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Tutu: „Macht die Welt schön!”

Von JANINA MÜLLER, 08.06.07, 13:03h, aktualisiert 09.06.07, 16:49h

Wenn Erzbischof Desmond Tutu predigt, bebt die Bühne und bleibt kein Auge trocken. In seiner wortgewaltigen Bibelarbeit auf dem Kirchentag macht er vor allem eines deutlich: „Der Islam ist keine gewalttätige Religion.“

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Erzbischof Desmond Tutu begeisterte auf dem Kirchentag.
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Erzbischof Desmond Tutu begeisterte auf dem Kirchentag.

Wenn der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu predigt, bebt die Bühne und im Publikum bleibt kein Auge trocken. In seiner wortgewaltigen Bibelarbeit am Freitagmorgen macht er vor allem eines deutlich: „Der Islam ist keine gewalttätige Religion.“ Es gebe gute und schlechte Moslems ebenso wie es gute und „sehr schlechte Christen“ gebe. „Wir Christen sind die letzten, die auf andere mit dem Finger zeigen dürfen“, donnert er und große Ausrufezeichen hängen in der Luft. Es seien Christen, die die Verantwortung für den Holocaust trügen, die sich sogar gegenseitig bekriegten wie in Nordirland. Trotzdem habe nie jemand behauptet, dass das Christentum eine gewalttätige Religion sei.

Tutu spricht nicht, er lebt seine Worte, er gestikuliert, er tanzt. Die Stimme des 75-Jährigen schwillt an, wird leise, verzerrt sich, schraubt sich in die Höhe. Der Bischof wendet sich gegen Bush und den Irakkrieg, er fordert Rechte für Homosexuelle. Kein Mensch sei ein Unfall, betont er, „auch wenn manche so aussehen“. Jeder sei Teil des göttlichen Plans. Und das gelte für alle Menschen, nicht nur für Christen. „Hat jemals jemand zu Mahatma Ghandi gesagt: Du bist ein guter Mann, ein Jammer, dass du kein Christ bist?“, fragt er und lacht, um kurz darauf zu poltern: „Gott is not a Christian!“ Die rund 4000 Menschen in der Messehalle klatschen und jubeln. Jeder Papphocker ist besetzt, viele stehen oder sitzen auf dem Boden.

Tutu findet auch Worte des Danks. Für die Unterstützung der Deutschen im Kampf gegen die Apartheid. „Schaut uns heute an: We are free!“ ruft er begeistert und wirft die Arme in die Luft. Lange Jahre hätten Christen in Südafrika versucht, Rassismus und Unterdrückung durch die Bibel zu rechtfertigen. Sie hätten in der Regierung gesessen und böse Politik im Namen Gottes gemacht. Aber Gott stehe immer auf der Seite der Armen und Benachteiligten. „Gott sagt nicht: Jene, die am meisten in die Kirche gehen oder beten kommen in den Himmel“, betont Tutu. Gott fragt: Wer hat die Hungernden genährt, die Nackten bekleidet und die Kranken besucht. Das sei sein Auftrag an die Menschen: „Geht hinaus und macht die Welt schön!“ Tutu steigt unter Standing-Ovations und Jubelrufen von der Bühne: Der Auftrag ist angekommen.

Desmond Tutu, geboren am 7. Oktober 1931 in Klerksdorp/Südafrika, ist anglikanischer Bischof und Friedensnobelpreisträger. In den 70er Jahren begann er gegen die Apartheid in seinem Land zu kämpfen. 1986 bis 1996 war er Erzbischof von Kapstadt. Seit 1995 ist er Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika. Tutu ist verheiratet und hat vier Kinder.



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