Erstellt 09.03.07, 21:23h, aktualisiert 09.03.07, 22:10h
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Friedrichs, wie haben Sie die jüngsten Auftritte des 1. FC Köln verkraftet?
RALF FRIEDRICHS: Der größte Schock war natürlich das 0:5 in Essen. Die Leistung war ziemlich unterirdisch, aber im Prinzip sind wir Fans das ja gewohnt. Für mich lässt sich so etwas ganz gut in Geschichten verarbeiten, denn der Vorstand ist ja durchaus mitverantwortlich. Herr Overath sagt ja immer so schön: „Alles über meinen Tisch.“ Deshalb trägt er auch eine Mitverantwortung.
Ist der Frust bei Ihnen so groß, dass Sie schon an Ihrem nächsten lustigen Rollenspiel arbeiten?
FRIEDRICHS: Nein, die Stücke entstehen meistens ganz spontan zwischen zwei und vier Uhr nachts. Mein Beruf lässt das anders nicht zu. Ich fange dann einfach mit dem Schreiben an, ohne zu wissen, wie die Geschichte endet. Wichtig ist natürlich, dass ich selber auch über meine Geschichte lachen kann, ansonsten ist sie nicht gut. Die jüngste Geschichte, in der ein Unternehmensberater zum FC kommt, ist mir auch nachts eingefallen.
Sind die kölschen Theaterstücke für Sie Frustbewältigung oder eine Art beruflicher Stressabbau?
FRIEDRICHS: Stressabbau und Spaß, denn die Reaktionen sind einfach klasse. Teilweise bekomme ich Nachrichten aus Brasilien und England. Bei mir hat sich ein Kölner Bänker aus England gemeldet, der bei der Lektüre angeblich Tränen gelacht hat - zum Unverständnis seiner englischen Kollegen. Natürlich ist das auch Frustbewältigung und satirisch überspitzt vorgetragene Kritik am Vorstand, der hierzu in der Vergangenheit ja allen Anlass gegeben hat.
Die Stücke haben Kultcharakter erreicht. Sie haben inzwischen eine richtige Fangemeinde.
FRIEDRICHS: In der Tat, das hat mich auch sehr überrascht. Die Resonanz geht sogar so weit, dass sich ein Fußballmagazin bei mir gemeldet hat. Ein Buchverlag hat ebenfalls schon wegen der Veröffentlichung der Geschichten angefragt. Das ist natürlich schön, aber letztlich ist das alles für mich Spaß. Die Geschichten sind geschriebene Karikaturen. Ein Kölner Geschäftsmann mit guten Kontakten nach Bremen hat mir erzählt, dass die Werder-Spieler bei ihrer Feier nach dem Sieg in der Champions League gegen Chelsea gesungen haben: „Steff, hol ens ne Kranz.“ Offenbar werden die FC-Geschichten quer durch die Bundesliga gelesen. Ein Fan aus Stuttgart will die Stücke jetzt ins Hochdeutsche und Schwäbische übersetzen.
Sie gehen nicht gerade zimperlich mit dem FC-Vorstand um. Hat sich der Verein schon mal bei Ihnen gemeldet?
FRIEDRICHS: Nein, da hat es noch keine Reaktion gegeben. Ich will ja auch weder dem Verein noch Wolfgang Overath etwas Böses. Ich mache mir lediglich Sorgen.
Der Running Gag besteht darin, dass Stephan Engels immer zum Bierholen geschickt wird. Ist Ihnen bewusst, dass der Vorstand in Wahrheit recht abstinent lebt?
FRIEDRICHS: Ich achte auch darauf, dass der Vorstand in meinen Theaterstücken nur zwei bis drei Bier trinkt und nicht mehr. Aber die Sache mit dem Alkohol ist losgelöst vom FC zu sehen. Dadurch soll die kölsche Mentalität rübergebracht werden. Das ist Folklore.
Wie eng ist Ihre emotionale Verbundenheit mit dem FC?
FRIEDRICHS: Sehr eng. In den 70er Jahren hat das bei mir angefangen. Ich habe die letzten Titelgewinne noch miterlebt, aber das ist Segen und Fluch zugleich. Die heutige Fan-Generation feiert Aufstiege wie wir damals die Meisterschaft. Früher war es eine Katastrophe, in der Bundesliga nicht unter die ersten drei zu kommen.
Was war der Anlass für Ihre Theaterstücke?
FRIEDRICHS: Es war die Niederlage in Bielefeld. Andreas Rettig hat sich selbst entlassen. Anschließend hat Wolfgang Overath ein Interview gegeben, das etwas comedyhaftes hatte. In seiner Erregung sprach er nämlich leicht kölschen Slang, was ich trotz der ernsten Situation unheimlich komisch fand. Meine erste Geschichte drehte sich dann um die folgende Trainersuche für den Nachfolger von Uwe Rapolder.
Das Gespräch führte
Thorsten Moeck
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