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„Das Schlimmste ist die Langeweile“

Von TIM STINAUER, 26.06.07, 20:14h, aktualisiert 26.06.07, 20:38h

Für das Buch „Pop Shop“ haben Autoren junge Häftlinge in Ossendorf von ihrer Sicht auf das Leben erzählen lassen. Diese sind vom Ergebnis begeistert: „Genau so wie es da steht, ist es auch im Knast.“

BILDER: RAKOCZY
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Der Zellentrakt in Ossendorf: Hier sitzen jugendliche Untersuchungshäftlinge bis zu einem halben Jahr.
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Der Zellentrakt in Ossendorf: Hier sitzen jugendliche Untersuchungshäftlinge bis zu einem halben Jahr.

Thomas redet nicht lange um den heißen Brei: „Wenn du schwul wärst“, sagt der jugendliche Häftling, „und du würdest das hier drin sagen, würde keiner mehr mit dir reden.“ Er selbst hätte mal einen schwulen Mithäftling erlebt: „Der hat am ganzen Körper gezittert, als er in die Freistunde kam. Der dachte, sie machen den alle.“ Verständnis für Homosexualität bringt Thomas' Mitgefangener Christian allenfalls bei solchen Häftlingen auf, „die 15 Jahre gekriegt haben und Sicherungsverwahrung, die nie mehr im Leben eine Frau kriegen können. Da werd' ich doch lieber schwul, als dass ich gar nichts mache.“

Offen und geradeheraus erzählen 20 junge Gefangene in dem neuen Buch „Pop Shop - Gespräche mit Jugendlichen in Haft“ über ihre Knasterfahrungen. Es ist vor allem die unverfälschte, von den Autoren kaum redigierte Sprache der Interviewten, die dem Leser einen besonders authentischen Einblick in den Haftalltag und die Gedankenwelt junger Gefangener gibt. Ein Jahr lang hat Klaus Jünschke in der Justizvollzugsanstalt in Köln-Ossendorf mit den Jugendlichen und Heranwachsenden gesprochen - über ihre Eindrücke vom Gefängnis, über ihre Familie und Freunde, ihre Erfahrungen mit Richtern und Polizisten und über ihre Taten, die sie hinter Gittern gebracht haben. Christiane Ensslin hat die mehr als tausend Seiten Gesprächsprotokolle überarbeitet, Jörg Hauenstein hat die Fotos gemacht. „Richtig gut“ sei das Buch geworden, findet Bruno (22), einer der 20 befragten Insassen. „Genauso wie es da steht, ist es auch im Knast. Das ist absolut realistisch.“

So schildert in dem Band Häftling Fred: „Das Schlimmste hier ist die Langeweile, von keinem mehr was zu hören.“ Dazu die Angst, der Kontakt zur Freundin könne abreißen. „Stell dir vor“, sagt Baschar, „irgendwann kommt ein Freund und erzählt dir, was deine Freundin draußen alles macht, und wenn die hier drin ist, erzählt die dir von Liebe. Dann drehst du doch durch.“

Den Buchtitel „Pop Shop“ haben die Jugendlichen selbst gewählt, erzählt Klaus Jünschke. Der Begriff bezeichnet in der Knastsprache Freizeitsperren, die zum Beispiel verhängt werden, wenn Gefangene nachts aus dem Fenster brüllen. „Pop Shop“ war in den 70er Jahren eine Radiosendung, die immer zu der Zeit lief, als in den Gefängnissen die Zellen verschlossen wurden. Das 240-seitige Buch kostet 16 Euro und ist im Handel erhältlich. Das Geld, berichtet Jünschke, fließe in die Arbeit des Vereins „Kölner Appell gegen Rassismus“. Nähere Informationen zum Buch gibt es auch im Internet.

 www.jugendliche-in-haft.de



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