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Kohlekraftwerk auf Eis

Von FRIEDEMANN SIERING, 14.06.07, 20:23h

Pläne der Kölner Rhein-Energie, am Niehler Hafen ein neues Kohlekraftwerk zu errichten und so die Eigenproduktion von Strom zu verbessern, sind wieder in der Schublade verschwunden.

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Das Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk in Niehl könnte noch um ein zweites ergänzt werden.
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Das Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk in Niehl könnte noch um ein zweites ergänzt werden.
Köln - Die Pläne der Kölner Rhein-Energie, am Niehler Hafen ein neues Kohlekraftwerk zu errichten und so die Eigenproduktion von Strom zu verbessern, sind wieder in der Schublade verschwunden. Rund 900 Millionen Euro waren für das 800-Megawatt-Projekt eingeplant. Doch allein innerhalb eines halben Jahres, so rechnet Rhein-Energie-Chef Rolf Martin Schmitz vor, seien die Preise im Kraftwerksbau um 30 Prozent gestiegen. „Der Markt ist momentan überhitzt, das bleibt nicht ohne Auswirkungen für die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts.“ Die Anlage sei derzeit einfach zu teuer, daher habe man nun doch keinen Baubeschluss gefasst. Zudem sei die politische Diskussion über die Ausgestaltung des Handels mit CO-Zertifikaten nach 2012 „stark im Fluss“. Kaum kalkulierbare Risiken entstünden auch infolge der „heftigen“ Klimadebatte.

Da die Rhein-Energie aber demnächst mit 16,1 Prozent am Mannheimer Versorger MVV beteiligt ist (der Mannheimer Gemeinderat hat dem rund 300 Millionen Euro schweren Deal zugestimmt, die Voten des Kölner Rates, der Bezirksregierung und des Kartellamtes stehen noch aus), eröffnen sich hier laut Schmitz neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit beim Bau von neuen Energiefabriken. Außerdem gibt es die Option, in Niehl ein zweites modernes Gaskraftwerk zu errichten und dabei einen Partner ins Boot zu holen, der selbst ein Steinkohlekraftwerk betreibt und daran im Tauschverfahren die Kölner beteiligt. Damit hielte sich die Abhängigkeit der Rhein-Energie vom Gas in Grenzen.

Wettbewerbsvorteile bei der Energiebeschaffung

Mit der „Stadtwerke-Plattform“ aus MVV und Rhein-Energie entstehe eine Größe, die Wettbewerbsvorteile biete etwa bei der Energiebeschaffung, sagt Schmitz. Profitieren würden die Bürger von Köln und Mannheim. Rhein-Energie will sich nicht nur an der anstehenden Kapitalerhöhung beteiligen, sondern auch weitere Anteile an der MVV kaufen. Das Geld dafür sei vorhanden, so Schmitz. Wie aus Aufsichtsratskreisen zu hören ist, wird darüber nachgedacht, die Beteiligung der Karlsruher EnBW an der MVV (15 Prozent) gegen den 20-Prozent-Anteil der GEW Köln AG an den Düsseldorfer Stadtwerken, an denen EnBW ebenfalls beteiligt ist, zu tauschen. Außerdem gibt es Überlegungen in Mannheim und Köln, mit der hessischen Mainova ein Dreierbündnis zu schmieden.

Die Rhein-Energie hat 2006 vor allem wegen eines ausgeweiteten Energiehandels den Umsatz auf knapp 3,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,5 Milliarden) gesteigert. Der Gewinn kletterte von 167 auf 185 Millionen Euro. Finanzvorstand Dieter Hassel weiß, dass „vor dem Hintergrund gestiegener Energiepreise solche gestiegenen Ergebnisse schnell verdächtig sind“.

Weniger Personal

Die Ertragssteigerung stamme aber aus anderen Bereichen, so Hassel. Man habe „sparsam gewirtschaftet“ und etwa die Sach- und Personalkosten reduziert (die Mitarbeiterzahl sank um gut 40 auf 2834) sowie das Finanzergebnis um sechs Millionen Euro verbessert. Im ersten Quartal 2007 lagen Umsatz (820 Millionen) und Vorsteuerergebnis (81 Millionen) unter Plan. Hassel führt dies auf die ungewohnt milde Witterung zurück.

2007soll es keine weitere Erhöhung des Strompreises geben. Zum Gaspreis, der mit Verzögerung an den Ölpreis gekoppelt ist, wollte das Unternehmen keine verbindlichen Aussagen machen.

Die Rhein-Energie will 2010 mit 1900 Mitarbeitern in die 100 Millionen Euro teure neue Hauptverwaltung am Parkgürtel ziehen. Mitte Juli soll ein Preisgericht die Sieger des Architektenwettbewerbs küren.



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