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Die roten Riesen von Tsavo-Ost

Von CHRISTIAN BOS, 01.05.07, 14:14h

Kenias Tsavo Nationalpark ist das größte Schutzgebiet des Landes und das fünftgrößte in Afrika. Wo die Elefanten wirklich zu Hause sind - Entdeckungs- touren in der kenianischen Savanne.

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Nur im kenianischen Nationalpark Tsavo-Ost findet man die roten Elefanten.
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Nur im kenianischen Nationalpark Tsavo-Ost findet man die roten Elefanten.
Nachts um halb Zwölf kommen die Elefanten. Von der Holzveranda im zweiten Stock des Salt Lick Lodge blickt man direkt auf die nachtschwarze Wasserstelle. Wir schwenken Whiskey und Pastis. Bis wir sie entdecken: Monolithen von gebrannter Siena, stumme Steine, die sich beinahe lautlos durchs hohe Gras bewegen. Die Elefanten des kenianischen Nationalparks Tsavo-Ost reiben sich mit der eisenhaltigen roten Vulkanerde ein, zur Pflege ihrer dicken Haut.

Whiskey und Pastis bleiben stehen und wir steigen rasch aber leise die Treppen zum Tunnel unterhalb des Lodge herab. Der führt zu einem kleinen, runden, von Fledermäusen bevölkerten Unterstand. Dessen vergitterte Souterrain-Fenster geben die Aussicht frei auf die Wasserstelle. Ganz nah dran an den roten Riesen. Neun Tiere haben sich um den nächtlichen Tümpel versammelt. Kühe, Kälber, junge Bullen. Und sie wissen, dass wir da sind. Eine Elefantenkuh trabt gemächlich auf unseren Aussichtsposten zu, streicht am Mauerwerk vorbei, schlängelt ihren Rüssel in die ins Gras eingelassene Fensteröffnung und stiebt, dass es uns den Staub in die Gesichter bläst - und die Herzen in den Hals. Doch, so eine Safari kann ganz schön aufregend sein, auch nach der Steppenfahrt, wenn Luxus-Lodge und Wildnis nur ein Eisengitter trennt. Wer jetzt noch glaubt, ein Zoo-Besuch bei Marlar und Ming Jung würde es auch tun, der stelle sich einfach mal vors Löwengehege - und denke sich die Gitter weg.

Viele müssen nicht mehr überzeugt werden. Afrika boomt, ist auf dem besten Wege, der neue Lieblingskontinent der Deutschen zu werden. Der "Spiegel" widmet dem schwarzen Kontinent einen Titel, André Heller präsentiert dieser Tage in Köln die passende Revue. Die erste afrikanische Fußballweltmeisterschaft ist nur noch drei Jahre entfernt. Und jede zweite deutsche TV-Serien-Heldin scheint inzwischen - Karen Blixen gleich - eine Farm in Kenia zu besitzen. Die Flugverbindungen von Düsseldorf, Frankfurt und München nach Mombasa takten immer dichter und die großen Reiseveranstalter und Spezialisten schnüren Reisepakete mit Rundtouren, Safaris und Badeurlauben, auch in Kombination mit dem benachbarten Tansania und der Märchen-Insel Sansibar: Von der anstrengenden aber lohnenswerten Ein-Wochen-Safari durch den 13 000 Quadratkilometer großen Tsavo-Ost, der artenreichen Massai Mara und dem am Fuße des Kilimandscharo gelegenen Amboseli - bis zum All-Inclusive-Faulenzen am Indischen Ozean.

Die Fahrt zurück vom Nationalpark zur Küste nach Mombasa, führt über eine achsenbrechende, 20 Kilometer lange Buckelpiste durch die Savanne. Bis Juli oder August, schätzt unser Fahrer Mohammed, sei die Straße endlich fertig gestellt, von chinesischen Facharbeitern. Dann schaut Mohammed mitleidig in den Rückspiegel, auf seine willenlos auf- und abhüpfenden Passagiere. Und lacht: "Andere Länder, andere Sitze!"

In Mombasa, der zweitgrößten Stadt des Landes und dem tiefsten Hafen Ostzentralafrikas, fügen wir uns ein in den Strom der Matatus, der Kleinbus-Sammeltaxis, die von ihren Besitzern oft liebevoll gepimpt wurden und sich nun mit aufgeklebten Slogans wie "Road Attack" oder "Unpredictable" Vorfahrt erheischen.

Rösten am Swimmingpool

Es geht vorbei an Kleinstbetrieben in Wellblech- und Holzhütten und an Schulen, die Stolz ihr Motto am Eingangsschild verkünden: "Stärke durch Einigkeit". Nach langen Jahren politischer Unruhe und Unterdrückung versprechen seit 2002 Präsident Mwai Kibaki und seine Regenbogenkoalition Stabilität, kostenlose Grundschulen und die Bekämpfung der weit verbreiteten Korruption. Die Aufbruchstimmung treibt manchmal seltsame Blüten: Auf der Fähre zum Galu Beach kann man seine Verbesserungsvorschläge in eine "Anti Corruption Box" einwerfen.

Im neu erbauten "Neptune Palm Beach Resort" schlängelt sich ein schmaler Weg durch die Vier-Sterne-Anlage zum weißen Sandstrand, verzweigt sich hin zu reetgedeckten Hütten. Ältere Anlagen haben rustikalere Zimmer, noch ältere ähneln jenen gesichtslosen Hotelkomplexen, wie man sie überall auf der Welt finden kann. Sauber und gepflegt sind sie alle und die Menschen, die hier arbeiten sagenhaft freundlich: Gästen begegnen sie gut gelaunt - und auf Augenhöhe.

Es gibt Touristen, die lassen sich tagaus tagein am Pool von der Äquatorsonne rösten. Dabei kann man an Kenias Küste doch so viel unternehmen. Ein Segeltörn nach Wasini Island auf einer mit Bastmatten ausgelegten Dhau, von der aus man mit Schnorchelbrille oder Taucherausrüstung die Korallenriffe erkunden kann. Oder einen Landausflug zu den Ruinen von Gedi. Hier, mitten im Dschungel aus Baobab-Bäumen, findet man die Überreste einer Stadt aus dem späten 13. Jahrhundert, einer muslimischen Hochkultur, die Handel mit China, Indien und Venedig trieb. Eine Erinnerung daran, dass die Geschichte Afrikas eben nicht mit der Kolonialisierung beginnt. Und auch nicht mit der Tiersafari.



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