Erstellt 22.05.07, 20:00h
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Henn, Ihr Ex-Kollege Bert Dietz hat Epo-Doping im ehemaligen Team Telekom gestanden. Was bewirkt diese Aussage bei Ihnen?
CHRISTIAN HENN: Dasselbe. Ich habe das im Fernsehen gesehen und mir gesagt, dass ich da nachziehen muss, um mit mir ganz im Reinen zu sein. Ich bin mit betroffen und habe auch mit Epo gedopt. Die Zeit war so. Da musste man mitziehen, sonst hätte man nicht mithalten können. Es ging nur hopp oder top. Die anderen Nationen, vor allem Spanier
und Italiener, waren uns auf einmal, also aus dem Nichts, turmhoch überlegen. Das lag an Epo, also mussten wir mitziehen.
Wurde beim damaligen Team Telekom flächendeckend gedopt?
HENN: Ich kann da nur für mich sprechen.
Welchen Zeitraum Ihrer
Karriere betrifft Ihr Epo-Konsum?
HENN: Die Jahre von 1995 bis zu meinem Karriereende 1999.
Woher haben Sie Epo bekommen?
HENN: Dazu sage ich nichts.
Epo, also das Hormon Erythropoietin, bewirkt die vermehrte Zufuhr roter Blutkörperchen. Also kurz gesagt eine enorme Ausdauer- und Leistungssteigerung. Können Sie das für sich bestätigen?
HENN: Das war schon so, auf jeden Fall. Details möchte ich aber nicht nennen.
Ihre Karriere endete 1999 abrupt - weil sie positiv auf Testosteron getestet wurden . . .
HENN: . . . das war der Tiefpunkt. Ich musste meine Karriere beenden und hing ein Jahr in der Luft. Das war die schwerste Zeit meines Lebens. Ich hatte Existenzängste und danach alles massiv bereut, was ich getan habe. Man kann sagen, durch diese harte Erfahrung bin ich geläutert und habe mich zum entschiedenen Doping-Gegner gewandelt.
Derzeit sind Sie Sportlicher Leiter beim Team Gerolsteiner. Befürchten Sie nun nicht, Ihren Job aufgeben zu müssen?
HENN: Wie gesagt, ich bin geläutert, und das wissen meine Chefs auch. Und sie akzeptieren das. Weil sie auch wissen, dass ich für einen rigiden Anti-Doping-Kurs stehe. Der Radsport in Deutschland hat sich massiv gewandelt. Man würde alles verlieren, wenn man positiv getestet wird, das wissen die Fahrer. Ich würde so weit gehen zu sagen, dass es in meiner Mannschaft kein organisiertes Doping gibt.
Und wenn es doch so wäre?
HENN: Dann würde ich meine Lizenz zurückgeben.
Das Gespräch führte
Stephan Klemm
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige