Von Rüdiger Heimlich, 14.05.07, 14:20h, aktualisiert 14.05.07, 19:53h
„Dann nehmt euch doch gleich den Pocher!“, kalauerte Harald Schmidt in seiner „sau-billig“-Werbung. Ob Oliver Pocher für sein Idol „sau-billig“ zu haben ist, das werden die beiden Entertainer unter sich abmachen. Die ARD jedenfalls hält sich raus. „Pocher wurde ausdrücklich auf die Bitte von Herrn Schmidt engagiert“, erklärte gestern ARD-Sprecher Burchard Röver dem „Kölner Stadt-Anzeiger. „Wir zahlen da nichts additiv.“
„Schmidt & Pocher“ wird also die neue Late Night Show im Ersten heißen. Da die ARD von Herbst an den WDR-Polittalk „Hart aber fair“ mittwochs ins „Erste“ hebt, muss sich der WDR mit einem verbliebenen 60-Minuten-Sendeplatz am Donnerstagabend (22.45 Uhr) für „Schmidt & Pocher“ begnügen. Schmidts Jahresvertrag mit der ARD läuft im Juni aus. Nun hat sich die ARD mit der Firma Kogel & Schmidt GmbH auf die Produktion der neuen einstündigen Sendung geeinigt. 22 Ausgaben sind geplant.
Aufstieg zum A-Promi
„Wir haben »Rent a Pocher« wörtlich genommen“, sagte Programmdirektor Günter Struve gestern mit Verweis auf Pochers Pro-Sieben-Show „Rent a Pocher“. „Im Augenblick ist er ja noch als selbst ernannter B-Promi auf Tour. Aber an der Seite von Harald Schmidt im Ersten wird Oliver Pocher - da bin ich mir sicher - ganz schnell zum A-Promi aufsteigen.“ Pocher, der nun exklusiv für die ARD arbeitet, wird wohl auch eine eigene Show angeboten werden.
Pocher & Schmidt - da kommt zusammen, was immer schon zusammenkommen wollte. Die beiden mögen sich, und sie teilen den gleichen Humor: sarkastisch, despektierlich, bisweilen punktgenau, gerne auch grobschlächtig. Pocher kann auf eine Comedian-Karriere bei Viva und Pro Sieben zurückschauen. Er hat sich einen Ruf als wortgewandter Improvisateur (auch in der „Schillerstraße“) gemacht. Zurzeit ist er in der Verfilmung von Tommy Jauds Bestseller „Vollidiot“ im Kino zu sehen. Da poltert er als Handy-Verkäufer durch Porno-, Sauf- und Sparfuchs-Witze. Pochers Kalauer-Niveau changiert zwischen genial und genital. „Ich nehme die sportliche Herausforderung an, mit Herrn Schmidt und neben Herrn Silbereisen den Jugendwahn bei der ARD weiter voranzutreiben“, witzelte Pocher.
Harald-Schmidt-Fans haben es längst vorausgesehen: „Am besten lädt er jetzt noch die Herren Steinhöfel und Pocher in seine Sendung ein“, hieß es kurz nach Schmidts „Sau“-Werbung auf einer Fan-Seite im Internet. Enttäuschte Fans debattieren seit Wochen über Schmidts Formtief. Da wundert man sich über seine Auftritte in „heute“, der wiederaufgewärmten Rateshow „Pssst“ oder in der ZDF-Familienserie „Unser Charly“ - „er tut so, als wäre dies alles Teil eines genial-sarkastischen Masterplans.“ Dabei stecke „Schmidt fest im Mittelmaß“, heißt es da, „er verramscht sich“.
Was ist los mit Schmidt?
Was also ist los mit Harald Schmidt? Nach seiner Rückkehr aus der einjährigen Kreativpause und seinem denkwürdigen Auftritt mit Bart und Mähne hat Schmidt kaum mehr zur alten Form zurückgefunden. Das bemühte Spiel mit Manuel Andrack, Schmidts „Sidekick“ aus Sat-1-Zeiten, ist nurmehr eine blasse Reminiszenz an bessere Zeiten. Die Quoten schwächeln. Ob Andrack in einer Sendung namens „Pocher & Schmidt“ noch Platz hat, darf bezweifelt werden. „Das ist noch nicht entschieden“, erklärt die ARD.
„Oliver Pocher steht für eine junge Zielgruppe und wird der Sendung neue Impulse geben können“, sagt die neue WDR-Programmdirektorin Verena Kulenkampff. „Herr Pocher und ich werden wöchentlich auf das einschlagen, was wir am meisten lieben: das Fernsehen“, wird Schmidt von der ARD zitiert. Die Fans schlagen derweil kräftig auf Schmidt ein. Ob der der ARD über 2008 verbunden bleibt, sei noch offen, heißt es. „Wenn gar nichts mehr geht, werde ich Ankermann beim Hafenkonzert“, hat Schmidt einmal gekalauert. In dieser Branche könne man nie ganz durchfallen. Vielleicht nimmt die ARD dann gleich den Pocher.
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