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Erstellt 30.05.07, 22:30h, aktualisiert 30.05.07, 22:36h

Nicht vor Ort und trotzdem live dabei: Martin Weber guckt „Hart aber fair“. Natürlich nur echt mit Frank Plasberg, dem Dranbleiber, dem Hartnäckigen, dem Sprechblasenkiller. Thema ist die „Ich habe gedopt“-Welle.

Frank Plasberg
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Frank Plasberg talkt in Zukunft um 21.45 Uhr in der ARD.
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Frank Plasberg talkt in Zukunft um 21.45 Uhr in der ARD.
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Nicht vor Ort und trotzdem live dabei: Martin Weber guckt „Hart aber fair“. Natürlich nur echt mit Frank Plasberg, dem Dranbleiber, dem Hartnäckigen, dem Sprechblasenkiller. All das ist notwendiger denn je. In Zeiten, in denen sich die Mächtigen dieser Welt auf sehr kostspielige Weise freiwillig selbst einzäunen; in Zeiten, in denen Softeis-Typen wie Beckmann urplötzlich zum Investigativ-Journalisten mutieren und eine „Ich habe gedopt“-Welle auslösen; in Zeiten, in denen geständige Apotheken-Endlager öffentlichkeitswirksam auf einer Pressekonferenz die Heulsuse geben und nur wenige Tage später wieder vom Volk – das anscheinend nichts anderes will als Brot und Spiele – so hemmungslos wie hochnotpeinlich bejubelt werden. Allzeit gute Fahrt, Erik Zabel, und immer genug Epo, pardon: LUFT in den Rennradreifen. Margarethe Schreinemakers konnte auch nicht besser flennen als Sie. Respekt! Allerhöchste Eisenbahn, dass sich Herr Plasberg heute das Thema Doping vorknöpft. Und zwar so, wie sich das gehört: schön ausfransen lassen, das Thema. „Sind wir nicht alle ein bisschen Team Telekom?“, heißt es auf der Homepage von „Hart aber fair“. „Weil auch wir dopen. In der Schule, an der Uni, am Arbeitsplatz. Mit Nikotin und Koffein, mit Alkohol und Pillen. Warum ist der alltägliche Betrug so weit verbreitet? Warum zählt Leistung so viel und Muße so wenig? Und wer fragt noch nach fairer Konkurrenz, wenn allein der Erfolg zählt?“ Könnte spannend werden, und deshalb sind wir gespannt. Gleich geht’s los…

20.12 Uhr
Herr Plasberg sagt von sich selbst gerne: „Mir fehlt das Gen für Milde“. Ist unlängst 50 geworden, der Herr Plasberg. Glückwunsch nachträglich. Ist ja heutzutage kein Alter, das. Ob sich bei ihm heute Abend dennoch so etwas Ähnliches wie schleichend beginnende Altersmilde bemerkbar macht? Wir hoffen inständig: Nein.

20.15 Uhr
Das Reizthema lautet: „Die gedopte Gesellschaft – Wenn der Zweite schon Verlierer ist!“

20.17 Uhr
Gewohnt knackige Anmoderation. „Ehrlich währt am längsten – glauben Sie noch an diesen Kalenderspruch?!“, sagt Plasberg.

20.18 Uhr
Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals diskutiert mit. Klar, dass der um diese Uhr
zeit verfügbar ist; Möbelhäuser und Baumärkte werden ja dann doch eher vormittags eröffnet.

20.19 Uhr
Bruder Paulus, medienerfahrener Kapuzinermönch, gibt zu, neben seinen Fähigkeiten auch von seinem Ehrgeiz getrieben zu sein. Soviel Ehrlichkeit ist nicht selbstverständlich von einem Mann der Kirche.

20.21 Uhr
Klaus Kocks, Kommunikationsberater und ehedem Mitglied im VW-Vorstand, glaubt, dass nur unausgeglichene Menschen diese Gesellschaft voranbringen. „Haben Sie auch ne Macke?“, fragt Plasberg. So direkt und alltagstauglich darf Fernsehen gerne öfter sein. Ist es aber nicht.

20.24 Uhr
„Ich halte nicht viel davon, dass man etwas tot redet, was schon tot ist“, salbadert Werner Böhm. Keiner weiß, was er meint. Auch Plasberg nicht. Gibt’s nicht doch vielleicht einen Baumarkt, er bis 22 Uhr
geöffnet hat? Dann könnte Böhm dort, zwischen Schraubendrehern und Akkuschraubern, die Löcher aus dem Käse singen. Wäre: besser.

20.27 Uhr
Daniela Kühne, ehemalige Leistungssportlerin, war einst magersüchtig. Berichtet wahrhaft Erschütterndes: „Wir haben auch Beruhigungsmittel genommen vor dem Wettkampf.“

20.29 Uhr
„Radsport ist eine gigantische Unterhaltungsindustrie“, analysiert Klaus Kocks. Da kann man zustimmen. Und muss hinzufügen: gesponsert von der Pharmaindustrie.

20.31 Uhr
Erster Einspieler: Top 3 der besten Doping-Ausreden von Sportlern. Die Sätze von Jan Ullrich klingen selbst dann noch nach Einfaltspinsel, wenn sie vorgelesen werden.

20.33 Uhr
Marijke Amado lächelt so, wie sie früher auch in der „Mini Playback Show“ gelächelt hat. Man bekommt Angst, dass sie gleich „Wonneproppen“ sagt. Wäre extrem fehl am Platze, weil Daniela Kühne schon wieder ernsthaft bei der Sache ist.

20.36 Uhr
Nächster Einspieler. Bestellung rezeptpflichtiger Medikamente im Internet. Nichts wirklich Neues. Aber trotzdem immer wieder unfassbar zu sehen, wie einfach das geht.

20.38 Uhr
„Kann man innere Werte online im Internet bestellen?“, suggestivfragt Plasberg. Der Kirchenmann antwortet ruhig, sachlich und nur ein klitzekleines Bisschen salbungsvoll.

20.42 Uhr
„Angst ist der größte Feind von Glücklichsein“, fällt Marijke Amado ein. Da hätte man jetzt gerne einen Handschmeichler, den man mit Schmackes in den Zimmerspringbrunnen pfeffert. Hat zweifellos den schwarzen Gürtel in Esoterik, die Frau Amado.

20.45 Uhr
Weitere desolate Einlage von Werner Böhm. Empfiehlt Plasberg, morgen den „Quotenmeter“ einzuschalten. Plasbergs Lippen werden spitz und spitzer. Kann sein, dass er sich auch das fragt, was wir uns fragen: Ist Böhm so, wenn er nüchtern ist? Und falls nein: Wer hat ihm das Sixpack mit Pikkolöchen in die Garderobe gestellt?

20.47 Uhr
„Wir alle hier an diesem Tisch machen den gleichen Job“, behauptet Werner Böhm keck. Singt der Kommunikationsberater auch in Bierzelten? Macht der Pater Polonäse? Und: Gibt’s das überhaupt, PaterPolonäse (natürlich mit Binnenmajuskel)?

20.50 Uhr
Ha, da isses!!! „Wer in der Garderobe ein Glas Sekt trinkt, ist nicht gleich Alkoholiker.“ O-Ton Werner Böhm, bekennender trockener (?) Alkoholiker. Waaahnsinn. Wenn auch kein schöner. Zwischendurch weist Plasberg noch den Kirchenmann in die Schranken: „Ihre Sendung war gestern, heute bin ich hier der Moderator“. Toll, die Talkshow-Karre nimmt langsam Fahrt auf. Und am Steuer sitzt Plasberg.

20.54 Uhr
„Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren“, sagt der Kirchenmann und Kapuzinermönch. Und dann: „Alkoholismus ist eine Krankheit“. Hernach guckt er in Böhms Richtung. Auch wenn er richtig liegt respektive liegen sollte: sind nicht immer subtile Methoden, mit denen die Kirche arbeitet.

20.58 Uhr
„Stress macht mich an, Stress macht mich scharf“, sagt Klaus Kocks. Warum ist der Mann eigentlich nicht mehr im VW-Vorstand? Brauchen die da Leute nicht mehr, die eine gewisse Kernkompetenz mitbringen?

21.00 Uhr
Einspieler Nummer drei. Schockierende Zahlen zum Medikamentenmissbrauch unter Jugendlichen. Jetzt geht’s in Richtung „Leistungsdruck im deutschen Schulsystem“.

21.03 Uhr
Marijke Amado preist das holländische Schulsystem. Plasberg geht – petsch! – dazwischen: „Und was ist mit den vielen Coffeeshops, kann man Kreativität da rauchen?“

21.05 Uhr
Plasberg befragt Werner Böhm zum Thema „Alkohol unter Jugendlichen“. Böhm hat Wortfindungsstörungen, faselt, redet Unsinn. Sagt nichts und schon gar nichts Erhellendes zum Thema respektive der Frage. Als abschreckendes Beispiel in einem Anti-Drogen-Spot würde Böhm in dieser Verfassung taugen; hier und jetzt braucht ihn niemand vorzuführen – das übernimmt Böhm schon selbst.

21.07 Uhr
Nach jeder „Hart aber fair“-Sendung gibt’s einen Faktencheck; ein Check der Gäste direkt VOR der Sendung wäre auch nicht schlecht. Den Schuh muss sich Plasbergs Redaktion anziehen. Wer sich selbst nicht schützt, sollte geschützt werden. Bei Bedarf auch vor sich selbst. Auch und gerade im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Wir sind doch hier nicht bei den Kanaillen von den Privaten.

21.11 Uhr
Nächster Einspieler. Huch, ist die internationale Arbeitswelt hart, erbarmungslos und anstrengend!!! „So ist das Leben da draußen“, sagt Herr Kocks. Zur Strafe nennt Frau Amado ihn sofort „Herr Koks“. Wir wollen das unter „holländischer Humor“ einsortieren.

21.18 Uhr
Plasberg kann auch einfühlsam fragen. Und ist dabei sanft aber unerbittlich. Als Einspieler: Interview mit einer anonymisierten Alkoholikerin. Ein ruhiges Gespräch. Da ist sie, die Muße. Auch mal nicht schlecht in einem Format, das nicht zuletzt auf Schnelligkeit setzt.

21.22 Uhr
Na endlich: Bruder Paulus baut in einen Nebensatz ganz lässig die „Bordell-Besuche des VW-Vorstands in Brasilien“ ein.

21.25 Uhr
Böhm nun wieder. Eine Katastrophe. Da capo für den blankesten Unsinn. Okay, es ist eine Live-Sendung: Aber kann den Mann bitte einer ganz schnell in seine Garderobe verklappen?!

21.27 Uhr
Bevor’s verplätschert, ändert Plasberg die Richtung des Gesprächs und nimmt sich selbst in die Pflicht. Die berufliche Vita des Moderators wird mit der eines 20-jährigen (Redaktions-)Praktikanten von „Hart aber fair“ verglichen. Im Einspielfilm kommt frank (sic) und frei heraus: Plasberg hat sein Studium nicht abgeschlossen. Was im verbeamteten Sender WDR dem Schlachten einer heiligen Kuh gleichkommt. Wow.

21.31 Uhr
Schwuppdiwupp – nach dem Film steht der 20-jährige Praktikant auf dem Platz von Plasberg. Keine Frage: Zu so einem derart gerüttelt Maß an Selbstironie wären die Talkshow-Ladies Christiansen und Illner nie und nimmer fähig. Das hat: Größe.

21.35 Uhr
Brigitte Büscher mit Zuschauerredaktionen. Rege Anteilnahme der WDR-Kundschaft.

21.38 Uhr
Jetzt kommt der überaus lästige Dieter Bohlen noch dran. Einer seiner diffamierenden Sätze aus den Casting-Shows geht so: „Wenn ich meinem Hund eine Currywurst in den Arsch schiebe, klingt der so wie Du“. Ist dämlich und unverschämt, na klar – aber: Woher weiß Bohlen das? Hat der Mann gar ein seltsames Hobby?

21.41 Uhr
Alexander Klaws, erster „Superstar“ von RTL-Gnaden – die Älteren werden sich erinnern – war als Jüngelchen in der „Mini Playback Show“. Ist die Schuld, die Frau Amado damit auf sich geladen hat, heute eigentlich verjährt? So wie bei Erik Zabel die Sache mit dem Epo?

21.47 Uhr
In Holland kämpfen am Freitag in einer Fernsehshow drei Menschen um eine Spenderniere. Eins ist klar: Da greift die Vokabel „Zynismus“ zu kurz. Erst recht, wenn die Macher der Sendung behaupten, damit auf den Mangel an Spenderorganen hinweisen zu wollen.

21.50 Uhr
Werner Böhm möchte, leicht zeitverzögert, noch einen Satz „zur DSDS-Geschichte“ sagen. Plasberg sagt „Nein“. Puh, noch mal Schwein gehabt. Frau Amado verteidigt den holländischen Sender, weil dessen Gründer starb, während er vergeblich auf eine Spenderniere wartete.

21.52 Uhr
Schlussrunde. Die Diskutanten sollen sagen, wer ihnen in der Runde am besten gefallen hat. Werner Böhm grüßt seine Gattin und seinen kleinen Sohn, Klaus Kocks fand sich selbst am besten. Beides: keine Überraschung. Plasberg gratuliert Kocks angemessen hämisch, Werner Böhm kann sich jetzt in aller Ruhe einen zwitschern. Ohne Kameras. Wenigstens das. Na dann: Bis dann.

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