Von DANIELA FOBBE-KLEMM, 18.06.07, 18:24h
Mit „harten Männern“ hat der 29-jährige Rösrather Erfahrung. Beim „Tough Guy Race“ vor einigen Monaten waren es 4899 Leidensgenossen, die sich mit ihm in schulterhohen Schlamm stürzten - und das bei acht Grad Außentemperatur, die damals im britischen Birmingham herrschten. Klitschnass kletterten sie über roh behauene Holzhindernisse und hangelten sich an Seilen über das nächste Schlammloch, um als Erste ins Ziel zu kommen.
Gregor Jonas, der mit seinem Kumpel Theo Zehnpfennig 2007 erstmals an dem alljährlich stattfindenden Wettkampf teilnahm, erzählt: „Wenn man klitschnass ist und die Kälte einem jedwedes Gefühl in Füßen und Händen raubt, dann wird selbst die »Anaconda« zu einer schier unüberwindlichen Aufgabe.“ Dieses Hindernis besteht aus mehreren Betonröhren, die es zu überklettern gilt. Das Rennen sei ein Kampf gegen den Parcours, aber auch ein Kampf gegen sich selbst gewesen. Getreu dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“, hatten die Deutschen in der Vorbereitungsphase die heimische wohltemperierte Badewanne mit dem Tauchfass auf dem Balkon getauscht. Auf dem schwamm, ob der damals winterlichen Temperaturen, eine dünne Eisschicht. Die erstaunten Blicke der Nachbarn, als sie Gregor Jonas beim Eis-Vollbad auf dem Balkon erspähten, ertrug der „Tough Guy“ mit Gelassenheit. „Meine Freundin hat mich zwar für ziemlich verrückt gehalten, aber sie weiß, dass ich die Herausforderung brauche“, gibt Jonas unumwunden zu, dass sein Hobby den meisten Zeitgenossen durchaus etwas seltsam anmutet.
Angefangen hat eigentlich alles mit völlig „normalen“ Läufen, dann kamen die ersten Marathonstrecken. Irgendwann reichte der Adrenalin-Ausstoß dem jungen Mann nicht mehr, er brauchte nach eigenem Bekunden einen Ausgleich für seinen Bürojob. Und fing an, die besonderen Anlässe in der Extrem-Sportwelt zu suchen. Auch sein fast zwei Jahrzehnte älterer Freund Theo Zehnpfennig nimmt für einen Adrenalin-Kick alle Strapazen auf sich. Nicht nur, dass allein das Abenteuer in Birmingham die beiden Männer einige hundert Euro für Anreise, Unterkunft und Verpflegung gekostet hat - Schrammen und blaue Flecken gab es gratis obendrauf. Aber eben auch eine „einmalige Atmosphäre“ und „ein super Gefühl, als wir es endlich geschafft hatten“.
Darauf hofft Gregor Jonas nun auch bei seinem Alleingang im Frankenland. Begleitet wird er diesmal „nur“ von seiner Freundin, die am Streckenrand fotografieren wird. Sie dokumentiert aber nicht bloß die sportlichen Höchstleistungen ihres Partners, sie ist auch sein Coach: „Wenn mich meine Freundin nicht manchmal wieder runterholen würde, dann könnte das sicher noch extremer sein“, räumt Jonas ein. Er sei froh über die Bodenhaftung, die ihm seine Partnerin verschaffe.
Trotzdem: Auch im nächsten Jahr will Gregor Jonas wieder nach Großbritannien, um am „Tough Guy Race“ teilzunehmen. Dann aber mit Zehnpfennig junior. Vorher gibt es erst noch einen gemeinsamen Urlaub mit der Freundin auf den Malediven. Für Gregor Jonas ein „hartes Opfer“: Zwei Wochen auf einer Insel faul im Sand liegen, das ist so gar nicht sein Ding.
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