu tun: „Jeder ist eingeladen, sich zu beteiligen“, sagt Medcour.
Ausgerechnet jener Klang, für den Köln berühmt ist, hat die „Soundmap of Cologne“ bisher ignoriert: den mächtigen Schlag der Glocken des Kölner Doms. Absicht? „Nein. Der Dom läuft mir nicht weg.“
soundmap.akustikfilm.com
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
Anzeige
Anzeige