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„1 : 1“ - Sozialhilfe für Romeo und Julia

Erstellt 10.05.07, 11:13h

Sozialdrama mit reichlich Konfliktstoff: Ein Film über die problematische Beziehung des Palästinensers Shadi und der Dänin Mie in einer Vorstadtsiedlung Kopenhagens.

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In Kopenhagen kochen die Aggressionen hoch.
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In Kopenhagen kochen die Aggressionen hoch.
Es war die große Vision im sozialen Wohnungsbau der 60er Jahre: Eine Anlage mit Mustercharakter für urbanes Leben an der Peripherie der Großstadt Kopenhagen. So zeigt es der Vorspann, und die bedrohlichen Musikklänge lassen ahnen, dass es eine Lücke geben wird zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Ein einziger Schnitt über 40 Jahre hinweg lässt denn auch die schöne neue Welt von einst in trübem Licht erscheinen. Kahle Betonfassaden vermitteln Unwirtlichkeit, in den Hauseingängen tummeln sich Jugendliche, in Kapuzenpullis vermummt. Der Migrationsanteil ist hoch, das Klima geprägt von Misstrauen und Gewaltbereitschaft.

Shadi ist hier aufgewachsen. Der Sohn palästinensischer Einwanderer hat sich mit der Dänin Mie angefreundet und wähnt sich auf gutem Weg. Dann wird Mies Bruder nächtens auf offener Straße ins Koma geprügelt und alle Verdachtsmomente weisen auf Shadis älteren Bruder Tareq, der seinen Mangel an Bildung mit einer Karriere als Boxer kompensieren will.

Spannungen bauen sich auf, was nicht nur das Verhältnis der Brüder untereinander, sondern auch Shadis Beziehung zu Mie auf härteste Proben stellt. Ein recht spröder Film ist das, und es grenzt schon an Verzweiflung, wenn der Verleih die Geschichte in Richtung einer „Romeo und Julia“-Variante in Kopenhagen zu stilisieren versucht. Tatsächlich ist auch diese Facette im schillernden Sozialkaleidoskop enthalten, doch zeigt sich bald, dass die dänische Filmautorin Annette Olesen in ihrer dritten Kinoarbeit (nach „Kleine Missgeschicke“ und „In deinen Händen“) nichts dazugelernt hat, wenn sie eine vielversprechende Prämisse in einen dramaturgischen Bogen einzuspannen hat.

Es ist dabei weniger das Übermaß an Konfliktstoff, dass den Film einknicken lässt, sondern die Indifferenz zwischen quasi-dokumentarischer Realitätsschilderung und filmischer Verdichtung. Olesen bemüht die Stilmittel des Dogmas und zerstört damit die Vielschichtigkeit der Erzählung. Die Entscheidung des hiesigen Verleihers, sämtliche Stimmen im Film einzudeutschen, ergänzt die visuelle Tristesse auf akustischer Ebene.



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