Von HELMUT FRANGENBERG, 28.05.07, 20:54h, aktualisiert 28.05.07, 21:32h
Der Massenandrang blieb am Samstagmorgen aus, als sich der OB mit seinem Baudezernenten Bernd Streitberger, mehreren Vertretern des Bauherrn Ditib und anderen Moschee-Baubefürwortern aus Rat und Bezirksvertretung den Bürgerfragen stellen wollte. Noch nicht einmal hundert Ehrenfelder nutzten die Gelegenheit zum Gespräch. Jüngere Ehrenfelder wurden nicht gesichtet. Dafür viele Funktionsträger der rechtsextremen Vereinigung „Pro Köln“, die sich unters „Volk“ gemischt hatten, um für rechte Stimmung zu sorgen. „Die Deutschen werden benachteiligt. Die Türken haben mehr Rechte als wir Deutsche“, meinte eine Frau. Sie traue sich oft nicht mehr auf die Straße. „Da sagen Leute mir, hau ab, das ist türkisches Gebiet hier.“
Was wirklich dran ist an diesem Bericht, war in der aufgeheizten Stimmung nicht zu klären. Schramma bemühte sich, die Ängste der Frau ernstzunehmen. Sein Appell, doch nicht alles in einen Topf zu werfen, fand jedoch kaum Resonanz. Der OB warb für das Recht auf Religionsfreiheit. „Ich bin der Oberbürgermeister aller Kölner. Da gehören 120 000 Muslime auch dazu“, sagte er. Für viele seiner Kritiker war dagegen klar, dass zur „einheimischen Bevölkerung“, die zu wenig beachtet würde, „die Türken“ nicht gehören. „Sehen Sie sich doch mal die Venloer Straße an!“, forderte eine Bürgerin. „Sie verkommt. Überall nur noch Ein-Euro-Ramschläden!“ Die türkische Ditib-Vertreterin, mit der sie diskutierte, gab ihr Recht. Gemeinsam sprach man über Fehler und darüber, was besser gemacht werden könnte. Es war einer der wenigen Momente an diesem Samstag, wo tatsächlich so etwas wie Dialog spürbar wurde. Ansonsten wurde der Morgen für die Vertreter des Bauherrn durch die teilweise hasserfüllten Äußerungen zum Spießrutenlauf.
So mancher erzählte seinem Nachbarn den neuesten Türkenwitz besonders laut, während ein Klübchen älterer Herren die für Deutschland schlimmen Folgen der Weltkriege debattierte. Die soziale Lage des Viertels, der Zustand der Venloer Straße, pöbelnde Jugendliche auf der Straße, Kriminalität und die Furcht vor einem fundamentalistischen Islam - die gemäßigte türkisch-islamische Union Ditib war an diesem Samstagmorgen einmal mehr das Angriffsziel für viele Ängste und Kritikpunkte, die mit dem Moschee-Bauprojekt wenig zu tun haben. Ein Bezirkspolitiker gab zu bedenken, dass die neue Ditib-Zentralmoschee vielleicht sogar dabei helfen kann, all diese Probleme besser in den Griff zu bekommen. Er hatte wenig Chancen. „Die Türken wollen sich doch gar nicht integrieren“, brüllte sein Gegenüber.
Wer sich neue Informationen und Erklärungen zum Bauprojekt erhoffte, wurde enttäuscht. Daran waren nicht nur Volkszorn und inszenierter Tumult schuld. Vertreter der Ehrenfelder Bürgervereinigung, die Ditib immer noch nicht in ihren neuen Beirat eingeladen hat, kritisierten, dass der Bauherr die Gelegenheit nicht genutzt habe, die überarbeiteten Pläne für die Moschee zu erläutern. Es gab Lob für die modernere äußerer Gestalt des Gebäudes, aber auch Kritik daran, dass Ditib die Bruttogeschossfläche vergrößert und die Nebengebäude erhöht habe, ohne darüber vorher mit Bürgern, aber auch mit der Politik diskutiert zu haben.
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