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Der Himmel über Paris

Von MICHAEL BENGEL, 16.05.07, 11:29h

Luftige Aussichten auf die Stadt an der Seine - die verschiedenen Bauwerke der Metropole bieten einen herrlichen Ausblick. Im Parc André Citroën kann man in einem bunten Fesselballon über die Dächer schweben.

Bild: Bengel
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Traumhafter Blick über Paris
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Traumhafter Blick über Paris
Von den Möglichkeiten, der französischen Hauptstadt aufs Dach zu steigen.

Mit dem Mann ist schlecht zu diskutieren, denn er weiß schlicht mehr als wir: Pas de chance, Monsieur, sagt er. Der Wind. Hier unten ist es ruhig. Das sehen wir. Doch 150 Meter höher hat er mehr als 35 Kilometer in der Stunde. Das müssen wir ihm glauben. Sehen können wir es nicht. Und so sehen wir Paris an diesem Morgen nicht von oben, sondern eben nur den bunten Ballon von „Eutelsat“, die Attraktion im Parc André Citroën. Da liegt er vor uns, fest vertäut am Boden, mit seinen 22 Metern Durchmesser in einem Netz von Spannriemen gefangen wie Gulliver in Lilliput, ein Fesselballon nach des Begriffes ungeahnter Zweitbedeutung. Paris von oben, den Kindern allzu voreilig als Luftschifffahrt aus alter Zeit versprochen, bleibt für die nächsten Tage eine Schuld, abzubüßen durch die Mühen analoger Unternehmungen.

Der Montparnasse-Turm zählt da nicht: Zu einfach ist die Fahrt hinauf, 196 Meter in 38 Sekunden, auch wenn der Blick über die Stadt vielleicht der schönste ist - und sei es nur, weil man die Scheußlichkeit des Turms dabei nicht sieht. Unschlagbar freilich sind seine Aussichten zur Dämmerstunde und danach: Er schließt erst nachts um 23 Uhr. Als Yann Arthus-Bertrand vor Jahren uns sein Paris vom Helikopter aus als Bildband präsentierte, da weckte er die Lust, die jeder spürt, der je im Kaufhaus „Samaritaine“ auf der Besucherterrasse hoch über dem Pont Neuf stand und das Paris, das er vor Augen hatte, mit dem Paris der Panoramatafeln vergleichen konnte. Das „Samaritaine“ ist noch auf Jahre ein Sanierungsfall, doch mit dem Hügel von Montmartre hat die Stadt ihr eigenes Bellevue.

Wenn man heute gerne davon spricht, eine Stadt zu „lesen“, so ist der Blick von oben buchstäblich der Königsweg zum Überblick: Der helle Kalkstein von Paris, nach den Schnittmustern Haussmanns gegliedert, das Grau der Dachlandschaften. Der Eiffelturm, der Invalidendom wie eine goldverzierte Pickelhaube, das Panthéon, das Institut de France, der Doppelturm von St. Sulpice. Erst mit ihrer Hilfe finden wir auch Notre-Dame, das Herz der Stadt, den Mittelpunkt des Landes mit dem Bronzemal, von dem aus die Weite Frankreichs vermessen wird als Abstand von Paris. Also Montmartre, also Sacré-CSur. Der weiße Klotz aus Muschelkalk sitzt auf dem schönsten Hügel von Paris. Der Automat am Drehkreuz schluckt von jedermann fünf Euro, auch von Kindern, es sei denn, man hebt sie hinüber. Dann dreht sich eine enge Spindeltreppe in die Höhe bis auf den Umgang für das Panorama. Nach Süden liegt Paris, nach Norden aber auch, und das ist das Erstaunliche: Man sieht Paris, so weit man schaut. Vom Wasserturm gleich nebenan bis an den Horizont. 341 Treppenstufen geht es dann hinab, hinauf und abermals hinab.

654 sind es für den Eiffelturm, 654 von insgesamt 1710, doch zu Fuß darf man nur auf die zweite Etage, dann heißt es wieder Schlange stehen für den letzten Lift von 115 auf 276 Meter. Kein Aufzug fährt von unten bis zur Spitze, aber für den Blick in die Ferne reicht die zweite Plattform allemal: So sehen wir den Invalidendom und unterm Horizont das Stade de France. Längs der Treppenstufen gibt es viel zu lernen: Etwa, dass die erste Treppe eine Wendeltreppe war, die sich vermutlich als bleibender Schaden ins Innenohr gewunden hat. Dass andere auch schon auf Stelzen oder per Motorrad auf den Turm gestiegen sind. Wie oft der Turm gestrichen wird: alle sieben Jahre.

Für Notre-Dame braucht es an guten Tagen eine Stunde - bis man an der Kasse angelangt ist. Dafür gibt es womöglich die mäßigste Aussicht der Stadt. Doch Notre-Dame de Paris erklimmt man nicht wegen der Aussicht: Notre-Dame besteigt man, um ihr nah zu sein. Die Kinder stehen staunend vor den Wasserspeiern, die in ihren Filmen reden konnten, klopfen mit dem Knöchel voller Ehrfurcht an die große Glocke und fühlen sich wie Quasimodo. Zuletzt noch der Arc de Triomphe: Acht Euro für eben mal 50 Meter, Napoleons Feldbett und Haussmanns Stadtplanung von oben. Der Obelisk der Place de la Concorde zittert im Schleier der Auspuffgase. Doch fern im Süden keine Fata Morgana: Unser Ballon! Wir stürzen hinab, entern den 42er Bus und lassen uns durch den dichten Verkehr die Rue St. Charles hinunterbringen. Und auf der weiten grünen Wiese, dort, wo der Artillerieleutnant André Citroën im Jahr 1915 am Fließband zuerst die Produktion von Granaten erprobte, dann die von Autos, finden wir den Ballon, luftig unterwegs am blauen Himmel. Schon für die übernächste Fahrt sind Plätze frei, und so steigen wir am gut geschmierten Stahlseil lautlos in die Höhe, in den Himmel über Paris.

Die Stadt, aus 150 Meter Höhe und von Süden aus betrachtet, mit dem Sonnenlicht im Rücken, wirkt so weiß wie von Montmartre aus. Der Turm von Montparnasse fällt wenig ins Gewicht, der Eiffelturm nur wegen der vertrauten Form, La Défense erscheint zum ersten Mal als Einheit. Doch am häufigsten noch schauen wir hinab, hinunter auf den Parc André Citroën, der erste Park in ganz Paris, der an die Seine grenzt. Auf 14 Hektar Grün, umgeben von Wohnbauten und blitzenden Büroburgen, vor dem Hospital Pompidou, liegt er ausgebreitet in seiner streng geometrischen Weite, alle Bäume längs der großen Wiese gestutzt, von Marmorsockeln, Treppen und Mauern eingefasst, ausgerichtet auf zwei hohe gläserne Gewächshäuser. Natur ist nur nach dem Gesetz der Planer zugelassen. Doch den Spatzen und Staren ist es gleich, nach welcher Fasson die Bäume geschnitten sind. Enten planschen in Wassergräben und in den akkuraten Gärten zwitschern unerkannt die Vögel. Und die Menschen, die Liebenden, die Jogger wie die Meditierenden: Sie haben den Park längst zu ihrem gemacht.

 www.aeroparis.com

 www.tourmontparnasse56.com

 www.notre-dame-de-paris.monuments-nationaux.fr

 www.arc-de-triomphe.monuments-nationaux.fr

 www.sacre-coeur-montmartre.com



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