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“Shoppen“ - Neun Frauen, neun Männer

Von Uwe Mies, 03.05.07, 11:59h

Ein Film über das Speed-Dating: Das Kinodebüt von Ralf Westhoff ist immens unterhaltsam und überzeugt durch seine superben Schauspieler, amüsante Dialoge und hochwertige Bilder.

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Schweifende Blicke - kann aus diesem Pärchen etwas werden?
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Schweifende Blicke - kann aus diesem Pärchen etwas werden?
Beziehungskomödien waren angesagt im deutschen Filmgeschäft der 90er Jahre. Und beinah folgerichtig hieß der letzte große Kassenerfolg am Ende der Dekade „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“. Was hätte noch kommen sollen?

Knapp zehn Jahre danach hat sich in der Tat einiges geändert. Heute treffen sich paarungswillige Großstadtsingles zum Speed-Dating, Gruppenveranstaltungen mit Gesprächskonstellationen in fliegendem Wechsel, denn jedem Teilnehmer bleiben stets nur wenige Minuten für Selbstdarstellung und die Entscheidung, ob sich eine weitere Kontaktaufnahme lohnt.

Von einer solchen Veranstaltung erzählt Ralf Westhoffs Kinodebüt. Nach fünfzehnminütiger Exposition, in der einige seiner Protagonisten eingeführt werden, kommt er mit zeitgestopptem Flirtreigen zum Herzstück seines Films. Neun Männer und neun Frauen, allesamt unbekannte Gesichter, rekrutiert aus der Theaterszene, liefern in extremen Nahaufnahmen gepfefferte Charakterkarikaturen, deren Sprachmodus auf Schnellfeuerbetrieb geschaltet ist.

Es wäre nicht verwunderlich, wenn die unaufhörliche Bildfolge sprechender Köpfe der Pilotfilm einer potenziellen TV-Serie wäre. 18 Hauptfiguren jedenfalls stellen eine gewaltige Anzahl und entsprechende Herausforderung dar, der Westhoff schon aus Zeitgründen nicht gewachsen ist.

Diese inhaltliche Überforderung erdrückt den Film endgültig im letzten Drittel, wenn sich im Kielwasser des Speed-Flirts tatsächlich Pärchen verabreden und sich nun zeigt, wie wenig die Figuren über den ersten Kick hinaus substanziell unterfüttert sind. Doch trotz aller Defizite ist „Shoppen“ immens unterhaltsam dank seiner superben Schauspieler, sagenhaft amüsanter Dialogsätze und nicht zuletzt dank des Einsatzes hochwertiger Linsen, die den Bildern aus der digitalen Videokamera eine verblüffende Klarheit und Tiefenschärfe erlaubten. Hier hat sich einer selbstbewusst aus verschiedenen Fenstern gelehnt. Das verdient schon deshalb Anerkennung, weil der Spaßfaktor dabei nicht zu kurz gekommen ist.



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