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Pfarrer bittet um Entschuldigung

Von JOACHIM FRANK UND RAINER RUDOLPH, 18.03.07, 20:32h

Nach dem Bollywood-Spektakel in der Agnes-Kirche soll wieder Normalität Einzug halten. In den als große Bußakte gestalteten Gottesdiensten bekunden die Gläubigen ihrem Pfarrer Respekt.

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Tänzer der Filmproduktion vor der Kirche St. Agnes.
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Tänzer der Filmproduktion vor der Kirche St. Agnes.
In ungewöhnlich schonungsloser Form hat der Pfarrer der St.-Agnes-Gemeinde, Frank Müller, die Gläubigen um Entschuldigung dafür gebeten, dass er die Kirche für Dreharbeiten zu einem „Bollywood-Musical“ zur Verfügung gestellt hatte. „Ich bekenne mich durchaus schuldig“, sagte Müller in seiner Predigt am Samstagabend. Seine Entscheidung habe „Verletzungen“ bewirkt, „mehr als ich mir ausgemalt habe und mehr als ich vielleicht durfte“. Der schlimmste Vorwurf, dem man ihm als Pfarrer habe machen können, sei es, religiöse Gefühle verletzt zu haben. „Ich

bin bereit, wenn Sie es wünschen, Konsequenzen zu ziehen“, sagte Müller. Die Gottesdienstbesucher zeigten sich fast ausnahmslos voll des Respekts für seine Erklärung. In der Sonntagsmesse bedachten sie Müllers Predigt sogar mit Applaus. „Wir stehen hinter unserem Pfarrer“, sagte Gemeindemitglied Brunhilde Adolf-Brand (56).

In einem „offenen Brief“, der in der Kirche auslag, spricht Müller von großem Zeitdruck, unter dem die Verhandlungen mit dem Produktionsteam gestanden hätten. „Meine Zustimmung erfolgte voreilig und ohne mich mit den Gremien abzustimmen. Das ist eine Nachlässigkeit, die mir gewiss niemals mehr widerfahren wird.“ Er sei bereit, „nicht nur bischöfliche Ermahnungen anzunehmen“, schreibt Müller weiter und fordert die Gläubigen auf, ihn mit Kritik persönlich anzusprechen. Er hoffe, dass die Agneskirche für die Menschen nun wieder „ein Ort der Besinnung und Begegnung mit Gott“ sein werde. In den Gottesdiensten, die bis in die liturgischen Texte und die Liedauswahl als großer Bußakt mit der Bitte um Versöhnung gestaltet waren, wandte sich Müller allerdings auch scharf gegen Versuche reaktionärer „Trittbrettfahrer“, die Lage auszuschlachten. So sei mit Aushängen rund um St. Agnes zu „Sühnegebeten“ für die „entweihte“ Kirche aufgerufen worden. „Das verletzt meine

religiösen Gefühle und stimmt mich traurig.“ In der Sonntagsmesse machte Müller darauf aufmerksam, dass der wahre Tempel nach urchristlichem Verständnis nicht das Kirchengebäude sei. „Der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr“, schreibt der Apostel Paulus. Mit und in St. Agnes sei nichts Schlimmes

passiert. Müller berichtete davon, dass der Hauptdarsteller des Musicals und weitere Angehörige des Filmteams sogar in St. Agnes gebetet hätten. Die Kirche habe letztlich durch die Diskussion „nichts verloren, sondern nur gewonnen.“

Müller setzte sich am Samstag auch mit der Kritik Alfred Neven

DuMonts auseinander. Er bedauere es, wenn der Herausgeber des „Kölner Stadt-Anzeiger“ das Eingeständnis seines Fehlverhaltens als „zu kurz gesprungen“ beurteile, so

Müller. Er habe sich jedenfalls „nicht schnell aus der Verantwortung stehlen“ wollen. Mit „Spitznamen“ wie „Don Quichotte von St. Agnes“ und „Bollywood-Pfarrer“ müsse er wohl die nächste Zeit leben, meinte Müller. Da gelte das Sprichwort, „die kleinen Sünden straft der liebe Gott sofort“. Jedoch

sei ihm in anonymen Briefen und sogar aus priesterlichen Kreisen eine Form von Häme, Schadenfreude und Unflätigkeit entgegen geschlagen, die er nicht mehr als Strafe Gottes, sondern Ausdruck „menschlicher Engstirnigkeit“ empfinde.

Die Zuhörer lobten übereinstimmend Müllers Bereitschaft, seinen Fehler einzugestehen. „Das trifft man heute selten“, sagte Ute Strunk (61). Einige nannten den (medialen) Wirbel um die Dreharbeiten überzogen. Gleichwohl bekannten sich zahlreiche Gläubige zu ihrem Unbehagen. „Eine Kirche ist keine Disco“, sagte etwa der 71 Jahre Helmut Merziger. Dieter Stehr (59) sagte, er habe immer noch das Gefühl, „hier schleicht was rum“. Er akzeptiere die persönliche Entschuldigung des Pfarrers. Trotzdem sei eine Wunde gerissen worden, die nur „durch die Zeit und eine bessere Praxis heilen“ könne.



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