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Vom digitalen Doppelgänger betrogen

Von DOGAN MICHAEL ULUSOY, 21.06.07, 23:55h, aktualisiert 22.06.07, 00:05h

Mit geklauten Daten treten Betrüger als Verkäufer in Internet-Auktionshäusern auf und schädigen ehrliche Käufer. Selbst vor perfiden Rufmordkampagnen schrecken manche Kriminelle nicht zurück.

Bild: Axel Nicolai
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Alexander Kluge fiel aus allen Wolken, als er die E-Mail las. Ein Unbekannter verlangte barsch, ihm doch bitte endlich die bei Ebay ersteigerte Ware zuzusenden. Es ging um Nokia-Bedienungsanleitungen, die Alexander Kluge auf der Homepage des Internet-Auktionshauses eingestellt hatte. „Nein, nein, ich bin definitiv nicht der, den Sie meinen“, schrieb der 39-Jährige zurück. Er betreibe zwar einen Account bei Ebay. Aber in diesem Fall müsse es sich um eine Verwechslung handeln. Doch der Geschädigte blieb hart, sprach von einer bodenlosen Unverschämtheit und drohte mit rechtlichen Konsequenzen. Alexander Kluge schaltete auf stur und betonte, dass er zu keiner Zeit Derartiges bei Ebay versteigert habe: „Ich wurde dreist gelinkt.“ Denn es stellte sich heraus, dass ein Betrüger mit seinen Kontaktdaten einen weiteren Account bei Ebay angelegt hatte. Der Name war Alexander Kluge, auch die Postanschrift war identisch. Nur die E-Mail-Adresse war eine andere. Die bitterböse Konsequenz: Der Käufer überwies das Geld an den vermeintlichen Alexander Kluge, bekam jedoch keine Ware zugesendet. Der Betrogene versuchte daraufhin, den Verkäufer mehrmals per E-Mail zu kontaktieren. Aber es kam keine Reaktion. Da er sich wunderte, gab er den Namen Alexander Kluge bei Google ein und landete schließlich bei der richtigen Person. „Der Hammer aber war, als mir auch noch ein Mahnbescheid über nicht gezahlte Ebay-Gebühren ins Haus flatterte“, sagt Kluge. Erst Wochen später flog der Schwindel des Betrügers auf.

Kein Einzelfall

Das ist kein Einzelfall. Immer mehr Betrüger legen sich im Web die Identität anderer User zu. Mit den geklauten Daten treten virtuelle Doppelgänger als Verkäufer in Internet-Auktionshäusern auf und schädigen ehrliche Käufer. Selbst vor perfiden Rufmord kampagnen schrecken sie nicht zurück. Experten sprechen von einer alarmierenden Entwicklung. Ebay-Sprecherin Maike Fuest bestätigt die Entwicklung des Identitätklaus: „Ja, es gab einige Fälle.“

Deshalb seien auch die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden. „Wir führen zusätzliche Prüfungen in Fällen durch, in denen wir auf möglicherweise unseriöse Verhaltensweisen aufmerksam werden“, legt Maike Fuest dar. Wenn jemand etwa bislang nur im kleinen Umfang gekauft oder verkauft habe und dann plötzlich eine große Anzahl hochpreisiger Artikel einstelle, falle das schon ins Auge. „In solchen Fällen kontaktieren wir den User und verlangen zusätzliche Angaben.“ Zudem müssen alle Teilnehmer des Powerseller-Programms das PostIdent-Verfahren zur Überprüfung ihrer Identität durchlaufen, bei dem die Anmeldedaten mit den Daten des Personalausweises abgeglichen werden. Außerdem haben alle Mitglieder, die auf freiwilliger Basis ihre Identität durch das PostIdent-Verfahren prüfen lassen, die Möglichkeit, einen Identitätsschutz zu aktivieren. Dadurch ist keine Anmeldung mehr unter den Daten eines Mitglieds möglich, das diesen Identitätsschutz aktiviert hat. Doch Maike Fuest stellt klar, dass das PostIdent-Verfahren nicht für alle verpflichtend ist. „Wir wollen den Nutzern den Zugang zum Marktplatz nicht durch unangemessen hohe Hürden erschweren. Die Durchführung des PostIdent-Verfahrens kostet mehr als sechs Euro und ist für den Kunden auch mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden.“

Dass Ebay ein PostIdent-Verfahren nicht für alle verpflichtend einführt, kann Hans-Georg Eßer, Chefredakteur des Computermagazins EasyLinux, nicht nachvollziehen. Nur über diesen Weg sei höchstmöglicher Schutz gegeben. Im Grunde sei es simpel, die Identität anderer Leute zu klauen. „Man muss nur private Homepages durchforsten. In jedem Impressum finden sich Name und Anschrift.“ Beides reiche aus, einen Mail-Account bei gmx oder hotmail zu eröffnen. Bei Ebay müsse man zusätzlich noch das Geburtsdatum angeben. Für Betrüger auch kein Problem: „Das Internet ist voll von Lebensläufen mit Geburtsdatum.“ Er selbst hat auf seiner Website zur Sicherheit nur noch das Geburtsjahr stehen.

Hohe Dunkelziffer

Laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn (BSI) gibt es keine Zahlen über das Ausmaß des Identitätsdiebstahls, da die allermeisten Fälle nicht zur Anzeige kämen. Die Dunkelziffer sei sehr groß, betont BSI-Sprecher Matthias Gärtner. „Wir stellen in letzter Zeit eine Zunahme der Anfragen zu dem Thema fest.“ Der Düsseldorfer Anwalt und Experte für Internet-Kriminalität, Tobias H. Strömer, spricht von einer gigantischen Betrugswelle. „Der Weg zum Anwalt ist oft ein vergebliches Unterfangen. Denn das Medium Internet bietet Betrügern Anonymität.“ Die Folge: Die meisten Betroffenen würden auf ihrem Schaden sitzen bleiben. Und der sei nicht immer nur materieller Art. Denn immer häufiger sehen sich Menschen auch mit perfiden Rufmordkampagnen konfrontiert. Es gebe Fälle, in denen Kriminelle private Homepages ins Netz stellen, die nicht sie selbst, sondern eine andere Person darstellen würden. Alle Angaben würden stimmen: Bild, Lebenslauf, Hobbys. Nur ein Detail würde abweichen: Dass man etwa drei Mal wegen Diebstahls vorbestraft sei. Sehr verbreitet sei auch, dass Leute sich unter falschen Namen in Foren anmelden und Behauptungen über andere machen würden. „Heutzutage schickt man keine Schlägertrupps mehr, sondern schädigt Mitbürger online. Es handelt sich um eine einfache Methode, jemanden so richtig fertig zu machen.“



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