Von JOHANNA DI BLASI, 22.03.07, 21:10h
Gregor Schneiders schwarzer Kubus steht. Die 14 mal 13 mal 13 Meter große Skulptur ragt am Glockengießerwall zwischen dem klassizistischen Altbau und dem weißen Ungers-Bau empor - exakt gen Mekka ausgerichtet. Der samtene Stoff, der den Kubus umspannt, schlackert regennass im eisigen Wind. Etwas Fragiles, fast Trauriges hat dieser Würfel, der im Vorfeld seiner Realisierung so viel Aufregung verursachte. Befürchtete Proteste gegen das Gebilde, das Assoziationen an die wichtigste Kultstätte der Muslime, die Kaaba in Mekka, weckt, hat es in Hamburg nicht gegeben - schon gar nicht von muslimischer Seite. Der Künstler hat sogar versprochen, beim Freitagsgebet mitzumachen. Im Gegenzug wollen Muslime seinen Kubus besichtigen.
Spiegel unserer selbst
In Venedig und Berlin war der Kubus aus politischen Gründen kurzfristig unterbunden worden - aus Sorge, islamistische Terroristen auf den Plan zu rufen. Hamburg steht nun als Hort der künstlerischen Freiheit da. Hubertus Gaßner, der neue Leiter der Hamburger Kunsthalle, kann sich zu Recht als Held fühlen, der sich über vorauseilende Selbstzensur hinwegsetzt. Der Würfel ist eine Hommage an das Schwarze Quadrat und kann den Dialog der Kulturen fördern, sagt der Leiter der Kunsthalle. Schneider beschuldigt die Medien, sie hätten Angst geschürt. Ich hoffe, dass die Hypnose überwunden wird. Bisher stand der Kubus für Angst und die unsägliche Unfähigkeit, in einer simplen Form Gemeinsamkeiten zu sehen. Der Würfel ist wie ein Spiegel, in dem wir uns sehen. Der
Cube Hamburg 2007 habe die Kraft, zu einem universellen Zeichen zu werden. Schneider scheint entschlossen, ihn auch noch einmal auf dem Markusplatz zu realisieren, wo er - inmitten der Arkaden - der Kaaba zum Verwechseln ähnlich sähe. In Hamburg ist er Teil einer Hommage an Malewitsch, die den Einfluss des Begründers der geometrischen Abstraktion auf das 20. Jahrhundert dokumentiert.
Hamburger Kunsthalle, Glockengießerwall, bis 10. Juni. Katalog 35 Euro.
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