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Kindergeburtstag mit „Ele-Panz“

Von ANJA KATZMARZIK, 14.03.07, 21:45h, aktualisiert 14.03.07, 21:50h

Wünscht sich ein Elefant eigentlich etwas zum Geburtstag? Und wenn ja, was? Am 30. März wird Kölns erstes Elefantenbaby ein Jahr alt - und der Zoo feiert. Was Marlar ganz sicher bekommen wird: Viel Besuch.

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Tierisch begabt ist die kleine Marlar und balanciert galant auf einem Baumstamm.
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Tierisch begabt ist die kleine Marlar und balanciert galant auf einem Baumstamm.
Das eigene Kind ist immer das Größte, und Objektivität von Eltern nicht unbedingt zu erwarten. Mitunter soll sogar ihr Bezug zur Realität getrübt sein. Davon ist Theo Pagel weit entfernt. Der Kölner Zoo-Chef hat unbestritten den, wenn auch nicht größten, so doch mit Abstand schwersten Nachwuchs der Stadt: „Sein“ Elefantenbaby Marlar wird am 30. März ein Jahr alt und wiegt bereits jetzt mehr als 500 Kilo.

Am 1. April wird der Geburtstag im Zoo gefeiert. Die ersten Geburtstagskarten sind bereits eingetroffen. Und was die „Kleine“ schon alles kann! Im Gegensatz zu vielen Menschenkindern ihres Alters war die beliebteste Bewohnerin des Tierparks direkt nach der Geburt im- stande zu laufen. Aber den gewöhnlichen Zweibeinern hat sie ja auch sonst einiges voraus.

Ihren Rüssel etwa, der ihr zunächst eher hinderlich vor dem Gesicht herumbaumelte, setzt sie - wie Pagel voller Vaterstolz berichtet - seit längerem gezielt als Werkzeug ein. Beim beliebten Ästeknacken mit den Tanten etwa ist das ganz schön nützlich. Auch als Trink- und Pustehalm ist der Schnorchel prima, um literweise Wasser auf einmal in den Mund zu befördern.

Doch nicht nur gegen Durst ist Nasses hilfreich, erkannte die junge Dickhäuterin früh. Pagel ist jedenfalls davon überzeugt, sie habe „extrem schnell und gut schwimmen gelernt“. Auch Rüben oder Brote durch Draufstellen mundgerecht zerkleinern klappe seit rund drei Monaten. Mag dies auch krümeln: Marlars Manieren sind ansonsten tadellos. „Sie hatte noch keine Rauferei.“ Weitaus selbständiger als ein Menschenkind vergleichbaren Alters sei sie zudem. „Sie ist von ihrer Reife her zumindest in der Vorschule.“

9000 Tiere gibt es im Zoo und 500 Tierarten, aber selten hat ein Bewohner so viel Aufmerksamkeit und menschliche Rührung hervorgerufen wie das erste in Köln zur Welt gekommene Elefantenbaby. Bereits die langangekündigte Geburt, die sich wegen Komplikationen verzögert hatte, hatte große Anteilnahme und Freude hervorgerufen. Am 13. Dezember schließlich der tragische Tod ihrer Mutter Khaing Lwin Htoo, die aufgrund eines inoperablen Blasenvorfalls, der bereits die Schwangerschaft erschwert hatte, eingeschläfert werden musste.

Köln trauerte über die Grenzen gewöhnlicher Tierliebe hinaus, schrieb Kondolenzbriefe und bedauerte die nunmehr kleine Halbwaise Marlar, die seitdem mit Ersatzmilch aus dem Eimer großgezogen wird, wie ein Kind. „Papa Pagel“ ist auch aus diesem Grund dem „Kindergeburtstag“ gegenüber zwiespältig eingestellt. Allzu ernst gemeinte „Vermenschlichungen“ widerstreben ihm.

So auch der Elefantengeburtstag anfangs. Irgendwie. „Wir wollen daraus lieber einen »Elephant-Day« entwickeln, um auf die Bedrohung der Elefanten weltweit aufmerksam zu machen und gezielt Fundraising zu betreiben.“ Derzeit wird ein gezieltes Freilandprojekt in Asien gesucht, das unterstützt werden soll. Es wird am ersten Aprilsonntag vorgestellt.

An Marlars Jahrestag soll aber auch gezeigt werden, dass es dem Jungtier ohne Mutter gutgeht. Pagel: „Marlar entwickelt sich völlig normal und ruft morgens nicht mehr nach ihrer Mutter. Sie merkt, sie ist versorgt.“ Das Haltungskonzept mit Tieren unterschiedlichen Alters und Herkunft sei aufgegangen.

Bliebe nur noch eine Frage: Wünscht sich ein Elefant eigentlich etwas zum Geburtstag? Und wenn ja, was? Da Marlar am liebsten Möhren mag, dachten ihre Pfleger zunächst an eine große Möhren-Geburtstagstorte. „Doch davon würde sie nichts abbekommen. Die Tanten würden sie ihr wegfressen.“ Und das Tier zur Bescherung von der Herde zu trennen, bringe nur Unruhe. Pagel rät dem „Ele-Panz“: „Ich würde mir schnell einen Stiefbruder oder eine Stiefschwester wünschen zum Kräftemessen und Spielen.“

Kann aber gut sein, dass eine Fürbitte gar nicht mehr nötig sein wird. „Tante“ Tong Koon gilt ziemlich sicher als schwanger, „Tante“ Thi Ha Phyus könnte ebenfalls trächtig sein. Gewissheit gibt es in wenigen Wochen, wenn die seit längerem gesammelten Urinproben (die ersten waren auf dem Postweg verloren- gegangen) in einem Institut in Berlin ausgewertet worden sind. Ist das Ergebnis positiv, kommt die neueste Anschaffung im Elefantenhaus zum Einsatz: ein Ultraschallgerät für Kühe.

 www.zoo-koeln.de



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