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„Ich war verdeckt Lobbyist für Siemens“

Von THOMAS MAGENHEIM, 30.05.07, 20:48h

Der in Haft sitzende Ex-Chef der Gewerkschaft AUB packt aus: Es gab einen klaren Auftrag der Konzernspitze. Die konkurrierende IG Metall fordert den Rückzug der managementfreundlichen Organisation aus dem Aufsichtsrat.

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In der Münchner Siemens-Zentrals ist seit der Aufdeckung des Schmiergeld-Skandals einiges ins Rutschen gekommen.
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In der Münchner Siemens-Zentrals ist seit der Aufdeckung des Schmiergeld-Skandals einiges ins Rutschen gekommen.
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In der Münchner Siemens-Zentrale ist seit der Aufdeckung des Schmiergeld-Skandals einiges ins Rutschen gekommen. BILD: DPA

München - Der in Haft sitzende Ex-Chef der managementfreundlichen Arbeitnehmerorganisation AUB, Wilhelm Schelsky, hat sein öffentliches Schweigen gebrochen und den Vorstand des Münchner Siemens-Konzerns schwer belastet. „Ich war verdeckt als Lobbyist für Siemens tätig. Es gab einen klaren Auftrag aus der Konzernspitze. Der Plan kam aus dem Zentralvorstand“, sagte der Unternehmensberater dem „Stern“. Schelsky ist Steuerdelikten und der Beihilfe zur Untreue verdächtig.

Der seit kurzem von Siemens freigestellte Zentralvorstand Johannes Feldmeyer bestätigt das in zentralen Punkten. „Richtig ist, dass Schelsky als Lobbyist finanziert worden ist“, sagte Feldmeyer-Anwalt Martin Reymann-Brauer im Namen seines Mandanten über den Zweck der Geschäftsbeziehung von Siemens zu Schelsky. Das habe Feldmeyer gegenüber der Staatsanwaltschaft ebenfalls ausgesagt. Als Reaktion auf diese Offenbarungen hat Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer bei Siemens den Rückzug der dortigen AUB-Aufsichtsrätin Hildegard Cornudet gefordert. „Frau Cornudet sollte ihr Mandat niederlegen“, sagte der Gewerkschafter. Schon Anfang April hat die IG Metall wegen der Machenschaften von Siemens und Schelsky eine Strafanzeige gestellt. Die AUB-Aufsichtsrätin will indessen nicht freiwillig weichen. Es sei nicht richtig, eine Art Fahnenflucht zu begehen, ließ sie wissen. Die Art und Weise, wie ihre Organisation finanziert wurde, sei allerdings nicht in Ordnung. Davon hätten einfache Mitglieder wie sie aber nichts gewusst. Auch aus der Nürnberger AUB-Zentrale gibt es kaum Reaktion auf Schelskys geständige Worte. Die Arbeit der AUB werde in vollem Umfang aufrechterhalten, hieß es dort.

Dem als AUB-Chef jüngst zurückgetretenen Schelsky wird vorgeworfen, von Siemens - offiziell als Berater - Millionenhonorare kassiert zu haben. Er habe diese zum Großteil für den Aufbau der AUB verwendet, um sie als eine Art Gegengewerkschaft zur IG Metall aufzubauen. Die Rede ist von 45 Millionen Euro, die seit 2001 an Schelsky und teils weiter an die AUB geflossen sind. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Nürnberg kommentiert diese Summe nicht. Auch zu den Aussagen Schelskys gegenüber den Behörden und seinen Äußerungen gegenüber dem „Stern“ wollte ein Justizsprecher keine Angaben machen.

Über eine mögliche Entlassung Schelskys aus der seit Februar andauernden Haft werde das Gericht eventuell noch diese Woche entscheiden, sagte der Justizsprecher. Der Münchner Technologiekonzern, der auch noch mit einer zweiten Affäre wegen schwarzer Kassen im Umfang von mutmaßlich mindestens 426 Millionen Euro zu kämpfen hat, sieht nach den Aussagen Schelskys und Feldmeyers keine Veranlassung zu verschärfter Reaktion. Feldmeyer sei bereits von seinen Aufgaben entbunden worden.



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