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Absperrungen und Eierwürfe

Von DETLEF SCHMALENBERG UND TIM STINAUER, 17.06.07, 20:40h

Etwa 150 „Pro Köln“- Sympathisanten haben sich versammelt, um gegen den geplanten Moscheebau zu demonstrieren. Schriftsteller Ralph Giordano verwahrt sich erneut gegen die Vereinnahmung durch die rechtsextreme Partei.

Bild: Krasniqi
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Viele Menschen demonstrierten gegen Rechtsradikalismus.
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Viele Menschen demonstrierten gegen Rechtsradikalismus.
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Die Polizei stoppte den Marsch von Rechtsextremen durch die Innenstadt und nahm 17 Personen fest.
Bild: Hennes
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Agelika Over
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Köln - Angelika Over hat Tränen in den Augen. Ohne es zu wollen, ist die Frau aus Nippes zwischen die Fronten geraten. Over steht am Samstagvormittag einen Steinwurf von der Moschee an der Inneren Kanalstraße entfernt an den Absperrgittern, mit denen die Polizei verhindern will, dass die Moschee-Gegner von „Pro Köln“ und die Gegendemonstranten aufeinandertreffen. Eine erregte Frau Anfang zwanzig hat Over als „Nazi“ beschimpft. Die gebürtige Kölnerin nimmt das sichtlich mit. Over ist zwar gegen den geplanten Bau mit Kuppel und Minaretten, „weil so ein monumentales Gebäude unser Stadtbild so massiv verändert“, sagt sie. „Aber ich bin doch kein Nazi. Um Gottes willen.“ Sie habe einen Polizisten gefragt, wo sich die Leute versammelten, die gegen den Moscheebau seien, und der habe sie zu den Anhängern von „Pro Köln“ geschickt. „Aber mit denen will ich doch gar nichts zu tun haben“, klagt Over. „Sind denn keine ganz normalen Kölschen hier?“

Normal ist in Ehrenfeld wenig an diesem Samstagvormittag. Etwa 150 Sympathisanten der rechtsextremen Partei „Pro Köln“ haben sich um 11 Uhr in der Fuchsstraße versammelt, um gegen den geplanten Moscheebau an der Inneren Kanalstraße zu demonstrieren. Ein breites Bündnis aus Kirchen, Politik, Gewerkschaftern und Ehrenfelder Bürgern hat mehrere hundert Kölner zu einer Gegenkundgebung auf dem Neptunplatz zusammengetrommelt. Schüler und AStA-Mitglieder der Universität treffen sich in der Franz-Geuer-Straße zu einer Demo „für eine Stadt ohne Rassismus und Faschismus“. Knapp tausend Polizisten haben Straßensperren und Pufferzonen errichtet, der Verkehr zwischen Innerer Kanalstraße und Bezirksrathaus liegt lahm. Anwohner schleppen ihre Wochenendeinkäufe durch das Chaos.

Vor der Shell-Tankstelle auf der Venloer Straße verteilen Vertreter des Moschee-Bauherrn Ditib rote Rosen an die Ehrenfelder und an Polizisten. „Die Rose steht für Liebe, Gerechtigkeit und Frieden“, erklärt der Ditib-Vorsitzende Mehmet Yildirim. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün ist gekommen. „Das Zusammenleben der Kulturen in Köln funktioniert gut“, betont sie. „Die Rechten haben keine Themen mehr, also benutzen sie die Moschee als Ventil, an dem sie sich abarbeiten. Sie versuchen, diffuse Ängste zu schüren.“ Kölns Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes (SPD) pflichtet ihr bei. DGB-Chef Wolfgang Uellenberg-van Dawen fordert, den Rechten „eine klare Abfuhr“ zu erteilen.

Als der kleine Tross der Moschee-Gegner gegen 13 Uhr zum Protestzug über die Vogelsanger Straße aufbricht, flankiert von Hundertschaften der Polizei, schallt ihm an jeder Straßenecke und von Balkons „Nazis raus“ und „Haut ab“ entgegen. In Höhe des Ehrenfeldgürtels gehen Eier und ein Sack Mehl auf die „Pro Köln“-Sympathisanten nieder.

Grölende Vermummte

Unterdessen halten Polizisten in der Thebäerstraße 190 Rechtsradikale in Schach, die aus dem Ruhrgebiet angereist sind. Vermummt und fremdenfeindliche Parolen grölend waren sie durch Ehrenfeld gezogen, womöglich hatten sie sich dem Protestzug von „Pro Köln“ anschließen wollen. 17 Männer werden festgenommen, die übrigen aufgefordert, Köln sofort zu verlassen. Doch viele halten sich nicht daran. Sie ziehen weiter in die Innenstadt, werfen Restauranttische um, blockieren Straßen mit Baustellenschildern. Einige grölen Parolen und zeigen den „Hitler-Gruß“. Am Friesenplatz nimmt die Polizei weitere 67 Rechtsradikale in Gewahrsam.

In Ehrenfeld landen unterdessen auch neun linke Demonstranten im Gefangenentransporter. Unter ihnen das Kölner Ratsmitglied Claus Ludwig von der Linkspartei. Er soll versucht haben, am Barthonia-Forum einen Mitstreiter aus den Händen von Polizisten befreit zu haben. Die Polizei wirft ihm Widerstand gegen Beamte vor. „Es war zu einem Gedränge gekommen, in dessen Verlauf ich von zwei Polizisten festgenommen wurde“, wird Ludwig die Situation später beschreiben. Ganz andere Sorgen hat eine unbeteiligte Anwohnerin, die ihren schwarzen Audi 100 auf der Vogelsanger Straße geparkt hat: Ein Polizeipferd hatte kurz ausgeholt und mit dem Hinterbein eine Beule in die wertvolle Karosserie getreten. Die Autobesitzerin nimmt es gelassen, für den Schaden muss das Land NRW aufkommen.

Gegen 14 Uhr nähern sich die Demonstranten von „Pro Köln“ der Herbrandstraße, dem Ort ihrer Abschlusskundgebung. Das Häufchen der Moschee-Gegner ist inzwischen auf einige Dutzend geschrumpft. Die Anführer des Schweigemarschs halten ein Transparent. Darauf zitieren sie den jüdischen Schriftsteller Ralph Giordano mit seinem Ausspruch: „Es gibt kein Grundrecht auf den Bau einer Großmoschee.“ Giordano hatte den geplanten Neubau als „Hindernis auf dem Wege zur Integration“ bezeichnet. Nun fühlt er sich von „Pro Köln“ „missbraucht und wider besseren Wissens instrumentalisiert“. Am Sonntag stellt

Giordano klar: „Es gibt zwischen mir und »Pro Köln« keinerlei Allianzen, und das auf keinem Gebiet.“ Er stehe der Partei „spinnefeind“ gegenüber. Sein ganzes Leben sei ein „einziges Zeugnis gegen nationalistische und demokratiefeindliche Aktivitäten“. Nachdem die Polizei die Demonstranten von „Pro Köln“ zum Ehrenfelder Bahnhof geleitet hat, lassen auch die Befürworter des Moscheebaus ihre Kundgebung mit einem kleinen Fest in der Bartholomäus-Schink-Straße ausklingen.



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