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Rundgang durch die Pavillons, über die gesprochen wird

Erstellt 08.06.07, 20:51h

Frankreich: Sophie Calle lässt über 100 Frauen den Brief vorlesen, mit dem der Ex-Freund ihr vor einigen Jahren die Liaison gekündigt hatte („. . . und pass gut auf dich...

Frankreich: Sophie Calle lässt über 100 Frauen den Brief vorlesen, mit dem der Ex-Freund ihr vor einigen Jahren die Liaison gekündigt hatte („. . . und pass gut auf dich auf“). Biografischer Tiefschlag, selbstironisch betrachtet durch ein Kaleidoskop der Charaktere: kurzweilig, voller Esprit.

Großbritannien: Der Pavillon als riesiges grafisches Kabinett - mit erotischen Zeichnungen von Tracey Emin in später Nachfolge von Egon Schiele. Intim und authentisch; in der Präsentation allerdings doch sehr museal geraten. Nicht eben riskant.

USA: Installationen des in den 90ern an Aids gestorbenen Felix Gonzalez-Torres, eines Künstlers mit wunderbarer Poesie, die man aber in den letzten Jahren überall und häufig in präzisen Arrangements gesehen hat (zuletzt in Berlin). Es gibt genügend amerikanische Künstler, die für einen Auftritt in Venedig viel interessanter wären.

Polen: Monika Sosnowska deformiert ein großes rechtwinkliges Stahlskelett, zwängt es in den Pavillon und bringt damit effektvoll die Wahrnehmung ins Wanken. Ein wirksamer Beitrag über Faszination und Scheitern des Modernismus in der Architektur.

Rumänien: Kurios in der Gruppenschau ein Katalog mit einer Bildersammlung, den der Schweizer Künstler Christoph Büchel als Teilnehmer bei den Rumänen zusammengestellt hat. Zu sehen sind Gemälde, die der gestürzte Herrscher Ceausescu von sich hatte anfertigen lassen: grotesker Naturalismus, gefundenes Fressen für die Kunst.

Österreich: Rund ein Dutzend Großformate des Malers Herbert Brandl, die mittlerweile ziemlich gediegen daherkommen. Brandl war früher mal expressiver und experimenteller.

Niederlande: Arnout Mik baut ein Auffanglager nach und lässt in Filmbeiträgen Flüchtlinge und Aufsichtspersonal durch Laiendarsteller spielen, um die sozialen Prozesse nachzuahmen. Gut und ernst gemeint, aber dennoch ein verzichtbares Nachstellen von sozialer Realität.

Italien: Francesco Vezzoli, Italiens Shooting-Star, persifliert mit der Videoinstallation „Demokratie“ amerikanische Wahlkampf-Spots. Übertreibt er wirklich? Die Parodie gelingt ihm so gut, dass der gemeine amerikanische Wähler wohl mit den Achseln zucken und sagen würde: So wird nun einmal Wahlkampf gemacht - na und?

Afrika: Der diesmalige Biennale-Leiter Robert Storr hat kurzerhand einen afrikanischen Pavillon in den „Arsenale“ installiert. Zu sehen sind Arbeiten diverser bekannter und unbekannter Künstler, darunter Entdeckungen. Hämmernde Vitalität reißt den Besucher mit.

Deutschland: Isa Genzken wagt - wie berichtet - mit ihrer Werkgruppe „Oil“ die Zustandsbeschreibung einer höchst fragilen Weltgemeinschaft. Laut Flüsterpropaganda einer der besten Beiträge.

Der „Goldene Löwe“ für den Pavillon wird - ein Novum - erst im Oktober vergeben. Bislang gehörte es zur schönen Folklore, dass die versammelte Kunstszene am Freitag vor der Eröffnung dieser Krönung entgegenfieberte, sie je nach Gusto feierte, angriff, den Kopf schüttelte, das Champagner-Glas erhob. Sinnlose Reform, gegen die wir hiermit ausdrücklich protestieren. (G.I.)

Biennale vom 10. 6. bis 21. 11.

 www.grandtour2007.org



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