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Schulbuch ist oft erstes Buch

Erstellt 23.03.07, 15:04h, aktualisiert 23.03.07, 15:06h

Kindern wird nach Angaben der "Stiftung Lesen" immer weniger vorgelesen und das Schulbuch ist immer häufiger ihr erster Kontakt mit einem Buch. "Zwei von drei Eltern lesen ihrem Nachwuchs niemals vor."

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Vorlesen ist wichtig für die Entwicklung des kindlichen Gehirns.
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Vorlesen ist wichtig für die Entwicklung des kindlichen Gehirns.

Leipzig - Kindern wird immer weniger vorgelesen und das Schulbuch ist immer häufiger ihr erster Kontakt mit dem Medium Buch. "Zwei von drei Eltern lesen ihrem Nachwuchs niemals vor. Eltern aus bildungsfernen Schichten lesen ihren Kindern von der Geburt bis zur Einschulung insgesamt nur 24 Stunden vor", sagte Christoph Schäfer von der Stiftung Lesen am Freitag bei der Vorstellung des Trendberichts Kinder- und Jugendbuch 2007 auf der Leipziger Buchmesse. Kinder ohne frühkindliche Förderung würden daher bereit vor Schuleintritt von Bildung und Wissen ausgeschlossen. Der Zugang zu Kinderbüchern müsse deshalb finanziell gefördert werden.

"Kinderliteratur ist kein schöngeistiger Luxus, sondern Teil unseres Bildungssystems", sagte die Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur (AKJ), Regina Pantos. Früher Kontakt mit Bilderbüchern - am besten bereits in den ersten Lebensmonaten - sei für die sprachliche Entwicklung entscheidend. "Vom realen Apfel in der Hand über das Bild des Apfels im Buch - durch Bücher lernen Kinder abstrahieren." Dies sei beim Wissenserwerb eine Kernkompetenz. Laut AKJ wird 2010 mehr als die Hälfte aller Kinder einen Migrantenhintergrund haben, der häufig mit Bildungsdefiziten einhergehe. Für diese Gruppe fehle es massiv an fremdsprachigen Kinderbüchern, die zunächst in der Muttersprache die Lust am Lesen anregten.

Lange vor dem Lesen könnten Kinder Erfahrungen mit der Kultur des Lesens, des Erzählens und der Schrift machen, ergänzte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (AVJ), Klaus Willberg. "Gute Einstiegsbücher funktionieren nur über den Dialog von Eltern und Kind." Sie heben sich nach seinen Worten von der "Flut von Hasen, Prinzessinnen und Piraten" ab.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels forderte mehr Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung für Projekte zur frühkindlichen Förderung. "Natürlich fehlt uns das Geld für übergeordnete Kampagnen", sagte Sprecherin Anja zum Hingst. Der Umsatz der Kinder- und Jugendbuchverlage habe 2006 mangels Bestsellern wie "Harry Potter" oder den Cornelia-Funke-Werken rund neun Prozent unter dem Ergebnis von 2005 gelegen. Besserung erwarte die Branche in diesem Jahr unter anderem durch den neuen "Potter"-Band.

Die Stiftung Lesen kündigte für 2008 ein neues Projekt an: "In Arztpraxen bei den Pflicht-Vorsorgeuntersuchungen wollen wir Eltern Lesestart-Pakete überreichen. Das Projekt hat seit zehn Jahren in England sensationellen Erfolg", sagte Stiftungssprecher Schäfer. (dpa)



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