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Mit Kamelfleisch durchs Ziel

Von RAINER RUDOLPH, 21.03.07, 20:45h

350 Läufer aus 22 Ländern haben am „Sahara-Marathon“ um die vier Flüchtlingslager bei Tindouf teilgenommen - darunter auch zwei Kölner. Die Sportler wollen den Kontakt zum Wüsten-Volk aufrechterhalten.

Bild: UN-Flüchtlingshilfe
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Auf den letzten Metern des "Sahara-Marathons" der UN-Flüchtlingshilfe: der Kölner Manuel Herz (37).
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Auf den letzten Metern des "Sahara-Marathons" der UN-Flüchtlingshilfe: der Kölner Manuel Herz (37).
Es war bei Kilometer 23, mitten in der algerischen Wüste, als Clemente Müller auf den Stein trat, der im weichen Sand unsichtbar begraben lag. „Da hab ich mich ganz schön hingelegt“, erzählt der 68-Jährige von seiner Teilnahme am Wüsten-Marathon der UNO-Flüchtlingshilfe. Kurz darauf kam schon ein Jeep mit Arzt angebraust. Der Fuß war verstaucht, aber Müller wollte auch nach der ärztlichen Zwangspause nicht aufgeben. Und er schaffte es: Trotz des Zwischenfalls lief der Deutsche brasilianischer Abstammung bei 5 Stunden, 18 Minuten und 10 Sekunden über die Ziellinie.

350 Läufer aus 22 Ländern haben am „Sahara-Marathon“ um die vier Flüchtlingslager bei Tindouf teilgenommen, darunter 50 Deutsche, zu denen auch die beiden Kölner Clemente Müller und Manuel Herz gehörten. Herz (37) lief trotz geringen Trainings eine Zeit von 4 Stunden, 25 Minuten. Bis auf eine Handvoll Teilnehmer kamen alle im Ziel an, nur beim Ultralauf über 160 Kilometer war die Ausfallquote höher: Von 17 Teilnehmern liefen nur 10 über die Ziellinie. Außer Fußproblemen machten einigen auch Magen-Darm-Verstimmungen zu schaffen. Couscous mit Kamelfleisch ist eben nicht jedermanns Sache. Müller hat es gut geschmeckt, aber Herz ist „kein Freund davon geworden“.

Aus Sicht der Uno-Flüchtlingshilfe in Bonn hat sich der Marathon in jedem Fall gelohnt. Der Lauf lenkte ungewohnte Aufmerksamkeit auf das Schicksal des saharauischen Volkes, das 1975 beim Einmarsch der Marokkaner in die Westsahara über die Grenze nach Algerien floh. Seit ihrer Flucht leben die rund 170 000 Menschen bei Tindouf in vier großen Flüchtlingslagern, die hauptsächlich aus Lehmhütten bestehen. Elektrizität gibt es in dieser weit abgelegenen Gegend nur aus Autobatterien und Generatoren; die Trinkwasser-Qualität ist miserabel.

Umso erstaunter waren die deutschen Gäste, die immer zu fünft bei einheimischen Familien untergebracht waren, über den hohen Bildungsstand ihrer Gastgeber im Flüchtlingslager Smara. „Es gibt eine allgemeine Schulpflicht“, berichtet Müller, „und die medizinische Versorgung ist erstaunlich gut.“ Auch Architekt Manuel Herz, der sich seit Jahren mit Flüchtlingslagern beschäftigt, zeigte sich von der Infrastruktur und der Selbstverwaltung der Lager beeindruckt: „Die Flüchtlingshilfe hat dort wirklich gute Arbeit geleistet.“

Für Herz war es besonders interessant, am alltäglichen Leben der Menschen teilhaben zu können: „Ich bin unheimlich glücklich, da gewesen zu sein.“ Wenn sie von der überwältigenden Gastfreundschaft der Saharauis berichten, kommen auch die anderen Läufer ins Schwärmen. Viele wollen den Kontakt zu ihren Gastfamilien aufrechterhalten und bei Informationsabenden in Sportlerkreisen über dies vergessene Volk am Rand der Wüste berichten.

Von den 50 000 Euro, die von der deutschen Flüchtlingshilfe in diesem Jahr in die Flüchtlingslager investiert werden, stammen 5000 Euro aus den Startgebühren der Läufer. Das Geld wird vor allem für die Beschaffung von Lehrmaterial für die rund 34 000 Schüler und die Weiterbildung ihrer Lehrer verwendet.

 www.uno-fluechtlingshilfe ,de



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