Von JOHANNES SCHMITZ, 01.03.07, 12:23h
Niederkassel - „Frauen gehen da anders ran und fangen oft kleiner an als Männer“, beschreibt Margret Schuck eine Gemeinsamkeit vieler Frauen, die sich selbständig machen. Eine Einschätzung, die auch Ute Müller und Elke Wessel teilen. Die drei Unternehmerinnen aus Niederkassel haben ein Netzwerk geknüpft, in das sich bereits beim ersten Treffen fast 30 andere Frauen eingebunden haben, die ihr eigener Chef sind oder werden möchten.
Das Ziel der Gruppe, die sich nicht als Verein organisieren möchte, ist der gegenseitige Austausch. Ute Müller hat schon beim ersten Treffen gefallen, dass die Teilnehmerinnen auch die Tiefen nicht ausgespart haben. „Männer sprechen weniger über ihre Schwächen“, findet sie. Überhaupt haben sich für die Organisatorinnen einige Kennzeichen weiblichen Unternehmertums herauskristallisiert, die einiges über die nach wie vor gültigen Rollenklischees aussagen. Margret Schuck etwa glaubt, dass Frauen mehr aus dem Bauch heraus entscheiden. Und im Bauch sei manchmal auch ein ungutes Gefühl. Etwa, wenn es darum gehe, sich den Start mit einem Kredit zu finanzieren. So etwas falle Männern leichter.
„Viele Frauen haben versteckt ihre Unternehmen und werben nicht viel für sich“, ist Ute Müller aufgefallen. Das kann Elke Wessel bestätigen. Sie hat eine Farbberaterin gesucht und nur durch Zufall erfahren, das es in Porz und sogar in Niederkassel gleich zwei in ihrer Nähe gibt. Doch es sind nicht nur Frauen mit eher weiblich besetzten Berufsfeldern aus dem Wellness- oder dem pädagogischen Bereich, die zum neuen Netzwerk gefunden haben. Auch eine Rechtsanwältin, eine Unternehmensberaterin und eine Architektin sind dabei. Und Elke Wessel muss sich in ihrem Job als Vermögensberaterin ebenfalls gegen viele Männer behaupten.
Viele der Unternehmerinnen-Karrieren beginnen, wenn die Frauen um die 40 Jahre alt sind, aber die Kinder noch nicht aus dem Haus sind. Eine Festanstellung bietet dann häufig nicht die erforderliche zeitliche Flexibilität. Erschwerend kommt hinzu, dass Frauen nach der Erziehungszeit keinen Anspruch auf die gängigen Förderprogramme, die etwa Arbeitslosen gezahlt werden, die sich selbständig machen. Und so kommt es, dass diese Frauen sich langsam vortasten. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass sie kaum Kosten haben und schnell in der Gewinnzone sind. So wie Margret Schuck, die zwei Jahre lang die 14 Kilogramm schwere Liege, auf der sie ihre Kunden massiert, zu jedem Termin mitschleppen musste. Jetzt hat sie eine Praxis in Rheidt.
Lebenstraum - Netzwerk für Unternehmerinnen in Niederkassel, Kontakt über Elke Wessel, 02208 / 76 85 51.
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