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Zensur gegen Goethe-Institut

Von HARALD MAASS, 30.05.07, 19:53h

2004 wurde das Goethe-Institut in Pjöngjang eröffnet - ein Lichtblick im totalitären Staat. Nun verschwanden jedoch deutsche Zeitungen und Zeitschriften aus den Räumen. Die Einrichtung hofft nun auf einen Kompromiss.

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Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il
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Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il

Pjöngjang - Als Jutta Limbach vor drei Jahren einen Lesesaal in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang eröffnete, nannte das die Präsidentin des Goethe-Instituts ein „großes Ereignis“. Deutsche Medien und Diplomaten, die zusammen mit der Kulturmanagerin in das isolierte Nordkorea gereist waren, sprachen gar von einer Sensation. Zum ersten Mal erlaubte das Kim-Regime, das wie kein anderes die Gedanken seiner Bürger zu kontrollieren versucht, die unzensierte Auslage von westlichen Büchern, Zeitschriften und Zeitungen. Sogar eine „Spiegel“-Ausgabe mit einer kritischen Titelgeschichte über den nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il - Überschrift: „Der Irre mit der Bombe“ - lag dort aus.

Die Zeit der Freiheit, die Deutsch-kundigen und Studenten in Nordkorea einen Einblick in die Außenwelt erlaubte, ist nun aber offenbar vorbei. Vor einigen Wochen entfernte der nordkoreanische Partner des Goethe-Instituts, die Koreanisch-Deutsche Freundschaftsgesellschaft, alle Zeitungen und Zeitschriften - darunter „Spiegel“, „Zeit“ und die „Süddeutsche Zeitung“ - aus dem Lesesaal. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) hatte man schon seit einem Jahr nicht mehr ausgelegt.

Offiziell rechtfertigt Pjöngjang das Vorgehen damit, dass der Bestand an wissenschaftlichen und technischen Publikationen erweitert werden solle. Bei einem Gespräch mit deutschen Bundestagsabgeordneten am Mittwoch in der Obersten Volksversammlung betonte die für Kulturbeziehung zuständige Kaderfrau Hong Son Ok, dass man mehr für wissenschaftliche Bücher und Zeitschriften schaffen wolle und politische Schriften deshalb nicht mehr erwünscht seien.

Der wirkliche Grund für die Zensurmaßnahme dürfte jedoch die kritische deutsche Berichterstattung über das Regime sein. In Gesprächen mit Berlin hatte Pjöngjang sich zuletzt mehrfach über deutsche Korrespondenten beschwert und einzelnen Journalisten Visa für die Einreise nach Nordkorea verweigert. Eine ursprünglich für vergangenes Jahr geplante Besuchsreise von Abgeordneten des Deutschen Bundestages nach Nordkorea war deshalb kurzfristig verschoben worden und konnte erst diese Woche stattfinden.

In keinem anderen Land der Welt ist die Zensur so scharf wie in Nordkorea. Seit einem halben Jahrhundert können die Menschen nur die staatliche Propagandapresse lesen. Störsender verhindern den Empfang ausländischer Radio- und Fernsehsender. Wer trotzdem ein Kurzwellenradio besitzt, riskiert, mit seiner Familie ins Arbeitslager zu wandern.

Der Goethe-Lesesaal, der einzige dieser Art im Land, ist der bescheidene Versuch, die Tür zu dem stalinistischen Land einen Spalt zu öffnen. Rund 4000 Bücher, Zeitschriften und elektronische Medien stehen bereit in dem deutschen Vorzeigeprojekt. In der Vitrine im Eingang liegt eine CD-Sammlung mit Grimms Märchen. Dahinter, in hellen Bücherregelen, stehen Werke von Herman Hesse bis Elfriede Jelinek. „Wir haben jeden Tag einige Besucher, manchmal auch Gruppen“, sagt die Bibliothekarin Ok Bun Rim. Jeder Nordkoreaner könne das Angebot nutzen.

Nun ist das Projekt in Gefahr. Vertreter des Goethe-Instituts hatten in der Vergangenheit erklärt, man werde den Lesesaal schließen, falls es zur Zensur komme. „Ich sehe keinen Grund, warum wir das Angebot an Büchern und Medien in dem Lesesaal einschränken sollten“, erklärte auch der Bundestagsabgeordnete und Leiter der deutschen Delegation, Hartmut Koschyk (CSU), am Mittwoch. Noch hofft man auf deutscher Seite, dass Pjöngjang einlenkt und das Projekt gerettet wird. Ein Kompromiss könnte so aussehen, dass zumindest einige deutsche Zeitungen und Zeitschriften weiter ausgelegt werden dürfen.



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