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Sparen bei der Heroinvergabe

Von MATTHIAS PESCH, 12.04.07, 21:25h, aktualisiert 12.04.07, 21:28h

Die Stadtverwaltung plant, aus Kosten- gründen die Behandlung von Schwerst- abhängigen mit der Methadonambulanz des Gesundheitsamtes zusammen- zulegen. Mediziner fürchten um die Quali- tät bei der Versorgung der Patienten.

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Marlis Bredehorst
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Mediziner fürchtet um die Qualität bei der Versorgung der schwerstabhängigen Patienten.

Die Stadtverwaltung plant, aus Kostengründen die heroingestützte Behandlung von Schwerstabhängigen mit der Methadonambulanz des Gesundheitsamtes zusammenzulegen. „Wir mussten einen Weg finden, das Projekt fortzusetzen und gleichzeitig der Haushaltslage der Stadt Rechnung zu tragen sowie ein angemessenes Verhältnis zur großen Zahl der übrigen Abhängigen zu wahren“, begründet Gesundheitsdezernentin Marlis Bredehorst gegenüber dem „Stadt-Anzeiger“ den Vorschlag der Verwaltung, der jetzt in den politischen Gremien diskutiert werden soll. Mario Vogel, Prüfarzt in der Heroinambulanz, kann die Argumente der Stadt „in vielen Punkten nachvollziehen“, hält das Vorhaben aber dennoch für „unglücklich“. Vogel: „Ich habe erhebliche Zweifel, ob nach der Zusammenlegung die bisherige Qualität der Heroinbehandlung aufrechterhalten werden kann.“

Noch bis Ende Juni 2007 läuft in sieben Städten das bundesweite Modellprojekt zur ärztlich kontrollierten Heroinabgabe. In Köln spritzen sich derzeit 41 Patienten regelmäßig Diamorphin, pharmazeutisch hergestelltes Heroin; laut Bredehorst gibt es in Köln rund 10 000 Heroinabhängige. Die Beigeordnete verweist darauf, dass es nicht gelungen sei, durch eine Gesetzesänderung Diamorphin zum verschreibungspflichtigen Arzneimittel zu machen und damit eine Teilfinanzierung der Heroinvergabe durch die Krankenkassen sicherzustellen. Da künftig die Zuschüsse des Bundes (sieben Prozent) entfielen, müssten die Städte, die das Projekt mit einer entsprechenden Ausnahmegenehmigung fortsetzen wollten, die Kosten selber tragen. Für 2007 hatte der Rat bereits die erforderlichen rund 690 000 Euro bewilligt, 2008 beliefen sich die Kosten laut Bredehorst auf rund 860 000 Euro: „Bei einer Zusammenlegung mit der Methadonambulanz kommen wir mit weniger als der Hälfte aus.“

Gespart werden könne vor allem beim Personal, erläuterte die Dezernentin, aber auch die Öffnungszeiten ließen sich kostengünstiger gestalten. Von den derzeit 16 Mitarbeitern der Heroinambulanz „sollen einige übernommen werden“. Für die Zusammenlegung der beiden Einrichtungen - in der Methadonambulanz werden rund 220 Patienten versorgt - solle „eine angemessene Übergangszeit“ eingeräumt werden. Untergebracht werden soll sie in den derzeitigen Räumen der Heroinambulanz in der Lungengasse.

„Der längere Hebel liegt nicht bei mir“, sagt Prüfarzt Vogel, der sich „in das Unvermeidliche fügen“ will. Er befürchtet unter anderem, dass die wichtige psychosoziale Betreuung der schwerstabhängigen Patienten nicht so weitergeführt wird wie bisher. Er ist zudem skeptisch, ob auch künftig bei Verstößen gegen Vergabe-Vorschriften „unsere liberale Schiene weitergefahren“ werde. „Das könnte Behandlungserfolge gefährden.“

„Die Qualität der Heroinambulanz muss erhalten bleiben“, fordert auch Jörg Detjen, Vorsitzender der Fraktion „Die Linke.Köln“. Zudem müssten die Fachleute aus dem Heroinprojekt integriert werden.



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