Von KATRIN VOSS, 02.05.07, 21:35h
„Die Arktis und der Nordpol bedeuten seit Jahrhunderten Mysterium und Faszination“, sagt Sebastian Schmitz vom Veranstalter „Deutsche Polarflug“. Die Expeditionstouristen tragen wetterfeste Anoraks (obwohl sie gar nicht aussteigen werden) und schwere Teleobjektive. Viele erfüllen sich einen Lebenstraum, haben die Geschichten der Entdecker im Eismeer schon in Kindertagen gelesen. Sie haben Ticketpreise für mindestens 555 Euro (Innenplatz) und 1099 Euro (Fenster) bezahlt - oder den Flugschein geschenkt bekommen. Zum Geburtstag, zur Hochzeit. Es sind Menschen aus 13 Nationen - Abenteurer, Frischverliebte, Pensionäre. „Freunde haben gefragt: »Hast du einen Knall?«“, erzählt Rolf Brunswig (67) aus Siegen. „Aber ich wollte unbedingt mit.“ Hans Mersch (79) aus Gütersloh will „schauen und staunen, die Schöpfung genießen“. „Ein Jugendtraum, ich wollte immer schon zum Nordpol“, strahlt Theodor Bergmann (50) aus Krefeld. „Ein bisschen Forschergeist, ein bisschen Abenteuerlust. Auf jeden Fall eine hochspannende Sache“, schwärmt Markus Ezenhöfer (33) aus Frankfurt.
Der Tagesausflug zum Pol sei ein Novum in der deutschen Luftfahrt, betont die Fluggesellschaft: Bislang raste nur die französische Concorde mit Überschallgeschwindigkeit über den Nordpol; Quantas unternimmt von Australien aus Südpol-Flüge.
2007 ist das Internationale Polarjahr - und so ist im Vorfeld der Tagestour im Jet viel Kritisches gesagt worden über die Klimafolgen und die Massentauglichkeit einer solchen kurzen Arktisreise. Die Veranstalter halten dagegen: Unterwegs sei eines der modernsten Flugzeuge der LTU-Flotte. Mit drei Kilogramm Treibhausgas-Ausstoß pro Passagier und Kilometer sei die Klimabilanz um ein Mehrfaches besser als die eines Postreiseschiffes, das bei Spitzbergen nur 300 Kilometer weit vom Pol entfernt verkehrt.
Schon weit vor Spitzbergen versinkt die Welt unter Gletschermassen. Es gibt eine Schaltung aus dem Cockpit zur deutschen Forschungsstation im Norden des Archipels, und ein Wissenschaftler vom Europäischen Raumfahrtinstitut berichtet über die Klimaforschung im Eis via Satellit. Derweil überfliegt der Jet die Datumsgrenze. Von Dienstag nach Montag - und zurück. Nächster Flugtermin ist der 1. September.
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