Von RUTH GIDLEY, 16.03.07, 12:46h, aktualisiert 03.12.07, 11:46h
Wissenschaftler sagen einen tiefgreifenden Wandel des Nahrungsmittelmarktes voraus, sollten Bauern ein besseres Geschäft im Anbau von Pflanzen für Kraftstoff sehen als darin, Menschen mit ihrer Ernte zu ernähren. Und der Biosprit-Boom hat gerade erst begonnen. US-Unternehmen und Präsident George W. Bush plädieren für einen Wechsel hin zum Biotreibstoff. In den USA ist die Nachfrage nach Ethanol, das aus Mais oder Zuckerrüben hergestellt wird, rapide gestiegen. Das trieb den Maispreis auf den höchsten Stand seit zehn Jahren.
Erste Auswikungen in Mexiko
Die ersten Auswirkungen waren in Mexiko zu spüren. Der Preis für Tortillas verdreifachte sich. 1,36 Dollar kostet jetzt ein Kilo der Maisfladen. Viel Geld für mehr als die Hälfte der Bevölkerung, die mit fünf Dollar oder weniger am Tag auskommen muss. Im Januar gingen zehntausende Mexikaner auf die Straße, um gegen die hohen Tortilla-Preise zu demonstrieren. Der Preisanstieg veranlasste den konservativen Präsidenten Felipe Calderon, ein Verfechter des freien Marktes, sogar dazu, die Preise zu kappen.
Seit dem Zweiten Weltkrieg fällt das Verhältnis der Lebensmittelausgaben zum Einkommen, zumindest im Westen. Lebensmittelhilfe-Experte Edward Clay sagt, eine der großen Fragen sei jetzt, ob Biotreibstoffe diesen Trend umkehren könnten. Das würde vor allem arme Menschen hart treffen. Die momentan hohen Preisen seien aber nur vorübergehend. "Bis nächstes Jahr werden die Nahrungsmittelpreise wieder zu fallen beginnen", sagt Clay. "Aber das bedeutet nicht, dass sie jemals wieder das Niveau sinken, auf dem sie vorher waren."
Denn die Zahl der Biosprit-Produzenten nimmt noch zu: China ist inzwischen neben den USA und Brasilien zu einem der größten Produzenten aufgerückt. Hinzu kommt, dass China genauso wie Indien zusehends mehr Lebensmittel braucht, um seine Bevölkerung zu ernähren. Die wachsende Mittelklasse will mehr Fleisch essen - das Schlachtvieh frisst Getreide, was den Preis etwa für Mais in die Höhe treibt. Zwar reagieren viele Bauern auf die wachsende Nachfrage, indem sie mehr Mais produzieren. Aber Chinas und Indiens Möglichkeiten sind begrenzt: Viele Wissenschaftler warnen, beide Länder hätten gar nicht genug Wasser, um mehr Getreidefelder zu bewässern. (rtr)
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