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Nackt auf dem Pferd unterwegs

Erstellt 28.02.07, 07:30h

In völliger Harmonie mit der Natur lebt Nacktreiter Michael Zauels. Wunderlich, denn die meisten Spaziergänger reagieren freundlich auf den Reiter.

Bild: Frommann
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Nacktreiter Michael Zauels
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Nacktreiter Michael Zauels
Bonn - Strahlender Sonnenschein mitten im Winter. Auf der Koppel oberhalb von Lannesdorf in der Nähe des Heiderhofs fressen Herkules und Nicolin gemütlich an ihren Heuballen. Die dritte im Bunde allerdings darf die Aussicht auf Rhein und Siebengebirge nicht bei einem kleinen Snack bewundern. Fanny muss arbeiten: Ihr Besitzer reitet. Nichts ungewöhnliches. An und für sich.

Aber das eine oder andere fehlt im Gesamtbild: Michael Zauels reitet ohne Sattel - und ohne Kleidung. „Für mich ist das Nacktsein das völlige Freiheitsgefühl, dann befinde ich mich in Harmonie mit der Natur. Mit Erotik hat das nichts zu tun“, sagt Zauels, dessen Augen hinter den Brillengläsern blitzen, wenn er von seinen Ausritten erzählt. „Mit Kleidung fühle ich mich isoliert. Dann spüre ich die Sonne und die Luft nicht.“ Das heißt aber nicht, dass er sich in seinen eigenen vier Wänden nur textilfrei bewegt - im Gegenteil. „Zu Hause habe ich das Bedürfnis nicht. Ich würde auch nicht nackt einkaufen gehen“, sagt der 35-Jährige, während er Fannys braunes Fell von dem gröbsten Schmutz befreit. Auf der Koppel nämlich ist es ziemlich matschig, der Boden aufgeweicht.

Alles fing in Oberkassel an - vor zwölf Jahren. „Dort habe ich mir ein Pferd geliehen und bin losgeritten, mit Kleidung“, erinnert sich Zauels. An einer einsamen Stelle war es dann soweit. Raus aus den Klamotten, diese gut versteckt in einem Busch deponiert, wieder rauf aufs Pferd. Der erste Nacktritt allerdings dauerte nur wenige Minuten. „Damals hab ich noch gedacht, dass ich Ärger kriege, wenn mich jemand sieht.“

Das hat sich mittlerweile geändert. In Wachtberg und ab und zu auch in Rheinland-Pfalz reitet Zauels mal in Begleitung, mal allein - aber immer nackt. Provozieren will der 35-Jährige mit dem athletischen Oberkörper und der intellektuell anmutenden Brille mit seinem ungewöhnlichen Hobby niemanden. Deswegen reitet er auch nicht durch Wohngebiete, sondern nur an abgelegenen Stellen im Wald.

Die meisten Spaziergänger reagieren freundlich auf den Reiter. Erstaunte Blicke sieht man selten. Eher dezentes Wegsehen. „Meistens tun sie so, als ob ich angezogen wäre“, sagt Zauels mit einem Lächeln. Als er am Golfplatz in Niederbachem vorbei kommt, sind die Spieler ohnehin mit dem nächsten Schlag beschäftigt. Falls sich doch mal jemand gestört fühlen sollte, hat Zauels eine Art Lendenschurz dabei.

Auf der winterlichen Koppel weht ein kalter Wind. Es ist ein Tag für Steppjacke und Schal. Doch Gänsehaut kennt Zauels nicht. Obwohl er vier Jahre im warmen Bologna gelebt hat und jetzt an verschiedenen Volkshochschulen Italienisch unterrichtet.

Eisige Temperaturen

Völlig selbstverständlich steht der Reiter nur mit Schuhen und Strümpfen bekleidet neben Fanny, Herkules und Nicolin. Auf die nimmt er bei eisigen Temperaturen Rücksicht und verzichtet auf lange Ausflüge. „Ich bin immer fünf bis sechs Stunden unterwegs. Wenn die Pferde dann geschwitzt sind, habe ich nichts, um sie abzutrocknen."

Den Pferden scheint es egal zu sein, ob der Reiter im schicken Reitdress, in Jeans oder eben ohne alles unterwegs ist. Sie schauen kurz auf und wenden sich dann wieder ihrem Gras zu. Es gibt ja auch keine Hosentaschen, in denen noch ein Leckerchen versteckt sein könnte. Die braune Holzhütte, die vor allem als Futterlager dient, ist zugleich Umkleide. Nachdem der 35-Jährige seinem Pferd das Zaumzeug abgenommen hat, zieht er sich wieder an. Auf der Koppel steht ein Mann, dem man sein ungewöhnliches Hobby nicht ansieht. (jab)



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