Von CLAUDIA HAUSER, 15.04.07, 20:32h
Der Parkplatz an der Pferderennbahn ist schon um zehn Uhr voll. Bis zur Niehler Straße stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange - was nicht am Flohmarkt an der Rennbahn liegt. Jeder Einzelne der Wagen zieht die Blicke der Passanten auf sich: Mindestens 30 Jahre haben die Oldtimer auf dem Buckel. Auf Hochglanz poliert sind sie der ganze Stolz ihrer Besitzer. Was am frühen Morgen noch keiner ahnt: Im Laufe des Tages werden die Blech-Legenden den Verkehr in der City zeitweise zum Erliegen bringen. Ganz im Sinne der Veranstalter, denn die wollen nur eins: Aufmerksamkeit, um das ab Januar 2008 drohende Fahrverbot abzuwenden.
„430 Autos sind offiziell angemeldet“, sagt Hares Latif, Besitzer eines alten Mercedes und einer der Organisatoren des bundesweiten Aktionstags der „Initiative Kulturgut Mobilität“. „Bei 850 hat die Polizei aufgehört zu zählen.“ Was die Oldtimerfreunde mobilisiert, ist die neue Feinstaubverordnung der Bundesregierung. Sie sieht vor, dass in den Innenstädten Autos ohne geregelten Katalysator nicht mehr fahren dürfen - eine Sonderregelung für Oldtimer gibt es bisher nicht.
Um 12.30 Uhr muss die Polizei einschreiten, um ein Blechchaos in Weidenpesch zu vermeiden. Der Corso setzt sich in Bewegung, 90 Minuten früher als geplant. Laut knatternd setzt sich das „rollende Kulturgut“ in Bewegung - über die Neusser Straße, den Ebertplatz und die Ringe Richtung Chlodwigplatz. Die Nachricht, dass das Abschlusstreffen auf dem Roncalliplatz aus Platzmangel ausfallen soll, erreicht längst nicht alle. Diejenigen, die mit ihren alten Autos gleich zum Dom gefahren sind, sorgen dort für Aufsehen.
Im Corso über die Ringe ist Lars Friedrich mit seiner Frau Sandra ganz vorne mit dabei. Sein breiter, gold-metallic-farbener Chrysler Dodge Coronet 500 mit V-8-Motor, Baujahr 1967, ist ein echtes Sonntagsauto. „Normalerweise steht er in der Scheune.“ Die Töchter Julika (8) und Karla (5) thronen auf den goldenen Rücksitzen und verteilen fleißig Handzettel an die Schaulustigen. „Das Auto ist so schön, weil man hinten viel Platz hat und wir uns nie anschnallen müssen“, sagt Julika. Sie liebt es, mit ihrer Schwester auf der Rückbank hin- und herzurutschen, wenn Papa Lars aufs Gaspedal drückt. Gurte gehörten vor 40 Jahren nicht zur Ausstattung.
Immer wieder stockt die Kolonne, müssen Motorhauben bei der Gluthitze geöffnet werden, um die Maschinen abkühlen zu lassen. Willkommene Zeit, sich bestaunen zu lassen: „So einen hatte ich auch mal!“, „Super Farbe!“, „Mein nächster wird auch ein V 8!“.
Klar, dass auch Lars Friedrich nicht viel von dem geplanten Innenstadt-Verbot hält. „In meinen Wagen kann ich gar keinen Katalysator einbauen, weil er keine Einspritzanlage hat.“ Ein neuer Motor, technisch durchaus machbar, sei mit dem Verlust des H-Kennzeichens verbunden. Diese begehrte Zulassung erhalten alle Autos, die älter als 30 Jahre alt sind und damit als „historisch“ gelten. Die Regeln für H-Kennzeichen sind streng: Der Wagen muss vom Kühler bis zur Stoßstange mit Originalteilen ausgerüstet sein. „Wir haben doch gar keine Chance, den neuen Auflagen gerecht zu werden.“ Friedrich schwört, er fahre mit seinem Schätzchen nur 1800 Kilometer im Jahr. „Ich komme doch niemals auf 12 000 Kilometer pro Jahr.“ Das ist der Wert, den die Zulassungsstellen bei der Einrichtung von Umweltzonen zugrunde legen. Die Diskussion wird weitergehen, da ist Friedrich sicher. Spätestens beim nächsten „Motorhaubensitzen“ am 5. Mai unter der Zoobrücke wird er sich mit seinen Freunden bei Bier und Würstchen wieder über Feinstaub unterhalten.
Vermutlich ist Friedrichs Bekannter Torsten Hermanowski dann auch wieder mit seinem Schätzchen am Start. Heute ist er mit dem Fahrrad unterwegs. „Wo ist dein Zitrönchen?“, fragt Karla. „Ich hatte es extra für heute in die Werkstatt gegeben“, antwortet Hermanowski. „Als er repariert war, ist einer mit dem Gabelstapler in die Seite gefahren.“
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