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Begabte Kinder brauchen viel Futter

Von HELMUT FRANGENBERG, 16.03.07, 21:41h, aktualisiert 16.03.07, 21:45h

Ein Vorbild für alle anderen: Die evangelische Kita in Chorweiler wird heute offiziell als "Schwerpunktkinder- garten für Hochbegabte" zertifiziert. Die Erzieherinnen ließen sich zwei Jahre lang fortbilden.

BILD: MAX GRÖNERT
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Erzieherin Heike Noé spielt mit Kindern der Chorweiler Kita. Hochbegabte Kinder sollen in der Gruppe gefördert werden. Dann profitieren alle.
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Erzieherin Heike Noé spielt mit Kindern der Chorweiler Kita. Hochbegabte Kinder sollen in der Gruppe gefördert werden. Dann profitieren alle.

Außergewöhnliche Begabungen von Kindern können zu einer schweren Belastung werden, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden und keiner weiß, wie man mit ihr umgehen soll. „Wenn man die Kinder nicht fördert, bleiben nicht nur ihre Talente ungenutzt. Sie können zu einem Fall für die Sonderschule werden“, sagt Silke Boden, Erzieherin in der evangelischen Kindertagesstätte Usedomstraße in Chorweiler. In ihrer Arbeit hat sie viele verhaltensauffällige Kinder erlebt. Nicht immer war klar, was die Ursachen waren. Heute weiß das Team der Chorweiler Einrichtung, dass hinter manchem kindlichen Sabotageakt und Krawall ein unverstandener und unbeachteter Hochbegabter stecken kann.

An diesem Samstag wird der Kindergarten der Kirchengemeinde „Neue Stadt“ ganz offiziell im Rahmen eines Tags der offenen Tür zertifiziert. Das Bonner Institut zur Förderung hochbegabter Vorschulkinder (IHVO) bescheinigt dem Team der Kita, sich zwei Jahre lang intensiv mit dem Thema in Theorie und Praxis beschäftigt zu haben. Bezahlt hat die Weiterbildung die Kölner Imhoff-Stiftung, die sich die Förderung von hochbegabten Kindern und Jugendlichen auf die Fahne geschrieben hat. Sechs Mitarbeiter der Kita haben an Kursen teilgenommen, hospitiert und Aufgaben gelöst. „Damit hat die Einrichtung die Ziele sogar übererfüllt“, sagt Hanna Vock vom IHVO. Die Tagesstätte, die zurzeit 76 Kinder im Alter von vier Monaten bis elf Jahre besuchen, ist damit Kölns erster „Schwerpunktkindergarten für Hochbegabtenförderung“.

Hier hat man gelernt, durch das Beobachten der Kinder außergewöhnliche Begabungen zu erkennen. „Das müsste auch jede Kita lernen“, sagt Leiterin Karola Palinsky. Sie glaubt, dass sich in jeder Kindertagesstätte oder Kindergartengruppe ein bis zwei hochbegabte Kinder befinden, die oft nicht als solche erkannt werden. „Diese Kinder fühlen sich dann unwohl. Sie merken, dass sie anders als andere sind, wissen aber nicht warum.“

„Sie brauchen viel Futter“, sagt Erzieherin Heike Noé. Die Kinder müssen gefordert und gefördert werden - nicht indem man sie aus den Gruppen herausnimmt und sich für sie Spezialausgaben ausdenkt. Stattdessen denkt sich das Kita-Team gruppenübergreifende Projekte aus, an denen alle Kinder teilnehmen und die Hochbegabten besondere Aufgaben, Rollen und Verantwortung übernehmen können. Dann profitieren auch die weniger Begabten. „Sie werden von denen, die etwas mehr als die anderen können, mitgezogen“, glaubt Boden. Am Ende wird nicht die Einzelleistung herausgestellt, sondern das Gemeinschaftsergebnis. Das können ein Theaterstück oder große Stellwände sein, auf denen die Kinder zeigen, wie sie sich in einem Projekt mit dem Leben der Indianer beschäftigt haben.

In Chorweiler besonders beliebt ist auch die „spielzeugfreie Phase“. „Die Kinder fragen schon, wann es wieder losgeht“, sagt Noé. Von April bis Ende Juni werden sämtliche Spielsachen aus der Kita verschwinden. Dann ist besondere Kreativität gefragt. Die Kinder lernen, mit wenigen Hilfsmitteln tolle Dinge zu erleben. Die „spielzeugfreie Zeit“ tut nicht zuletzt den besonders begabten Kindern gut. Sie ergreifen die Initiative und erlangen soziale Kompetenzen. Und wieder profitieren alle. „Besser kann man überhaupt keine Sprachförderung machen“, meint Noé.

Palinsky glaubt, dass sich zumindest die großen Kitas in Köln den Umgang mit Hochbegabten im vorhandenen engen personellen und finanziellen Rahmen zur Aufgabe machen können. „Man braucht ein dynamisches Team, das Lust auf Weiterbildung hat und einen Träger, der das unterstützt. Hochbegabtenförderung kann man in den laufenden Betrieb integrieren.“



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