Von MATTHIAS PESCH, 12.04.07, 21:30h
Stefan Lochner bewährt sich als Spendensammler für den Dom - auch 556 Jahre nach seinem Tod. Schon zum zweiten Mal hat der Künstler, der im Mittelalter mit dem „Altar der Stadtpatrone“ einen der herausragenden Kunstschätze der Kathedrale schuf, dem Dom auf kuriose Art und Weise zusätzliche Einnahmen beschert. Bereits Ende 2005 hatte das Kreditkartenunternehmen American Express dem lange verstorbenen Künstler eine Mitgliedschaft in seinem „Gold Card Club“ offeriert. Auf das launige Antwortschreiben von Dompropst Norbert Feldhoff („Die Mitgliedschaft ist zweifellos ein sehr großzügiges Angebot.“) reagierte das Unternehmen damals souverän: Es überwies 555 Euro für den Erhalt des gotischen Gotteshauses.
Jetzt wollte die Deutsche Post AG nach Angaben der erzbischöflichen Pressestelle den berühmten Maler als Kunden gewinnen: Das Unternehmen lockte Lochner mit einem „Vorzugspaket“ und einer regelmäßigen Vorabansicht neu erscheinender Briefmarken. Adressiert war das Schreiben an den Dom. Feldhoff, Chef des Domkapitels und durch die Erfahrungen mit American Express wachsam geworden, nutzte die Gunst der Stunde. In einem Brief an den Post-Vorstandsvorsitzenden Klaus Zumwinkel nannte es der Dompropst „fast schon tragisch, dass Herr Stefan Lochner in seinem derzeitigen Zustand weder ihr Vorzugspaket noch den besonderen Service, alle deutschen Briefmarken-Neuerscheinungen viermal im Jahr automatisch zur Ansicht nach Hause zu bekommen“, entgegennehmen könne.
Zumwinkel antwortete im gleichen Stil. Die Kirche habe es ja schon immer als ihre Aufgabe angesehen, „Verfolgten und Gesuchten Unterschlupf zu gewähren“, schrieb der Postchef. Daher verstehe er auch, dass der Dompropst die aktuelle Adresse Lochners nicht preisgeben wolle und man diesen aus den Adressendateien streichen müsse. Feldhoffs Anregung, stattdessen dem Dom Gutes zu tun, nahm Zumwinkel dagegen postwendend an: Die Spende von 1111,11 Euro soll dem „Richter-Fenster“ im südlichen Querschiff zugute kommen.
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