Von JOACHIM FRANK, 19.06.07, 20:38h, aktualisiert 04.07.07, 14:25h
Sowohl die generelle Zustimmung zu Moscheebauten als auch zum Standort Ehrenfeld liegt bei deutlich über 60 Prozent. Allerdings ist die Skepsis gegen die Größe des konkreten Bauvorhabens fast ebenso deutlich ausgeprägt: Ein Drittel der Kölner lehnt es komplett ab, ein weiteres Viertel bindet seine Zustimmung an die Vorlage eines verkleinerten Entwurfs.
Die Meinungen gehen in den einzelnen Kölner Stadtbezirken zum Teil deutlich auseinander. Auffallend ist die überproportional hohe Zustimmung zum Moscheebau in Ehrenfeld selbst. Hier sprach sich jeder Zweite uneingeschränkt für den geplanten Neubau aus. Deutlich zustimmende Voten kommen auch aus Lindenthal und der Innenstadt. Im Bezirk Chorweiler ist die Unterstützung am schwächsten, die Ablehnung am deutlichsten ausgeprägt.
Auch die Meinung zum Entwurf des Architekten Paul Böhm mit großer Kuppel und 55-Meter-Minaretten fällt in Ehrenfeld positiver aus als im Durchschnitt: Während insgesamt nur jeder dritte Kölner dem Böhm-Entwurf uneingeschränkt zustimmt, ist es in Ehrenfeld jeder zweite. Modifikationen am Entwurf des Architekten Gottfried Böhm verlangten dort nur 14,6 Prozent der Befragten.
In einer ersten Reaktion sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, der Bau einer großen Moschee könne nicht gegen den Willen der Menschen durchgesetzt werden, die in dem jeweiligen Stadtteil leben. „Ihr Verständnis muss gewonnen werden, es geht nur mit ihnen.“ Schneider betonte zugleich, dass den Muslimen in Deutschland die gleichen Freiheitsrechte zur Ausübung ihres Glaubens gebührten wie den christlichen Kirchen. Auf diesen Standpunkt stellte sich auf Anfrage auch das Erzbistum Köln. Kardinal Joachim Meisner habe stets das Grundrecht auf Religionsfreiheit betont, das auch den Bau von Gotteshäusern einschließe. Bauliche Details seien Sache der Behörden.
Mit dem Bau der Moschee verbinden sich gerade in Ehrenfeld durchaus hohe Erwartungen. Als „positiven Standortfaktor“ bewerten 48 Prozent der Befragten den Neubau; in ganz Köln sind es nur 44 Prozent. Dementsprechend sind die Sorgen vor einer nachteiligen Entwicklung des Bezirks in Ehrenfeld geringer ausgeprägt als in der Stadt insgesamt.
Die vieldiskutierte Frage, in welcher Sprache das Freitagsgebet gehalten werden solle, beantworten 40 Prozent der Kölner mit „Türkisch und Deutsch simultan übersetzt“. 26 Prozent wollen die Entscheidung den Gläubigen überlassen, 16 Prozent sind für Deutsch als Gottesdienstsprache, vier Prozent für Türkisch.
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