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Entlarvung der „Biedermannis“

Von Lena Brochhagen, 14.06.07, 21:48h

Einen Schweigemarsch gegen den geplanten Moscheebau in Köln-Ehrenfeld hat die rechtsextreme Vereinigung „Pro Köln“ angekündigt. Doch still dürfte es im Viertel am Samstag nicht lange bleiben.

Einen Schweigemarsch gegen den geplanten Moscheebau in Köln-Ehrenfeld hat die rechtsextreme Vereinigung „Pro Köln“ angekündigt. Doch still dürfte es im Viertel am Samstag nicht lange bleiben. Denn unwidersprochen wollen Gegner die Rechtsextremen nicht durch die Straßen des Stadtteils ziehen lassen. Sie nutzen die virtuellen Wege des Internets, um zu Gegendemonstrationen aufzurufen. Auf sgr-demo.de etwa wirbt das Bündnis „Schüler gegen Rechts“ für eine Gegenkundgebung. Die Initiatoren zeigen sich besonders beunruhigt darüber, dass sich die selbsternannte „Bürgerbewegung“ gleich gesinnte Schützenhilfe aus dem Ausland kommen lässt: Stolz kündigt „Pro Köln“ Unterstützer von der ultrarechten belgischen Partei „Vlaams Belang“ und der rechtspopulistischen österreichischen Partei FPÖ an. „Fehlt nur noch der »Front National« aus Frankreich, und es wäre ein europaweiter Aufmarsch der neuen Rechten“, sagt Sina Weidenreich, Sprecherin der Kampagne „Kein Bock auf »Pro Köln«“. Auch Anhänger der oft gewaltbereiten Kameradschaftsszene könnten nach Ehrenfeld kommen, befürchten die „Schüler gegen Rechts“.

Das „nationale Nachrichtenportal“  www.widerstand.info ruft zur Teilnahme an der „Pro Köln“-Demo auf. Parolen und Sprechgesänge seien auf der Marschstrecke nicht erwünscht, heißt es dort. „Außerdem bitten wir um ein seriöses und bürgernahes Auftreten.“ Das legt aus Sicht der „Schüler gegen Rechts“ den Verdacht nahe, dass sich gerade solche Zeitgenossen eingeladen fühlen, die sonst alles andere als „seriös und bürgernah“ auftreten. „Dass das Auftauchen dieser Nazi-Skinheads auf ihrer Demo den »normalen«, islamophoben »Pro Köln«-Wähler abschrecken könnte“, sei den Organisatoren sehr wohl bewusst, heißt es auf sgr-demo.de. Die Bitte um ein maßvolles Outfit wird daher als „scheinheiliger“ Aufruf bezeichnet, die „übliche Kostümierung (Springerstiefel, Bomberjacke etc.)“ im Schrank zu lassen.

Ähnliche Widersprüche nimmt das Satireblog biedermanni-ver liert.blogspot.com aufs Korn. Manfred Rouhs, „Pro Köln“-Fraktionsgeschäftsführer, wird hier als „Biedermanni“ mit montiertem Heiligenschein abgebildet. Blog-Autor Demokrat4711 fordert auch mal „Männer raus?!“, um die merkwürdige Logik der rechtsextremen Bewegung zu demaskieren. Männer würden häufiger straffällig als Frauen, schreibt der Blogger und folgert: „Manni, die Männer sind viel, viel schlimmer als die Ausländer!“ Ähnlich satirisch geht die „Front deutscher Äpfel“ auf apfelfront.de gegen Rechte und „Überfremdung des deutschen Obstbestands“ vor.

Andere Seiten setzen auf Information statt Satire. Auf npd- blog.info sammelt der Journalist Patrick Gensing Nachrichten über die rechtsextreme NPD. Dafür ist er für den Grimme-Internetpreis nominiert worden. Fast wichtiger als dieses Erfolgserlebnis findet Gensing aber die Befriedigung, die er aus seiner Arbeit zieht: „Es ist schon ein Jugendtraum, der sich dadurch erfüllt: einer sinnvollen Arbeit nachzugehen, die mir auch noch Spaß bringt.“

Blogs sind persönliche Internetseiten, die häufig aktualisiert werden und thematisch völlig frei sind. Die Einträge des Autors können von Lesern kommentiert werden.

blogreporter@ksta.de



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