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Wo Schüler Lehrern Noten geben

Von LAURA LIEBESKIND, 24.05.07, 11:45h

Bei der „größten Lehrerbenotungsaktion aller Zeiten“ machen sich immer mehr Schüler einen Spaß daraus, ihren Paukern im Internet Schulzensuren zu geben. Nicht alle Pädagogen finden das witzig.

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Klaus Ten Eiken wird auf "spickmich.de" im Schnitt mit der Note 3,5 bewertet. Er könnte auch mit einer 5,8 leben: "Es ist doch nur ein Spiel."
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Klaus Ten Eiken wird auf "spickmich.de" im Schnitt mit der Note 3,5 bewertet. Er könnte auch mit einer 5,8 leben: "Es ist doch nur ein Spiel."
Wie fühlen sich eigentlich Lehrer, wenn sie mal diejenigen sind, die Noten nicht verteilen, sondern selber welche erteilt bekommen? Das ist keine theoretische Frage mehr, seit die Kölner Studenten Tino Keller, Manuel Weisbrod und Philipp Weidenhiller auf ihrer Internetseite  www.spickmich.de Lehrer von Schülern bewerten lassen.

Die Noten auf spickmich.de reichen wie gewohnt von eins bis sechs; die „Fächer“, in denen die Lehrer benotet werden, sind allerdings andere als im Schulunterricht. Es geht vor allem um Charakter- und Typfragen: Wie „sexy“, „cool und witzig“, „beliebt“, „motiviert“, „menschlich“ oder „gelassen“ sind die Lehrerinnen und Lehrer? Hinzu kommen ein paar Fragen zur Fachkompetenz: Machen die Lehrkräfte „guten Unterricht“, stellen sie „leichte Prüfungen“ und geben sie „faire Noten“? Je nach Notenschnitt wird die bewertete Lehrkraft dann durch eine mehr oder weniger attraktive Comicfigur dargestellt und erhält einen grünen, einen gelben oder einen roten Rahmen.

Außerdem können die User persönliche Kommentare sowie Zitate aus dem Lehrermund ins Netz stellen. Für Schüler ist das eine herrliche Möglichkeit, den Spieß einfach mal umzudrehen. Aber was halten Lehrer von dem Rollentausch?

„Nur Datenmüll“

Die Meinungen sind geteilt, wie unsere Umfrage am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim und am Abtei-Gymnasium in Brauweiler ergeben hat. Eine Lehrerin, die anonym bleiben möchte, findet spickmich.de „ziemlich heftig“. Die Seite sei „doch nur dazu da, um Frust abzulassen“. Dass teils nach sehr persönlichen Kriterien bewertet wird, findet sie nicht in Ordnung: „Wenn ich meine Schüler im Internet öffentlich und mit Namensangabe danach benoten würde, wie geistreich, motiviert oder witzig ich sie finde, hätte ich als Lehrerin sicher gleich mit Klagen zu rechnen.“

Ebenso wie diese Kollegin zweifelt auch Klaus Ten Eiken vom Abtei-Gymnasium an der Aussagekraft der Noten: „Das ist doch bloß Datenmüll und vollkommen überflüssig, weil man damit nichts machen kann.“ Er fände es besser, wenn Schüler den persönlichen Dialog mit ihren Lehrern suchen und Probleme offen ansprechen würden. Zudem kritisiert er die Anonymität der Seite: „Auch unter den Schülern, die da Noten verteilen, findet ja kein Dialog, kein Austausch statt.“ Die Kriterien der Beurteilung empfindet Ten Eiken als etwas „denunziantenhaft“, nimmt es im Gegensatz zu manchen Kollegen, die sogar rechtliche Schritte erwägen, aber recht gelassen hin: „Das ist doch viel zu belanglos zum Klagen - ein nettes Spielchen halt: Schüler spielen Lehrer.“ Apropos „gelassen“: In dieser Rubrik hat Ten Eiken mit einem spickmich-Schnitt von 2,6 bislang tatsächlich seine besten Noten erzielt. Insgesamt bringt er es auf eine mäßige 3,5.

Ein wahrer spickmich-Muster lehrer mit Einsern in fast allen Bereichen und einem sensationellen Schnitt von 1,6 ist hingegen Andreas Niessen, Direktor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Niessen versteht durchaus, warum das Schülerforum im Internet reichlich Zulauf findet: „In der Schule geht es um Zukunftschancen und Lebensperspektiven. Manche Schüler fühlen sich da vielleicht einer gewissen Willkür ausgeliefert und wollen sich irgendwie wehren.“

Verleumderisch?

Dass Schule und auch Lehrer die Qualität ihrer Arbeit kritisch überprüfen lassen müssten, stehe außer Frage. Die Kriterien auf spickmich.de hält Niessen allerdings für unangemessen; er würde Kategorien vorziehen, die wirklich etwas über Unterrichtsqualität aussagten. Und dass im Schutze der Anonymität zuweilen auch Schläge unter die Gürtellinie ausgeteilt werden, findet der Schulleiter gar nicht in Ordnung.

Niessens Kollegin Renate Bonow bemängelt ebenfalls, dass die anonyme Stimmabgabe es unmöglich mache, nachzuhaken und tatsächliche Probleme aufzudecken. Sie kann zwar verstehen, dass Schüler das Bedürfnis haben, ihre Lehrer zu beurteilen, findet es allerdings „unerträglich“, dass dies in öffentlich zugänglicher Form geschieht. Einige Schülerkommentare seien regelrecht verleumderisch: „Das sollte unterbunden werden.“

Auch Lehrer Silvan Mertens vom Abtei-Gymnasium hat damit Probleme. „Was sich da manche Schüler gegenüber ihren Lehrern und dem Bildungssystem an teils sehr persönlichen Attacken herausnehmen, findet man sonst nur in der übelsten Klatschpresse“, meint er, „natürlich gilt auch für Schüler die Meinungsfreiheit, aber gerade sie müssen lernen, verantwortungsbewusst mit diesem Recht umzugehen, und sie sollten sich bemühen, auf konstruktive Weise Kritik zu üben.“

Schüler halten dem entgegen, dass spickmich.de von manchen Lehrern wohl einfach zu ernst genommen werde. Martin Quick, Schüler der 10. Klasse am Geschwister-Scholl-Gymnasium, betont beispielsweise, dass in dem Internetforum eigentlich nichts zu lesen sei, was Schüler nicht sowieso auch auf dem Schulhof besprechen würden. Darüber groß mit den Lehrern zu diskutieren, interessiere ihn gar nicht so sehr: „Für mich ist nicht so wichtig, was die Lehrer darüber denken“, meint er, „immerhin ist das eine Seite für Schüler.“ Natürlich bestehe das Risiko, dass sich Lehrer durch einige Bewertungen persönlich angegriffen fühlen könnten. Allzu negative Kommentare würden in der Regel aber ohnehin gleich von den spickmich-Machern gelöscht. Am meisten interessiert sich Martin im Übrigen ohnehin nicht für die Benotungen, sondern für die auf der Website gesammelten Lehrerzitate: „Das ist schon heftig, was da manchmal von Lehrern gesagt wird.“



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